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ZukunftsmanagementWie Unternehmen heute auf Trends von morgen reagieren

Die Zukunftsstudie von Scopar nennt die wichtigsten Zukunftstrends und gibt Handlungsempfehlungen für Unternehmen.
erschienen: 25.02.2011

Die Unternehmen planen auch Maßnahmen für eine stärkere Mitarbeiterbindung, unter anderem durch ein transparentes Management. Darüber hinaus nannten sie Finanzthemen, die globale Finanzsituation und ihre Auswirkungen auf den Mittelstand (Kredite, Exportabhängigkeit), Sicherheit bei Finanzen, rasche Wechsel der Rahmenbedingungen (Finanz- und Wirtschaftskrisen, Marktveränderungen), steigende finanzielle Belastungen der Unternehmen (Energie, Arbeit) sowie die fiskalpolitische Unsicherheit.

Intelligentes strategisches Sparen und Investieren in technische Lösungen anstelle von Stagnation, Wertschöpfungsverlagerung unter Nutzung internationaler relativer Kostenveränderungen und Steigerung des Wachstums vs. Beibehaltung des Gewinns sind ebenso Fragestellungen.

Weitere Trends sind die Verlagerungen der (Fahrzeug-) Produktionen weg von Deutschland hin zu den Käufern, sowie das Aussterben des herkömmlichen linearen Rundfunks zugunsten des On-Demand-Rundfunks. Zusätzlich wird die Unterhaltungselektronik noch stärker softwaregetrieben.

Handlungsempfehlungen zu jedem der Trends

Handlungsempfehlungen "Mitarbeiterfokussierung":

  • Das Thema „Mitarbeiterfokussierung“ als Kernthema der Unternehmensstrategie positionieren, beispielsweise über die Sätze: “Unsere Mitarbeiter sind unser Erfolgsfaktor Nummer 1. Unsere Personalentwicklungsprogramme richten sich am Wohl unserer Mitarbeiter aus.
  • Den Menschen als Ganzes (Körper, Geist und Seele) verstehen und ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement entwickeln, das die Zusammenhänge berücksichtigt und alle Bereiche, die sich mit den Mitarbeitern befassen integriert.
  • Noch heute ein Projekt „Employer Branding“ initiieren, sich in Schulen und Hochschulen (und nicht nur am „Career-Day“) engagieren sowie langfristige und dauerhafte Beziehungen zu lokalen Bildungseinrichtungen aufbauen und sich als Arbeitgeber attraktiv machen.
  • Jetzt Maßnahmen aufsetzen, um Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden und dabei besonders auf die Bedürfnisse älterer Mitarbeiter und Frauen (flexible Arbeitszeitmodelle, Kinderkrippen/-gärten/-horte, Gesundheitsprogramme, kulturelle Angebote etc.) berücksichtigen.
  • Alle Maßnahmen, ältere Mitarbeiter aus dem Unternehmen zu bekommen (zum Beispiel Vorruhestandsmaßnahmen) sofort stoppen.
  • Weiterbildungsbudget um 25 Prozent erhöhen und Wissens- und Innovationsmanagement forcieren.

Handlungsempfehlungen "Kundenorientierung":

  • Kunden stärker in den Mittelpunkt rücken: dazu Kunden(-gruppen) definieren, den jeweiligen Kundennutzen herausarbeiten und alle Produkte, Services und Prozesse daran ausrichten.
  • Kundennutzen und Kundenmehrwert konsequent kommunizieren – der Kunde muss sofort erkennen, worin sein Nutzen bzw. Mehrwert liegt und dabei mehr Emotionen in Marketing und Sales bringen – technische Fakten sind sekundär, wichtiger sind Fakten, die das „Herz der Kunden“ berühren.
  • Social Media ernst nehmen, jetzt interaktive Angebote zum Kundendialog (Blog, Foren) aufbauen und die Möglichkeiten der IT ausschöpfen.
  • Möglichkeiten, den Kunden an der Produkt- und Serviceentwicklung zu beteiligen (z.B. Produktkonfiguratoren im Internet, Kunden / Entwicklerworkshops, Open-Innovation) evaluieren.
  • Möglichkeiten prüfen, um das Angebot bis zur Einzelfertigung zu individualisieren und differenzieren.
  • Mitarbeitern mit Kundenkontakt weitestreichende Handlungsfreiheit geben, insbesondere im Reklamationsfall – ein unzufriedener Kunde kostet sie soviel, wie fünf neue Kunden bringen.

Handlungsempfehlungen "IT-Optimierung":

  • IT zu einem vollwertigen Unternehmensbereich mit unternehmerischen Zielvorgaben und Einbindung machen, in die komplette strategische Unternehmensplanung einbinden und als Business- und Change-Enabler positionieren
  • Klare Umweltziele für die IT (Reduktion Wärmeerzeugung, Stromeinsparung etc. = Green IT) setzen
  • Betrieb und Projekte vollständig (organisatorisch, personell) trennen, Betrieb konsequent optimieren und optimierte Bereiche outsourcen
  • Alle IT-Kosten verursachungsgerecht verrechnen
  • Möglichkeiten für Cloud-Computing und Virtualisierung (Server und Desktop) prüfen, verteilte Strukturen und mobile Anwendungen stärker unterstützen und konkrete Projekte zur Umsetzung aufsetzen
  • IT als attraktiven Arbeitgeber positionieren – der „war for talents“ wird heftig (siehe auch Demografischer Wandel)

Handlungsempfehlungen "Prozessoptimierung":

  • 30 Prozent der Vorschriften im Unternehmen streichen.
  • Konsequente Flexibilisierung der Festlegung der Prozessbeschreibungen (z.B. über Wikis).
  • Streichen aller Unterschriftenregelungen und ein Projekt zur Entscheidungsflexibilisierung aufsetzen, um Eigenverantwortung zu steigern und um zu deregulieren.
  • Ein Programm zu Verbesserung von Prozessen (Prozessnutzen in den Vordergrund stellen) initiieren und die Mitarbeiter an den finanziellen Einsparungen beteiligen.

Handlungsempfehlungen "Nachhaltigkeit": 

  • Nachhaltigkeit in die Unternehmensstrategie aufnehmen und konsequent fördern und ganzheitlich forcieren, das heißt bezüglich Energie-, Umwelt-, Personal- und Führungsaspekte berücksichtigen.
  • Alle Unternehmensbereiche bzgl. Nachhaltigkeit in die Pflicht nehmen, konkrete Ziele vereinbaren und nachhalten.
  • Strom und Wärmebedarf um 20 Prozent reduzieren.
  • Festlegen, wann Ihr Unternehmen CO2 neutral produzieren will.
  • CO2 Bedarf jährlich um 10 Prozent reduzieren.

Handlungsempfehlungen "Innovationssteigerung":

  • Innovationsmanagement im Unternehmen etablieren, das heißt messbare Ziele, den Prozess und Verantwortliche festlegen, Schnittstellen definieren und den Mehrwert regelmäßig evaluieren.
  • Innovationen in allen Unternehmensbereichen fordern und fördern, den Mitarbeitern bspw. einen kreativen Tag pro Quartal „gönnen“ und die Ergebnisse bündeln.
  • Innovationen durch Maßnahmen (Innovations-Campus, Fortbildung, Recruiting) im Personalbereich steigern.

Zur Studie

Über 100 Teilnehmer (Entscheider, Wissenschaftler, Berater) aus unterschiedlichen Unternehmen haben sich an der Zukunftsstudie von SCOPAR beteiligt. Die gesamten Ergebnisse der Studie finden Sie hier:

SCOPAR-Zukuftsstudie 2011

Über den Autor
Jürgen T. Knauf

Jürgen T. Knauf ist Head of Strategy- and Management-Consulting. Seine Schwerpunkte liegen bei SWOT-Analysen, Kunden- und Mitarbeiterbefragung, Benchmarking, Organisations- und Prozessentwicklung, Strategien, Unternehmensentwicklung, Marketing/Sales, H2B-Strategie und Gesundheitsmanagement.

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