UnternehmervollmachtAls Unternehmer für den Notfall vorsorgen

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Unternehmer brauchen, neben der üblichen Vorsorge für den Notfall, zusätzlich eine Unternehmervollmacht.
erschienen: 29.09.2014

Mit dem Thema Betreuung oder Pflege werden in der Regel ältere Menschen in Verbindung gebracht. Die Wenigsten rechnen in jungen Jahren damit, dass sie ein Betreuungsfall werden könnten. Was aber passiert, wenn der nicht erwartete Fall dennoch eintritt?

Vollmacht zur Bestimmung eines Betreuers

Jeder kann für den Betreuungsfall vorsorgen. Dazu sollten Sie sich mit Begriffen wie Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung, Patientenverfügung auseinander setzen. Als Unternehmer kommt zusätzlich die Unternehmervollmacht hinzu.

Ein Unfall oder eine Krankheit genügen, und Sie sind nicht mehr in der Lage Entscheidungen selbst zu treffen. Für Dinge des alltäglichen Lebens, wie z.B. Bezahlen einer Rechnung, benötigen Sie Hilfe. Sie können selbst entscheiden, wer Sie im Ernstfall vertreten soll, indem Sie eine Vollmacht erteilen. Wenn Sie keine Vollmacht erteilt haben, bestimmt das Gericht einen Betreuer. Dieser ist für Sie und für Ihre finanzielle Situation verantwortlich.

Wenn Sie verheiratet sind, unterliegen Sie nicht dem Irrglauben, dass automatisch Ihr Ehepartner die Verantwortung für Sie übernehmen darf. Im Gegenteil, ohne eine rechtsgültige Vollmacht, wird Ihr Ehepartner entfremdet. Eine automatische Vertretungsberechtigung durch Ehepartner, Verwandte oder Familienangehörige gibt es nicht. Es gelten entsprechend die §§ 164 ff. BGB und §§ 662 ff. BGB. Selbst vom Gericht bestimmte Ehepartner können nicht komplett frei handeln.

Vorsorge für Privatpersonen und Unternehmer

Im Folgenden erhalten Sie eine kurze Erläuterung der einzelnen „Vorsorgebausteine“, die Sie sowohl als Privatperson als auch Unternehmer haben sollten:

Patientenverfügung

Eine Patientenverfügung regelt, sobald Sie sich unabwendbar im Sterbeprozess befinden, Einleitung, Umfang und Beendigung bestimmter ärztlicher Maßnahmen, wie z.B. Apparatemedizin für lebensverlängernde Maßnahmen. Ärzte müssen sich seit 2009 rechtlich bindend an eine Patientenverfügung halten und deren Existenz über das Betreuungsgericht, welches die Informationen online im Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer einholt, erfragen. Hält sich ein Arzt nicht an den schriftlich festgelegten Willen, so wird das seit 2010 nach einem BGH-Urteil als Körperverletzung eingestuft und kann zum Verlust der Approbation des Arztes führen. Wichtig: Ihre Vorstellungen müssen eindeutig und rechtskonform formuliert sein.

Vorsorgevollmacht

Mit einer Vorsorgevollmacht regeln Sie Ihre Angelegenheiten im Krankheitsfall bzw. für den Fall, dass Sie selbst dazu nicht mehr in der Lage sind. Sie bestimmen eine Vertrauensperson, um an Ihrer Stelle die Entscheidungen zu treffen, die in Ihrem Sinne sind – und zwar in allen Lebensbereichen.

Betreuungsverfügung

Um eine gerichtlich bestimmte Betreuung durch einen fremden Dritten zu vermeiden, können Sie mit einer Betreuungsverfügung Ihre Interessen frühzeitig im eigenen Sinne regeln. In der Betreuungsverfügung werden z.B. Unterbringung, Ort und Art der Versorgung und vor allem Ihre persönlichen Betreuungspersonen genau festgeschrieben.

Die Anwendung der einzelnen Verfügungen bzw. der Vorsorgevollmacht setzt voraus, dass Sie als betroffene Person nicht mehr in der Lage sind, ihren Willen zu bilden oder verständlich zu artikulieren.

Unternehmervollmacht für Unternehmer, Selbstständige oder Freiberufler

Als Unternehmer sollten Sie nicht nur Ihre private Absicherung regeln, sondern auch die unternehmerische. Ein Unfall oder eine Krankheit genügen, und Sie sind nicht mehr in der Lage Ihr Unternehmen zu führen. Bereits heute sollten Sie einen "Plan B" haben. Als Unternehmer müssen Sie sich die Frage stellen, was soll mit Ihrem Unternehmen passieren, wenn Sie es nicht - zumindest vorübergehend - nicht mehr führen können. Letztendlich haben Sie folgende Möglichkeiten:

  • das Unternehmen soll veräußert werden
  • Unternehmensaufgabe
  • Fortführung des Unternehmens

Unabhängig davon, für welche Möglichkeit Sie sich entscheiden, eines ist sicher: Wenn Sie nicht im Voraus eine Person Ihres Vertrauens bestimmt haben, wird ein Betreuer vom Gericht bestimmt, der Ihre Interessen vertritt. Ob dies nach Ihren Wünschen erfolgt, sei an dieser Stelle dahingestellt.

Ohne Know-how droht die Insolvenz

Bei einem größeren Unternehmen bringt der Ausfall des Vorgesetzen eine große Unsicherheit für die Mitarbeiter mit sich. Sie hoffen, dass das Unternehmen fortgeführt wird. Wurde die Geschäftsführung für diesen Fall nicht geregelt, setzt das Gericht einen Betreuer ein, der die Leitung übernimmt. Erfolgreiche Führung eines Unternehmens setzt Erfahrung und profundes Wissen voraus. Ob dies im Falle eines gerichtlich bestellten Betreuers gegeben ist, ist fraglich.

Klären Sie also schon heute, wer sich im Falle einer Unternehmensfortführung um die Leitung des Unternehmens kümmert. Nicht nur in Ihrem Interesse, sondern auch im Interesse Ihrer Angehörigen sowie Ihrer Mitarbeiter. Ansonsten wird das Unternehmen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit in der Insolvenz enden.

Ein-Mann-Betriebe ohne Vorsorge

Ca. 70 Prozent der deutschen Unternehmen sind sogenannte Ein-Mann-Betriebe. Nur 10 Prozent davon haben durch eine Vollmacht für den Ausfall des „Chefs“ vorgesorgt.

Vergessen Sie den Notfallordner nicht

Wenn Sie in Ihrem Unternehmen ausfallen, sollten Sie nicht nur die Geschäftsführung geregelt haben. Sorgen Sie dafür, dass Sie einen Notfallordner erstellen, der wichtige Daten enthält wie z.B.

  • Passwörter
  • Bankdaten
  • Finanzstatus des Unternehmens
  • Versicherungen
  • wichtige Telefonnummern

Vollmachten anpassen

Es gibt Kanzleien, die sich darauf spezialisiert haben, Vollmachten bei künftigen gesetzlichen Änderungen automatisch anzupassen und Vollmachten bei veränderten, persönlichen Lebenssituationen zu aktualisieren. Häufig bieten sie auch weiteren Service rund um Vollmachten an.

Wer sich nicht rechtzeitig um eine Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung oder Unternehmervollmacht kümmert, gibt sein Recht auf Selbstbestimmung auf.

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Über den Autor
Markus Hübner

Markus Hübner ist als selbstständiger Finanz- und Anlageberater tätig. Sein Tätigkeitsschwerpunkt ist die Vermögensstrukturierung sowie die Vermögensabsicherung. Neben seiner Beratertätigkeit publiziert er regelmäßig Beiträge zu finanzwirtschaftlichen Themen.

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