VorsteuerWenn die Quittung zur Steuerfalle wird

© Jürgen Priewe - Fotolia.com
Werden Quittungen falsch ausgestellt, kann das Finanzamt den Vorsteueranspruch streichen und Aussteller in Regress nehmen. Was Unternehmen beachten sollten.
erschienen: 25.11.2014
Schlagwörter: Steuern, Rechnungswesen
(1 Bewertung)

Für Zahlungen bis zu einem Gesamtbetrag von 150 Euro brutto gelten vereinfachte Rechnungsanforderungen. Quittungen werden als so genannte Kleinbetragsrechnungen anerkannt, wenn sie vier zentrale Merkmale aufweisen:

  • Name und Anschrift des Ausstellers
  • Ausstellungsdatum
  • Art und Menge der gelieferten Produkte oder Dienstleistungen
  • Bruttopreis und anzuwendender Steuersatz

Damit sind auf Quittungen deutlich weniger Angaben notwendig als auf Rechnungen. Nichtsdestotrotz erfordert das Ausstellen von Quittungen höchste Sorgfalt und sollte keinesfalls leichtfertig erfolgen.

Formale Vorgaben bei Quittungen beachten

Falsch ausgestellte Quittungen können zu einer tückischen Steuerfalle werden. Zwar drucken elektronische Kassen die steuerlichen Formvorgaben in der Regel automatisch auf den Kassenbon. Doch viele Unternehmen setzen weiterhin auf handschriftliche Belege – mit oder ohne Quittungsblock.

Dabei müssen die formalen Vorgaben eingehalten werden, denn fehlerhafte Angaben auf Quittungen gefährden den Vorsteuerabzug. Schnell streichen Finanzbeamte den Erstattungsanspruch und machen Nachforderungen geltend. Bei einer Quittung über 150 Euro brutto beträgt der Vorsteuerabzug bei 19 Prozent Umsatzsteuer immerhin rund 24 Euro. Werden Fehler zur Methode, kommen schnell hohe Summen zusammen.

Angaben zur Mehrwertsteuer auf Quittungen streichen

Das Risiko besteht nicht allein in fehlenden Angaben. Verhängnisvoll sind auch falsche Angaben zum Steuerbetrag. Kleinunternehmer oder Unternehmer mit steuerfreien Umsätzen wie etwa Ärzte dürfen auf Quittungen keinesfalls den Steuersatz angeben. Wer unberechtigt Steuern ausweist, schuldet dem Finanzamt die Umsatzsteuer. Schließlich ermöglichen Aussteller dem Empfänger der Quittung den Vorsteuerabzug und gefährden damit das Steueraufkommen. Um kein Risiko einzugehen, sollte auf Formularen von vornherein der Zusatz „inkl. 19 % MwSt.“ oder „inkl. 7 % MwSt.“ gestrichen werden. So können sich Aussteller im Falle der Steuerbefreiung vor bösen Überraschungen schützen.

Regeln für den Umgang mit Quittungsformularen

  • Auf handschriftliche Belege grundsätzlich verzichten
  • Nur aktuell gültige Quittungsformulare verwenden
  • Veraltete Vordrucke entsorgen
  • Mitarbeiter, die Quittungen ausstellen, für die genaue Einhaltung der Formvorschriften sensibilisieren
  • Quittungen intern stichprobenartig kontrollieren, um Folgefehler zu vermeiden
(1 Bewertung)  Artikel bewerten
Über den Autor
Axel Uhrmacher

Axel Uhrmacher ist Vizepräsident des Bundesverbandes der Bilanzbuchhalter und Controller e.V. (BVBC). Als freiberuflicher Dozent und Berater beschäftigt er sich mit aktuellen betriebswirtschaftlichen Entwicklungen und ihrer praxisgerechten Umsetzung in Unternehmen.

AnschriftBundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller e.V.
Am Propsthof 15-17
53121 Bonn
Telefon+49 228 963930
E-Mailkontakt@bvbc.de
Internetwww.bvbc.de