Assessment Center in der Praxis

Fachbeitrag von Management-Institut Dr. A. Kitzmann
Mitarbeiter auswählen und fördern

Sie wissen, wer Sie sind, Sie kennen Ihre Stärken und Schwächen und können darüber auch reden? Dann haben Sie eine wesentliche Vorbereitung für ein Assessment-Center bereits getroffen. Wenn Sie sich nun auch noch darüber bewusst sind, warum Sie diese Stelle in diesem Unternehmen gewählt haben, was Sie dafür qualifiziert und warum man ausgerechnet Sie einstellen sollte, sind Sie auch ein einem weiteren Segment gut vorbereitet. Für Unternehmen gibt es nur ein Ziel bei einem Assessment-Center: Die richtige Person für die ausgeschriebene Stelle zu finden.

Sich auf ein Assessment-Center, kurz AC genannt, vorzubereiten ist unumgänglich. Beantworten Sie alle Fragen rund um die eigene Berufswahl, die Ihnen einfallen, wie zum Beispiel:

  • Warum habe ich diesen Bildungsweg gewählt?
  • Warum habe ich mich für diesen Beruf entschieden?
  • Was an meinem Beruf mag ich besonders?
  • Was gehört nicht zu meinen bevorzugten Aufgaben?
  • Warum möchte ich meinen Beruf in dieser Branche, diesem Unternehmen ausüben?

In einem zweiten Schritt beantworten Sie alle Fragen zu Ihrer Person. Überlegen Sie, in welchen Situationen Sie Konflikte mit anderen ausgetragen haben, wann Sie sich benachteiligt fühlten und wie Sie Ihre Erfolge gegenüber anderen kommuniziert haben. Welches Verhalten in Stresssituationen würden Sie zeigen? Reflexionen zu diesen und anderen Fragen rund um die Persönlichkeit und sozialen Kompetenzen sollten ehrlich sein, auch wenn Sie sich selbst gegenüber zugeben müssen, dass das ein oder andere Verhalten nicht gerade von gutem Stil zeugt.

            TIPP: Besprechen Sie mit einem sehr guten Freund oder einer sehr guten Freundin Ihre Ergebnisse der Selbstreflexion. Bitten Sie diese Person, absolut ehrlich Ihnen gegenüber zu sein und versichern Sie, dass Sie die Rückmeldungen keineswegs übel nehmen. Bitte stehen Sie zu Ihren Worten, denn nichts so schwer wie jemandem ehrlich und konstruktiv die Meinung zu sagen. Nehmen Sie Vorschläge und Kritik ernst und überlegen Sie gemeinsam, was Sie besser machen könnten.

Die Überprüfung von Körpersprache, Rhetorik, Mimik und Gestik sind ebenfalls wesentliche Schritte für die Vorbereitung auf ein AC. Am einfachsten ist es, sich selbst mit Kamera aufzunehmen oder vor dem Spiegel ein kurzes Statement zu halten. Dabei sind wichtig:

  • Wie ist meine Körperhaltung?
  • Wohin geht mein Blick?
  • Was mache ich mit meinen Armen bzw. meinen Händen?
  • Stehe ich ruhig oder bin ich ständig in Bewegung?
  • Habe ich ein Lächeln im Gesicht?

Sich selbst beim Reden zuzusehen, ist ungewöhnlich. Auch die eigene Stimme klingt auf Band anders als man es gewohnt ist. Sind diese beiden Hürden genommen, ist eine kritische Begutachtung angesagt. Eine positive Körpersprache vermittelt Freundlichkeit, Offenheit und Selbstbewusstsein. Sehen Sie dies ebenfalls in Ihrer Präsentation? Und falls nicht: Welche der Gesten und Verhaltensweisen könnten Sie sich abgewöhnen? In den meisten Fällen ist eine erste Auseinandersetzung mit der eigenen Person im Bild sehr hilfreich, wenn die Bereitschaft zu kritischer Selbstbeobachtung sowie zur Veränderung besteht. Zum einen präsentiert die individuelle Körpersprache die Persönlichkeit, so dass manche Gesten einfach dazugehören und unterstreichen, was die Person ausmacht. Zum anderen zeigt die Körpersprache Verhaltensweisen, die unbewusst stattfinden und etwas offenbaren, was noch im Verborgenen liegt. Sich mit diesen Aspekten zu beschäftigen, ist ein Stück Persönlichkeitsentwicklung.

Last but not least gehört die Überprüfung der fachlichen Qualifikationen mit den Aufgaben bzw. den Anforderungen des Unternehmens zu den wesentlichen Vorbereitungen. Setzen Sie sich intensiv damit auseinander:

  • Was hätte ich als Stelleninhaberin bzw. Stelleninhaber zu tun?
  • Welchen Umfang bzw. welche Inhalte hätte ich zu verantworten? Wie würde ich dies tun?
  • Welche Entwicklungsmöglichkeiten erkenne ich in dem Sachgebiet? Wie würde ich diese umsetzen?

Auch wenn dies alles Zukunftsphantasien sind, so zeigt deren Beantwortung rasch, ob Sie der geeignete Stelleninhaber sind oder ein Traumtänzer, dem die Anforderungen des Unternehmens überhaupt nicht klar sind.

Sollte Ihnen während der Vorbereitung deutlich werden, dass diese Stelle bzw. dieses Unternehmen überhaupt nichts für Sie ist, dann nehmen Sie die Chance auf das AC trotzdem wahr. Es gibt im Laufe des Berufslebens nur wenige Möglichkeiten, ein ehrliches Feedback und Möglichkeiten der Persönlichkeitsentwicklung aus professionellem Munde zu erfahren. Darüber hinaus ist die Auseinandersetzung in einem AC immer auch eine Lernerfahrung, die für weitere Bewerbungsverfahren unschätzbar wertvoll ist.

» Assessment-Center in der Praxis

erstellt am: 12.08.2016

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Management-Institut Dr. A. Kitzmann

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