ZusammenarbeitTipps für den Umgang mit schwierigen Kollegen

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Wir können uns nicht aussuchen, mit wem wir zusammenarbeiten. Aber wir können lernen, mit schwierigen Menschen klarzukommen.
erschienen: 01.08.2016
Schlagwörter: Teamarbeit
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"Nehmen Sie die Menschen, wie sie sind, andere gibt' s nicht." Die Maxime für den Umgang mit schwierigen Kollegen oder Vorgesetzten im Berufsleben könnte in Anlehnung an Konrad Adenauer lauten: Akzeptieren Sie, was Sie nicht ändern können und steuern Sie mit Ihrem eigenen Verhalten das, was Sie ändern können.

Tipps für den Umgang mit schwierigen Kollegen

Wer vom Verhalten eines Kollegen oder Vorgesetzten genervt ist, sollte dennoch an einer guten und produktiven Arbeitsbeziehung arbeiten:

  • Ärgern Sie sich nicht über Charaktereigenschaften Ihres Kollegen oder Vorgesetzten, die Sie ohnehin nicht ändern können. Für die Arbeitsbeziehung ist das Verhalten dieser Person Ihnen gegenüber entscheidend. Hinterfragen Sie in diesem Zusammenhang Ihre Wahrnehmung und eventuelle Vorurteile. Vielleicht ist die Zusammenarbeit gut, aber die Person an sich nervt Sie. 

  • Interessieren Sie sich für Ihren schwierigen Kollegen oder Vorgesetzten. Mit Smalltalk lernen Sie ihn besser kennen und können ihn dann möglicherweise besser verstehen oder finden sogar Gemeinsamkeiten, die Ihre Zusammenarbeit bereichert.

  • Wenn Ihre bisherigen Versuche wirkungslos waren: Sagen Sie sachlich unter vier Augen oder in Anwesenheit eines neutralen Moderators, was genau Sie am Verhalten des Anderen stört und was Sie sich für Ihre Zusammenarbeit wünschen.

  • Schaffen Sie bei einer eingefahrenen Situation eine emotionale Distanz zu Ihren Gedanken und zum Problem. Wenn möglich, gewinnen Sie auch Abstand von der betreffenden Person.

  • Reagieren Sie stets sachlich und respektvoll, damit Sie die Situation nicht weiter verschärfen.

  • Vorsicht Tabu: Werden Sie Ihren Frust nicht durch Lästern in Ihrem beruflichen Umfeld los. Das kann negativ auf Sie selbst zurückfallen. Wenn es Ihnen hilft, dann wenden Sie sich stattdessen an eine Person aus Ihrem privaten Umfeld.

Selbstkritisch sein

Unkollegiales Verhalten zeigt sich in besserwisserischem Gehabe, sinnlosen Streitigkeiten, ständigen Konfrontationen, cholerischen Ausrastern und Gemeinheiten. Ein schlechtes Verhältnis zu Kollegen oder zum Chef lenkt ab, demotiviert und beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit. Frust, Schlafprobleme oder Krankheit können Folgen einer solchen Zusammenarbeit sein.

Persönliche Unterschiede, Neid und negative Gefühle können Gründe dafür sein, dass Sie Ihren Kollegen oder Chef falsch wahrnehmen und ihm gegenüber voreingenommen sind. Eventuell ist die andere Person gar nicht so unausstehlich, wie Sie sie wahrnehmen. Fragen Sie sich deshalb:

  • Was genau am Kollegen oder Chef nervt mich?

  • Sind mein Kollege oder Chef und ich uns zu unähnlich?

  • Erinnert mich mein Kollege oder Chef an eine Person, mit der ich keine guten Erfahrungen gemacht habe?

  • Bin ich neidisch auf die Position des Anderen?

Strategie: Hinterfragen Sie Ihre Wahrnehmung

Machen Sie sich bewusst, dass es Charaktereigenschaften der anderen Person sein können, worüber Sie sich ärgern. Diese können und sollen Sie nicht ändern. Für eine gute Arbeitsbeziehung sollten Sie sich vielmehr fragen: Wie verhält sich die Person mir gegenüber? Ein Teil des Konflikts könnte an Ihrer Wahrnehmung oder Ihren Vorurteilen liegen.

Den „Feind“ besser kennenlernen

Wer mehr über den unausstehlichen Kollegen weiß, kann dessen Verhalten besser verstehen. Sie könnten so neue Seiten an ihm kennenlernen und ihn dann mit anderen Augen betrachten. Vielleicht erfahren Sie die Gründe für sein Verhalten, machen positive Erfahrungen oder finden Gemeinsamkeiten, die Ihre Zusammenarbeit bereichert.

Strategie: Führen Sie Smalltalk

Versuchen Sie, Ihren schwierigen Kollegen oder Vorgesetzten besser und vor allem „neu“ kennenzulernen. Nutzen Sie Situationen wie das Warten in der Cafeteria oder am Drucker zum Smalltalken. So erfahren Sie mehr über Ihren „Feind“ und zeigen Interesse am Anderen.

Doch Vorsicht bei denjenigen, die jegliche Regeln von Sitte und Moral verletzen. Die zum Beispiel etwas bewusst vortäuschen oder Andere betrügen. Dann ist Abstand die bessere Lösung. Mit dieser Person sollten Sie sich möglichst nicht auf ein neues und langes Projekt einlassen.

Klärendes Gespräch führen

Wenn Ihre bisherigen Versuche wirkungslos waren, kann ein klärendes Gespräch die Wogen glätten. Die andere Person könnte von so einem Gespräch sogar profitieren, denn sie weiß möglicherweise nicht, wie sie auf Andere wirkt. Kommt es zum Gespräch, sind Vorwürfe und Anweisungen deplatziert. Das Gespräch muss sachlich und konstruktiv sein. Es sollte um Verhaltensweisen gehen, die die gemeinsame Arbeit beeinflussen und die der Andere ändern kann.

Überlegen Sie gut, wie Sie Ihr Feedback vermitteln. Kritik zur falschen Zeit, im falschen Ton und vor allen Anderen kann Beziehungen für immer zerstören. Bedenken Sie auch, dass der Andere nicht für Feedback empfänglich sein könnte. Deshalb ist ein klärendes Gespräch nicht immer sinnvoll.

Wenn Sie sich unsicher sind, können Sie einen neutralen Dritten einbeziehen, der im Gespräch moderiert. Legen Sie gemeinsame Spielregeln fest, an die sich alle halten. Gerade der formale Rahmen stabilisiert die Beziehung. Für Vorgesetzte gilt: Fördern Sie, dass alle Konfliktparteien in den Prozess der Konfliktlösung einsteigen.

Strategie: Sprechen Sie Ihr Problem an

Legen Sie Ihre Position in einem klärenden Gespräch unter vier Augen offen. Sagen Sie, was Sie stört und welche Veränderung Sie sich wünschen – so konkret wie möglich. Drücken Sie auch Ihre Gefühle aus. Sagen Sie in Ich-Botschaften, was Sie bewegt, warum Sie das Verhalten des Anderen stört und was das für Sie bedeutet. Wenn Sie aber das Gefühl haben, die Situation könnte eskalieren, meiden Sie ein Gespräch oder beziehen Sie eine neutrale Person ein.

Abstand gewinnen

Wenn Sie sich in einer eingefahren Situation befinden und meinen, nichts ändern zu können, sollten Sie auf emotionale Distanz gehen. Das heißt: Das Verhalten des Anderen so gut wie möglich ignorieren und gezielt an einer "Egal-Einstellung" arbeiten. Auf diese Art ärgern Sie sich weniger. Denn das, worüber Sie sich ärgern, nimmt keine so große Bedeutung mehr in Ihrem Leben ein. Für Vorgesetzte gilt: Schaffen Sie Möglichkeiten, durch die sich die Konfliktparteien aus dem Weg gehen können.

Strategie: Gehen Sie auf emotionale Distanz

Wer seine Kollegen oder Vorgesetzten akzeptieren lernt und sich eher auf die Menschen im Freundes- oder Familienkreis besinnt, erträgt ärgerliche Situationen leichter. Wenn Sie Ihrem schwierigen Kollegen distanziert gegenübertreten, sollten Sie ihn respektvoll behandeln – auch wenn Sie meinen, dass er das nicht verdient hat. Respekt und Wertschätzung sind Investitionen, mit denen Sie die Grundlage für eine gute Beziehung schaffen.

Gefühle steuern

Wer mit jemandem zusammenarbeitet, den er nicht ausstehen kann, hinterfragt oft das Verhalten der anderen Person: „Warum macht sie das?“ oder „Wie meint sie das?“ - und gibt sich selbst die Antwort für ihre Verhaltensweisen. Jeder reagiert dann anders: Der eine fühlt sich in der Umgebung des Anderen unwohl, hat vielleicht ein flaues Gefühl am Abend, wenn er an den nächsten Arbeitstag denkt. Ein anderer zeigt offen seine Abneigung.

Andere zu hinterfragen ist nicht zielführend. Möglicherweise sind unbekannte private Probleme wie eine gerade durchlebte Trennung oder eine schlechte finanzielle Situation der Grund für das wenig kollegiale Verhalten. Ein durchs Hinterfragen hervorgerufenes schlechtes Gefühl oder ein Ausraster am Arbeitsplatz wirken nur negativ auf Sie selbst zurück.

Strategie: Atmen Sie durch, bevor Sie reagieren

Lassen Sie sich durch eine Antwort oder eine Reaktion der anderen Person nicht provozieren, sondern nehmen Sie eine Bedenkzeit und reagieren Sie sachlich. Wenn Sie das Gefühl haben, angegriffen worden zu sein oder wenn Sie sich innerlich aufregen, dann atmen Sie erst einmal durch. In einer unerwarteten Konfliktsituation legen Stresshormone das Gehirn lahm und das Unterbewusstsein reagiert, ohne dass Sie dies direkt steuern können. Eine unbedachte Reaktion könnte dann die Situation verschärfen.

Nicht lästern

Das Verhalten des nervtötenden Kollegen oder des cholerischen Projektleiters ist ein beliebtes Gesprächsthema. Zum einen, weil der Frust ein Ventil braucht, zum anderen, weil die eigene Meinung über die andere Person bestätigt werden will. Wer aber am Arbeitsplatz über Andere herzieht und sich wiederholt beschwert, kann schnell selbst als schwierige Person abgestempelt werden. Außerdem wird ein solches Verhalten als unprofessionell wahrgenommen. Nicht zuletzt stört es das Betriebsklima. Sollte ein abfälliger Kommentar zufällig an den falschen Empfänger gelangen, gerät man schnell selbst in die Schusslinie der Kollegen.

Strategie: Sprechen Sie mit Vertrauten

Werden Sie Ihren Frust los, indem Sie das Gespräch mit einem Menschen aus Ihrem privaten Umfeld suchen. Am Arbeitsplatz ist das tabu, weil es sich negativ auf die eigene Person und die Karriere auswirken kann.

Antipathien schaukeln sich einerseits schnell zu Konflikten hoch. Andererseits sind Auseinandersetzungen, Neid und Konkurrenzsituationen zwischen Kollegen nicht per se negativ. Zum Beispiel können Mitarbeiter aus dem unangemessenem Verhalten des Vorgesetzten lernen: Der Mitarbeiter reflektiert das Verhalten der Führungskraft und weiß, was er in einer Führungssituation anders machen würde. Damit kann der Konflikt zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter für die Rolle als Führungskraft vorbereiten – im Sinne von: Bin ich heute so, wie mein früherer Chef zu mir war?

Fehler von Kollegen im Management-Handbuch
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Über die Autorin
Anette Rößler

Anette Rößler ist Redakteurin bei business-wissen.de. Die Sozialwissenschaftlerin schreibt neue Management-Handbuch-Kapitel, verantwortet Medienkooperationen sowie Leseraktionen und betreut den Online-Shop.

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