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WeihnachtsfeierKeine Angst vor Benimmregeln!

Kein Alkohol und kein Techtelmechtel mit Kollegen? Vergessen Sie einschlägige Business-Ratgeber für Weihnachtsfeiern und seien Sie ganz Sie selbst!
erschienen: 11.12.2012
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Hatten Sie schon Ihre Weihnachtsfeier? Meine kommt noch und eins weiß ich: Dieses Jahr wird alles anders. Nachdem ich bislang die zahlreichen „Was-Sie-besser-lassen-sollten“- beziehungsweise „So-treten-Sie-nicht-ins-Fettnäpfchen“-Tipps einschlägiger Ratgeber-Autoren für Weihnachtsfeiern immer brav befolgt hatte, werde ich dieses Jahr so richtig Spaß haben und mich auf das weihnachtliche Sit-In mit den Kollegen freuen. Deshalb, liebe Ratgeber-Autoren, seht es mir nach, wenn ich in diesem Jahr meine eigenen Wege gehe.

Business-Small-Talk mit dem Chef

Dass man nicht auch noch auf Weihnachtsfeiern übers Business sprechen soll, ist eigentlich gar kein schlechter Tipp. Wenn wir das ganze Jahr Texte schreiben, Artikel redigieren, Newsletter erstellen und mit Kunden und Autoren kommunizieren, muss das nicht unbedingt auch noch an der Weihnachtstafel Gesprächsthema sein. Wäre da nur nicht der Hinweis, dass Gespräche übers Geschäft mit dem Chef durchaus erlaubt sind.

Aha. Mit meinen Kollegen darf ich nicht übers Business reden, mit meinem Chef aber schon? Klar, wer Karriere machen will, muss das eben auch auf Teufel komm raus auf der Weihnachtsfeier zeigen: „Hallo Chef, übrigens: coole Location. Ach ja, was ich noch sagen wollte: Ich habe heute zwei neue Kunden an Land gezogen.“  

Eigentlich liegt mir Small Talk, doch seltsamerweise hatte mein Chef ausgerechnet jetzt kein Gehör dafür. Stattdessen vertröstete er mich mit einem Besprechungstermin. Dabei wollte ich doch nur höflich sein und ihm zeigen, was er an mir hat. Keine Chance. Irgendwie konnte ich es ihm auch nicht verdenken, bei dem ganzen Stress, den er übers Jahr hat. Fazit: Meine Small-Talk-Energie ist dieses Jahr bei der neuen Kollegin vom Empfang besser investiert.

Kollegen schöne Augen machen

Wie habe ich mit mir gerungen, ob ich die neue Kollegin vom Empfang ansprechen soll, obwohl ich doch gelesen hatte, auf einer Weihnachtsfeier tue man so etwas nicht. Peinlich sei so etwas, sogar mit Beschwerden müsste ich rechnen und – das Schlimmste überhaupt – mein Job könne in Gefahr geraten. Wenn die von der neuen Kollegin wüssten. Doch „schöne Augen macht man keinem!“ Das sitzt.

Dieses Jahr aber will ich es wissen. Schließlich kann ich sehr gut selbst einschätzen, wann ein Rückzug strategisch sinnvoll ist und wann nicht. Außerdem: Was kümmern mich die Blicke der Kollegen. Es fällt mir schwer zu glauben, dass die „jeden Annäherungsversuch exakt protokollieren“.

Alkohol ist nicht spaßig

Nein, auf Weihnachtsfeiern trinkt man kaum Alkohol, maximal zwei Gläser Wein. Außerdem kann man ja auch ohne Prozentiges fröhlich sein. Doch bislang saß ich jedes Mal todunglücklich da, nippte an Wasser und Apfelschorle und dachte an den Rat: „Sie wissen dann womöglich nicht mehr, was Sie sagen – und beleidigen womöglich noch Kollegen oder sogar Ihren Chef.“ Am anderen Ende des Tischs aber probierten sich die Kollegen munter durch die Weinkarte.

Ohne negative Konsequenzen, außer dass ihre Konversation mit zunehmender Dauer an die von Steinzeitmenschen erinnerte. Den Chef aber störte das nicht. Auch war von den absichtlichen Bösartigkeiten, die der Alkoholkonsum anscheinend automatisch mit sich bringt, nichts zu spüren. Stattdessen ausgelassene Stimmung. Nein, auf Weihnachtsfeiern trinkt man Alkohol, nämlich einen Aperitif, ein paar Gläser Wein und zum Abschluss noch einen Cocktail an der Bar!

Immer passend gekleidet

Irgendwann wagte ich den Aufruhr. Bei einer Weihnachtsfeier widersetzte ich mich dem Rat, meine Kleidung dem Ort der Feier entsprechend anzupassen. Stattdessen befolgte ich einen anderen, der sagte, Weihnachtsfeiern seien keine Spaßveranstaltungen. Entsprechend seriös putzte ich mich heraus: Anzug, Krawatte, Business-Schuhe.

Doch schon beim ersten Versuch, alle Neune zu versenken und Eindruck auf die bowlenden Kollegen zu machen, machte es "ratsch" und meine Anzughose riss. Das hatte ich nun davon. War wohl doch nicht die passende Kleidung für den Abend. Eine ruhige Kugel schob ich danach jedenfalls nicht mehr. Hätte ich lieber den Tipp mit dem Dresscode befolgt: Ein Anzug mit Krawatte hat auf einer Kegelbahn nichts verloren. Was für ein spaßiger Abend hätte es doch werden können … 

Abgang oder sitzen bleiben?

Wann ich unsere Weihnachtsfeier in diesem Jahr verlassen werde, kann ich heute noch nicht sagen. Meine Erfahrung zeigt aber, dass es bestimmt wieder spaßig – und damit spät – werden wird. Also bleibe ich sitzen. Ich bleibe sogar dann noch sitzen, wenn mein Chef früher gehen sollte. Das ist schon des Öfteren passiert und ich war nicht der Einzige.

Am Ende fand sich immer eine Runde, mit der ich noch um die Häuser ziehen konnte. Schief angesehen wurde ich deshalb noch nie, obwohl einige Ratgeber sagen, man müsse dann aufbrechen, wenn der Chef es tut. Mein Chef wäre der Letzte, der mich zwingen würde, krampfhaft sitzen zu bleiben, nur weil er noch da ist. Oder zu gehen, wenn er sich verabschiedet. Und ich kann und will mir auch nicht ernsthaft vorstellen, dass so etwas auf irgendeiner Weihnachtsfeier Usus ist.

In diesem Sinne wünsche ich frohe Weihnachten – und natürlich eine entspannte und vor allem selbstbestimmte Weihnachtsfeier. Bleiben Sie so, wie Sie sind!

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Über den Autor
David Wolf

David Wolf ist Redakteur bei business-wissen.de. Er betreut die externen Autoren, verantwortet die Themenplanung, erstellt den wöchentlichen Newsletter und managt den Auftritt von business-wissen.de in den sozialen Medien.

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