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War for TalentsMit begeisterten Mitarbeitern den Aufschwung meistern

Unternehmen, die jetzt nicht für begeisterte und loyale Mitar­beiter sorgen, werden wirt­schaftlich nicht bestehen können. Doch wie bekommt man genau diese Mitarbeiter, die jeder gerne hätte?
erschienen: 29.09.2010

Langfristige Personalplanung, Nachwuchsförderung und Mitar­beiterentwicklung sind die Schlagworte der Zukunft. Doch bei aller sinnvollen Planung und dem strategisch richtigen Einsatz gezielter Maßnahmen hält „nur“ ein Faktor Mitarbeiter bei der Stange: die Begeisterung für das Unternehmen, die Begeisterung für das eigene Tun. Dieses Miteinander in allen Facetten möglichst positiv zu gestalten, ist also zukünftig die wichtigste Aufgabe für Unternehmer und Führungskräfte.

Fakt 1: Wer jetzt nicht für begeisterte Mitarbeiter sorgt, wird langfristig wirtschaftlich nicht bestehen können

Ein Schiff zu führen ist nicht einfach. Ungezählte Wracks in den Tiefen aller Weltmeere zeugen ebenso davon wie die heutigen Fernsehbilder havarierter Tanker. Und doch: Angesichts der vie­len Millionen Seemeilen, die Schiffe jährlich über die Ozeane kreuzen und dabei zahlreichen Stürmen trotzen, sind ihre Kapi­täne erstaunlich erfolgreich. Das mag auch damit zusammen­hängen, dass sie auf ihre anspruchsvolle Aufgabe sorgfältig vorbereitet werden: Wer Kapitän in der Handelsschifffahrt wer­den will, erwirbt an einer Fachschule oder Fachhochschule das „Befähigungszeugnis nautischer Wachoffizier“ und sammelt an­schließend mindestens zwei Jahre Praxiserfahrung. Erst dann wird ihm sein Schiff anvertraut.

Führung = Macht oder Magie?

Die Übergabe der ersten Führungsposition in einem Unterneh­men beschränkt sich dagegen gelegentlich auf den Glück­wunsch zur Beförderung und ein paar warme Worte: „So Meier, nun machen Sie mal!“ Fragt man umgekehrt Menschen nach ihrer Führungsmotivation, reichen die Antworten von einem sehr pauschalen „Etwas erreichen wollen, gestalten können“ bis zu verständnislosen Blicken. Im zweiten Fall beschleicht mich der Verdacht, dass hier Gehalt, Dienstwagen und andere Insignien der Macht das Bild vom Chefsein wesentlich bestimmen.

Doch die Seefahrt lehrt: echte Kapitäne fallen nicht von den Bäumen. Es braucht Erfahrung und Anleitung. Und es braucht vor allem den Mut, sich der Verantwortung für das (Unterneh­mens-) Schiff zu stellen. Ein guter Kapitän ist der Fels in der Bran­dung. Er bestimmt den Kurs und heuert die richtige Crew an. Er mischt sich nicht in Details ein, die seine Leute besser beherr­schen. Dafür behält er mögliche Gefahren im Auge vom Eisberg bis zum aufziehenden Sturm.

Auch in heiklen Situationen oder wenn eine schwierige Route zu meistern ist, flößt er der Crew Mut und Selbstvertrauen ein, statt sich auf der Brücke zu verschanzen. Er gibt klare Ansagen, hält Konflikte aus, trifft auch einmal unpopuläre Entscheidungen und geht als Letzter von Bord. Das ist eine spannende Herausforderung. Wer sich ihr stellt, wird an ihr wachsen. Und wer sie bewusst ergreift, lernt rasch, Klippen zu umschiffen. Wer seine Crew begeistern will, sollte diese Aufgabe mit Begeisterung wahrnehmen. Begeisternde Chefs sind mit Begeisterung Chef. Und das bedeutet: Sie sind echte Führungskräfte, nicht nur „Manager“.

Fakt 2: Wer es jetzt nicht schafft, die besten Mitarbeiter anzu­heuern, wir den Aufschwung nicht überleben.

Wer als Kind Seefahrer- und Piratenfilme geliebt hat, kennt die folgende Szene: Eine zwielichtige Gestalt durchkämmt im Auf­trag der Reederei dunkle Hafenkneipen, um neue Seeleute für ein Schiff anzuwerben. Mancher betrunkene Matrose begreift erst auf hoher See, auf welches Himmelfahrtskommando er sich eingelassen hat und verflucht den Tag, als er auf den „Heuer­baas“ hereinfiel. All das entspringt nicht etwa der Fantasie von Drehbuchautoren: Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts bediente sich mancher Heuermaat tatsächlich dubioser Methoden, um arbeitslose Seeleute an Bord zu locken – bis hin zum gefürchte­ten „Schanghaien“, dem Kidnapping betrunkener oder kurzer­hand bewusstlos geschlagener Matrosen.

Mitarbeiterauswahl: Premiummarke sorgt für Sog

Wer heute wirtschaftlichen Stürmen trotzen will, tut gut daran, genau hinzuschauen, wen er an Bord nimmt. Unternehmen, die Begeisterung leben, suchen die Besten. Dabei geht es nicht al­lein um Sachkompetenz. Mindestens ebenso wichtig ist, dass ein neues Crewmitglied sich für den Unternehmensgeist begeistern kann. Wir haben tatsächlich einen „War for talents“, einen Krieg um die besten Talente.

Statt auf großzügige Rumrationen setzen Begeisterungsunternehmen lieber auf Mundpropaganda, auf sorgfältige Auswahlverfahren und auf gezielte Nachwuchsför­derung. Ihre Ausbildungsprogramme sind beispielhaft. Hier wird niemand zwischen Tür und Angel eingestellt: Man nimmt sich die Zeit, genau hinzuschauen. Und man schenkt dem Bordmit­glied in spe reinen Wein ein, was auf hoher See zu erwarten ist. Das lohnt sich: Hier wird nicht gemeutert, sondern begeistert mitangepackt.

Locken Sie gezielt gute Bewerber an und nutzen Sie die ver­schiedenen Kanäle, um deutlich zu machen, worauf es Ihnen ankommt. Präsentieren Sie sich als ehrgeiziges Unternehmen, das leistungsorientierten Mitarbeitern Spielräume und Entwick­lungsmöglichkeiten bietet – kurz: als Premiummarke!

Nebenbei bemerkt: Es schadet nichts, wenn Sie all jene von vornherein abschrecken, die keinen begeisternden, sondern vor allem einen bequemen Job suchen. Wer als Bewerber Ihr Unternehmen betritt, sollte den besonde­ren Geist dort spüren und sich herzlich willkommen fühlen. Set­zen Sie sich auch hier hohe Ziele. Im bes­ten Fall meint Ihr Be­werber abschließend: „Wissen Sie – unab­hängig davon, ob ich die Stelle bekommen werde – das, was ich bei Ihnen erlebt habe, hat mich begeistert! So etwas hab’ ich noch nie erlebt!“ Und wenn ein Bewerber, dem schon die Begrüßung, der Emp­fang etc. „merk-würdig“ vorkamen, der Mitarbeiterin noch auf dem Flur sagt: „Entschuldigung, ich bin mir nicht ganz sicher, ob Sie mich verwechseln, ich bin doch nur der Bewerber!“ sind das tatsächlich für alle Beteiligten Wow-Er­lebnisse zum Thema Mitarbeiterbegeisterung.

Fazit

Damit wird klar: Eine echte, gelebte Begeisterungskultur ist das beste Mittel, gute Mitarbeiter zu gewinnen. Menschen reden über ihre Arbeit. Wenn Ihre Mitarbeiter begeistert von ihrer Ar­beit erzählen, ist das die beste Voraussetzung für eine Sogwir­kung. Diese können Sie verstärken, indem Sie Ihren Mitarbeitern deutlich sagen: Wir sind eine gute Crew! Wobei wir zurück beim Thema Führung und einer entscheidenden abschließenden Frage sind: Warum können so viele Führungskräfte nicht (mehr) begeistern? Wem das Feuer fehlt, dem fehlt auch die anste­ckende Begeisterung für  das eigene Unternehmen, die eigenen Produkte – und dann springt der Funke auch nicht auf die Mitar­beiter und Kunden über. Es gibt jedoch Hoffnung: meist liegt nur ein Berg Asche über der Glut… Arbeiten Sie jetzt am Geist Ihres Unternehmens: es ist der Erfolgsfaktor der Zukunft!

[Bild: Fotolia.com]

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