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Zwischen Angst und WagemutRisikokultur von Unternehmen

„No risk – no fun!“ Viele Menschen sind schnell bereit, größere Risiken einzugehen. Für das Risikomanagement in Unternehmen dürfte das allerdings wenig taugen. Oder doch?
erschienen: 26.03.2010

Wenn der Manager im Unternehmen sagt: "No risk - no fun!" und auch so handelt, dann macht das sichtbar, welche Risikokultur in einem Unternehmen herrscht. Und sie hat einen großen Einfluss auf das Risikomanagement in einem Unternehmen – also darauf, wie Risiken erkannt und behandelt werden. Oliver Bungartz, Head of ERM Services Germany in Hamburg, sagt:

„Wenn Unternehmen ihre Risikokultur nicht diagnostizieren und zielgerichtet pflegen, ist sie selbst ein großes Risiko.“

Risikobewusstsein der Mitarbeiter

Entscheidend für die Risikokultur im Unternehmen ist dabei das Risikobewusstsein der Mitarbeiter. Sie zeigt sich auf unterschiedlichen Ebenen:

  • Menschen haben sogenannte Basisannahmen und Einstellungen über sich, ihre Umwelt und andere Menschen. Manche rechnen von vornherein damit, dass etwas schief gehen kann und sind lieber vorsichtig und risikoscheu. Andere sind dann besonders motiviert, wenn sie Neuland betreten und Unbekanntes entdecken. Sie drängen die Risiken in den Hintergrund.
  • Das Normen- und Wertesystem umfasst Richtlinien, Maximen und allgemein anerkannte Gebote und Verbote. Damit drückt sich aus, wie in Unternehmen mit neuen Ideen oder Eigeninitiative umgegangen wird. Haben die Mitarbeiter dabei Freiräume? Oder müssen sie sich an Regeln und Abläufe halten? Auch wenn nicht alles vorgegeben ist, so halten sich die Mitarbeiter doch oft an das, was im Unternehmen „üblich“ ist. Auch hier kann sich die allgemeine Risikoneigung ausdrücken.
  • In den täglichen Umgangsformen, Ritualen und der Sprache im Unternehmen wird die Risikokultur sichtbar. Wer ein umfassendes Risikohandbuch, einen Risikomanager und ein feingliedriges Kontrollsystem eingerichtet hat, macht deutlich, wie wichtig ihm das Risikomanagement ist.
  • Schließlich bestimmen auch die fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten der Mitarbeiter die Risikokultur im Unternehmen. Sie müssen Risiken erkennen und richtig einschätzen können. Und sie müssen wissen, wie Risiken angemessen eingegrenzt und bewältigt werden.

Zwischen Kontrolle und Risiko

Je nachdem wie die Risiken eingeschätzt werden und wie stark die Kontrolle ist, um sie einzugrenzen, gibt es unterschiedliche Typen des Risikomanagements. Der „Bürokrat“ ist sehr penibel, installiert ein umfassendes Kontrollsystem, obwohl die Risiken gar nicht so groß sind. Der „Cowboy“ ignoriert seine hohen Risiken und handelt damit fahrlässig.

Ziel sollte nach Meinung von Bungartz sein, dass jedes Unternehmen den richtigen Mix findet von notwendiger Kontrolle und Bereitschaft, auch riskante Entscheidungen zu treffen. Gerade die Unternehmensleitung macht als Vorbild immer wieder deutlich, welche Risikokultur sie pflegt. Wer dies ändern will, muss Alltagsroutinen durchbrechen und sichtbar anders handeln.

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