UnternehmenskulturPositives sehen und stärken

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Was haben funktionierende Teams und glückliche Ehen gemeinsam? Bei beiden muss die positive Kommunikation die negative um ein Vielfaches übersteigen. Ein Plädoyer für die Betonung des Positiven in Unternehmen.
erschienen: 10.12.2014
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Positivität meint den stärkenbasierten Entwicklungszustand von Mitarbeitern. Kurzum: das psychologische Kapital. Dies wiederum äußert sich in gegenseitiger Unterstützung und Toleranz der Mitarbeiter untereinander. Auf der interaktionalen Ebene beschreibt Positivität den Nutzen von Sozialkapital und psychologischen Kapazitäten in der Zusammenarbeit. Dies äußert sich in Phänomenen wie freiwilliges Arbeitsengagement, Kollegialität und Prosozialität. Als erfolgsentscheidend für Positivität im Unternehmen werden – in Analogie zum längeren, krisenerprobten Bestand einer Ehe – folgende Strategien angesehen:

Das Positive und Funktionierende sehen und betonen

Unternehmen sollten bei all den negativen Situationen und Erfahrungen, die es immer wieder gibt, nicht das Positive und Funktionierende vergessen. Konzentrieren sie sich zu sehr auf Negatives beziehungsweise auf das, was schlecht läuft, nehmen sie mögliche Chancen nicht wahr und übersehen die Erfolge. Also das, was gelingt. Deshalb sollte beispielsweise auch in Meetings Positives hervorgehoben und Chancen diskutiert werden. Solange das Negative nicht überlebensrelevant ist und eine Krise auslöst, sollte es immer nur an zweiter Stelle stehen.

Innerhalb der positiven Wissenschaften beschäftigt sich speziell der Ansatz „Appreciative Inquiry“ von David Cooperrider mit dem, was positiv ist. Dabei geht es um das Ansetzen bei den Stärken und Ressourcen der Mitarbeiter, die weiter zur Entfaltung gebracht werden müssen. Schwächen lediglich zu reparieren schafft allenfalls Schadensbegrenzung, aber kein weiteres Wachstum.

Positives Management ist eine empirische Wissenschaft, die sich auf positive Phänomene in Unternehmen konzentriert. Es fokussiert eher Stärken von Menschen, nicht deren Schwächen, und sucht nach lebendigen, nutzbaren Energien. Es verstärkt bereits funktionierende, lebendige Phänomene wie Mitarbeiterengagement, Motivation, Leistungswille, Kollegialität oder Loyalität.

Positives Verhalten der Teammitglieder untereinander

Zahlreiche Studien im Bereich der Paartherapie- sowie der Management-Forschung bestätigen: Positives Verhalten wirkt sich sowohl in einer privaten Beziehung als auch am Arbeitsplatz langfristig stabilisierend aus. Die bekannte „Gottman-Konstante“ definiert: In einer Beziehung brauchen wir fünf Mal mehr positive als negative Kommunikation, um sie erfolgreich zu führen. Herrscht hingegen vorwiegend negative Kommunikation, steigt die Scheidungswahrscheinlichkeit.

Die gleichen Phänomene fanden die Psychologen Barbara Fredrickson und Marcial Losada auch in Teams. Dabei blühen Menschen dann auf, wenn sie drei Mal mehr positive als negative Emotionen erfahren. Teams sind auch hoch performant, wenn im Team positives Verhalten negatives um ein Vielfaches übersteigt. Die Konsequenz: Ein höflicher und zuvorkommender Umgang der Teammitglieder untereinander zahlt sich aus. Ein Prinzip, das sich insbesondere auch Führungskräfte aneignen sollten, denn die besten Mitarbeiter kehren dem Unternehmen den Rücken, weil sie mit ihrem direkten Vorgesetzten Probleme haben.

Stellen passend nach den Stärken der Mitarbeiter besetzen

Personal sollte in Unternehmen stärkenbasiert eingesetzt werden. Wer Stellen willkürlich besetzt, wird nicht nur die dafür nicht geeigneten Mitarbeiter, sondern auch eine unbefriedigende Performance ernten. Was es braucht, ist ein adäquates Talentmanagement, das die besten Talente des Unternehmens in ihren Stärken fördert und an den zu den Stärken passenden Stellen einsetzt. Werden Stellen hingegen aufgrund politischen Kalküls besetzt, stehen unter dem Strich frustrierte Mitarbeiter, die unter einem nicht geeigneten Vorgesetzten leiden. Im Zuge dessen stellen sich ein hoher Krankenstand sowie eine hohe Fluktuationsrate ein.

In der Personalentwicklung selbst sollten Weiterbildungsmaßnahmen weder als Lückenfüller für fehlendes Wissen bei den Mitarbeitern, noch als Betrieb zur Reparatur von Mitarbeiterschwächen gesehen werden. Soll Personalentwicklung gewinnbringend funktionieren, müssen solche Zulassungsverfahren zu den Weiterbildungsmaßnahmen konsequent an den Stärken der Mitarbeiter ansetzen. Diese Stärken sollten mithin durch Personalauswahl, Personalentwicklung und Führung konsequent gefördert und genutzt werden.

Auch der amerikanische Managementexperte Jim Collins empfiehlt in seinem Buch „From Good to Great“, nicht zuerst die zu besetzenden Stellen in den Vordergrund zu stellen, sondern die talentierten Mitarbeiter, die sich Unternehmen an Bord holen. Diese Mitarbeiter würden automatisch zum Gewinn des Unternehmens beitragen, weil dadurch der Humankapitalwert steige.

Fazit

Erfolgreiche Unternehmen investieren Zeit und Geld, um die Unternehmenswerte und handlungsleitenden Normen von Zeit zu Zeit zu reflektieren, zu justieren oder zu modifizieren. Sie stellen Strukturen und Freiräume zur Verfügung, die herausfordernd und dabei leistungsfördernd auf die Mitarbeiter einwirken.

Über den Autor
Tobias Illig

Tobias Illig ist Coach, Führungskräftetrainer und Organisationsentwickler. Seit 2011 vernetzt er Interessierte zu Positivem Management, veranstaltet jährlich ein "Get Together" der positiven Szene und leitet eine Xing-Gruppe zum Thema. Tobias Illig unterrichtet an Hochschulen den Nachwuchs in Management und Organisation.

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