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ZeitarbeiterInterim Management ist mehr als eine Feuerwehr

Management auf Zeit: Das Thema hat Konjunktur, denn Unternehmen müssen sich zunehmend kurzfristiger den veränderten wirtschaftlichen Bedingungen anpassen.
erschienen: 01.10.2009

Management auf Zeit: Das Thema hat Konjunktur, denn Unternehmen müssen sich zunehmend kurzfristiger den veränderten wirtschaftlichen Bedingungen anpassen. Diese hoch-dynamischen Anpassungsprozesse lassen sich mit den vorhandenen Führungskräften nicht immer optimal bewältigen. Vor allem der deutsche Mittelstand kommt mit seiner dünnen Personaldecke im Management schnell an seine Grenzen. Im Alltagsbetrieb läuft alles bestens, aber für Sonderaufgaben, in Krisenfälle oder wenn unerwartet Mitarbeiter ausscheiden, fehlen einfach die Reserven.

Was ist ein Interimsmanager?

Interimsmanagement ist die befristete Wahrnehmung einer klar definierten Führungsaufgabe. Im Durchschnitt sind Interimsmanager in Deutschland acht Monate für eine Firma im Einsatz. Vom Berater unterscheidet sich der Interimsmanager dadurch, dass er ein Problem nicht nur analysiert und Lösungen konzipiert und deren Umsetzung dann der Firma überlasst, sondern gerade in der Umsetzungsphase tatkräftig hilft. Manager auf Zeit sind zudem ins Unternehmen integriert, besitzen Weisungsbefugnis und vertreten ihren Auftraggeber auch gegenüber Externen.

Typische Interimsmanagement-Aufgaben

Ihre Aufgaben sind dabei keinesfalls auf das Krisenmanagement beschränkt:

  • Überbrückung von Vakanzen;
  • Projektarbeit ( z.B. Produktionsverlagerung);
  • Coaching;
  • Sanierung, Restrukturierung;
  • Fusion oder Unternehmenskauf.

Vielfach werden Interimsmanager auch ins Haus geholt, um eine Firma zu sanieren.

Kompetenz und Objektivität

Gefragt sind deshalb neben fachlichen Qualitäten auch soziale Kompetenz. Für ihre Aufgaben sind die Manager auf Zeit gut gewappnet: Sie sind gestandene Praktiker und bringen im Schnitt mindestens 10-20 Jahre Berufs- und 48 Lenze Lebenserfahrung mit. Neben ihren sehr guten Referenzen haben sie spezifische Branchen– und Positionserfahrung und auch entsprechende Leistungsnachweise. Dabei sind sie nicht nur reich an Erfahrung, sondern vor allem unabhängig. Wo harte Einschnitte bei Personal und Lieferanten vorgenommen werden müssen, um ein Unternehmen zu retten, sind Interimsmanager die richtigen: Sie müssen als Externe nicht auf Seilschaften oder andere Firmeninterna Rücksicht nehmen, sondern können das objektive Wohl der Firma an erste Stelle setzen.

Vorteile der Chefs auf Zeit im Überblick

  • Unabhängigkeit, Unvoreingenommenheit - Die Interimsmanager sind nicht betriebsblind;
  • Kurzfristige Verfügbarkeit für wichtige Führungspositionen;
  • Hochqualifiziertes Expertenwissen kann zielgenau "eingekauft" werden;
  • Gute Planbarkeit (Kosten, Dauer) für den Auftraggeber;
  • Keine Personalnebenkosten;
  • Projektbezogene Einsetzbarkeit;
  • Nachwuchskräften bleibt Perspektive erhalten.

Es kann aber auch Nachteile geben:

  • Unruhe in der Belegschaft bei Sanierern
  • Irritation bei Investoren möglich (Vorurteil: Die Feuerwehr ist da: Es muss brennen!)
  • Keine Vernetzung im Unternehmen
  • Die interne Spielregeln sind dem Chef auf Zeit unbekannt
  • Die langfristige Umsetzung von Strategien ist ungewiss
  • Ein schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis bei Projekten mit langer Einarbeitungsphase

Imageprobleme

Viele Unternehmen, die schon einmal einen Interimsmanager engagiert haben, wollen dies wieder tun. Dennoch haben die Chefs auf Zeit in Deutschland mit einem gewissen Misstrauen zu kämpfen. Während in anderen Ländern dieses Management-Instrument erfolgreich und oft eingesetzt wird, haben Unternehmen in Deutschland bislangwenig Erfahrung mit Interimsmanagern.

Hinzu kommt das schlechte Image der Zeitarbeit in Deutschland, das auf die Chefs auf Zeit abfärbt. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zur klassischen Zeitarbeit:

  • Der Interimsmanager ist selbstständiger Unternehmer oder freier Mitarbeiter einer Interimsmanagementgesellschaft. Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma sind Angestellte.
  • Ein Interimsmanager wird wegen seiner spezifischen Qualifikation und seiner Führungskompetenz ausgewählt, die Qualifikation eines Zeitarbeiters liegt deutlich darunter.
  • Die Motivation für Zeitarbeiter liegt fast ausschließlich im Wunsch übernommen zu werden. Für Interimsmanager müssen Karriereambitionen tabu sein.

Heute gibt es eine Vielzahl von spezialisierten Beratungsunternehmen, die im Bereich Interimsmanagement arbeiten. Wichtig ist, dass das Unternehmen in Vorgesprächen die Bedingungen für den Einsatz klar definiert und die Situation des Unternehmens gemeinsam analysiert wird. Nur so kann ein detailliertes Anforderungsprofil mit konkreter Aufgabenbeschreibung erstellt werden.

[bb; Svetlana Miassoedov; Bild: Fotolia.com]

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