Mitarbeitermotivation: Bewusste und unbewusste Motive erkennen und nutzen!

Fachbeitrag von business elf - Managementberatung GmbH
Beitrag von PSI-Supervisor Heiko Frankenberg im blog der business elf - Managementberatung GmbH

In diesem dritten und abschließenden Beitrag zum Thema „Motivation und Motive“ stehen bewusste und unbewusste Motive im Zentrum der Betrachtung. Kurz zur Erinnerung: Im ersten Teil dieses Beitrags haben wir die Hintergründe von Motivation sowie im zweiten Teil die Definition von Motiven bereits genauer beschrieben. Dabei haben wir in den ersten beiden Beiträgen erfahren, dass Motive modulierend in die Verhaltenssteuerung von Menschen eingreifen. Metaphorisch gesprochen generieren Motive mögliche Vorschläge, welche Ziel- und Handlungsbereiche für die weitere Handlungssteuerung fokussiert werden sollen. Diese Vorschläge können nach Kuhl (2001) dabei durchaus in Teilen dem widersprechen, was zunächst logisch erscheint, oder dem, was wir selbst an bewussten Motiven äußern.

Bewusste und unbewusste Motive sind zwei unabhängige Motivationssysteme, die funktional zusammenwirken. Die relativ abstrakten unbewussten Motive energetisieren das Verhalten in allgemeinerer Form, während die konkreteren bewussten Motive (und ihre Übersetzung in verhaltensnahe Ziele) dieser Energie eine fokussierte Richtung geben; sprich eine Lenkfunktion besitzen. Oder allgemeiner formuliert: Unbewusste Motive beinhalten hoch generalisierte und grundsätzliche Präferenzen für die Auseinandersetzung mit bestimmten Formen von Anreizen (Situationen, Herausforderungen, etc.), die sich jedoch in unterschiedlichsten Lebenssituationen vorfinden lassen. Wo und wie ein Motiv zum Ausdruck gebracht wird (d. h. in welchem Lebensbereich und durch welche Form des Verhaltens), hängt maßgeblich von den bewussten Zielen, Werten und Einstellungen einer Person ab sowie von den Gelegenheiten und Einschränkungen, die für die jeweilige Lebenssituation kennzeichnend sind.

Bewusste Motive sagen ein stärker nach außen orientiertes Reaktionsverhalten in eher klar strukturieren Situationen vorher (die Psychologie spricht hier von „respondentem Verhalten“), während unbewusste Motive spontanes Verhalten in offenen Situationen („operantes Verhalten“) prognostizieren. Unbewusste Motive sind mit Eigeninitiative, Spontanität und zeitlich überdauernden Verhaltenstrends assoziiert: sie energetisieren also eine Person, sich freiwillig und ausdauernd mit einem Themenfeld (sei es Anschluss, Leistung, Macht etc.) auseinanderzusetzen. Bewusste Motive wirken hingegen primär auf Entscheidungen und Bewertungen ein, die eine Person bewusst kontrollieren und daher auch gezielt mit ihren motivationalen Selbstbildern in Übereinstimmung bringen kann.

Was bedeuten Motive für den Arbeitsalltag?


David McCelland (1980), einer der bekanntesten Motivationsforscher, beschreibt besonders beim Leistungsmotiv ein durchaus bekanntes Phänomen: Personen mit einem hohen unbewussten Leistungsmotiv, die in offenen und frei gestaltbaren Situationen eigentlich sehr engagiert und aus Eigeninitiative handeln (würden), zeigen in gewissen Situationen nach außen hin nicht die zu erwartende Performance. Dadurch fällt der erhoffte Output niedriger aus, als eigentlich zu erwarten wäre. Die Erklärung besteht darin, dass auf der bewussten Motivationsebene eher ein „respondentes Verhalten“ an den Tag gelegt wird, das stärker auf die jeweiligen Umweltgegebenheiten (Erwartungen, Vorgaben, etc.) fokussiert und auf diese Randbedingungen „antwortet“. Wenn aber nun das Umfeld irgendwie als einengend statt als reizvoll wahrgenommen wird (z. B. Schule, Arbeitsumfeld usw.), dann fällt es zum Teil weit schwerer, sein Inneres zum Tragen bringen zu können. Die eigentlich vorhandene Leistungsmotivation, genauer gesagt deren Energiepotenzial, findet nicht den richtigen Kanal.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung


Ein bisschen anschaulicher lässt sich der vorgenannte Sachverhalt durch ein bildhaftes Beispiel zum Thema unbewusste Motive verdeutlichen: Stellen wir uns ein Fahrzeug vor, das einen großen (unbewussten) Motivationstank besitzt und von einem (bewussten) Fahrer gesteuert wird. Wenn nun der Tank bis zum Rand voll ist, der Fahrer aber vorne am Lenkrad eingeschlafen ist und nicht losfährt, passiert nicht viel mit der eigentlich vorhandenen Energie in Form des Benzins. Anders herum könnte man sich auch vorstellen, dass der Fahrer auf Biegen und Brechen in eine ganz bestimmte Richtung lenken will und dabei auch noch voller Ungeduld das Gaspedal mit dem Fuß bis zum Bodenblech durchdrückt, obwohl die Tankanzeige schon im roten Bereich ist. Man kann sich gut vorstellen, dass es hier nicht mehr lange vorwärts gehen wird …! Auch wenn der Motivationstank halbwegs gefüllt ist, kann es Situationen geben, in denen der Fahrer in seinem Lenkverhalten entweder unaufmerksam / beliebig ist oder er willentlich sehr geradlinig selbstfremde Ziele ansteuert, mit denen der Tank nicht so ganz einverstanden ist: Am liebsten würde der Tank die Zufuhr des wertvollen Benzins sofort drosseln, wenn er die hierfür notwendige Handlungshoheit besäße. Noch besser wäre es natürlich, wenn der Fahrer auf die subtilen Signale aus den Tiefen des Fahrzeugs hören und seine Handlungen danach ausrichten würde …!

Achten Sie auf Ihre Energieressourcen


Im Gegensatz zum Auto, das früh aufblinkende Warnleuchten in der Cockpitanzeige besitzt, gehen bei uns Menschen leider die entsprechenden Signale, die ein Überschätzen oder ein Unterschätzen unserer motivationalen Energieressourcen anzeigen, schnell im stressigen und eng getakteten Arbeitsalltag unter. In einer Studie von Baumann, Kaschel und Kuhl (2005) konnte gezeigt werden, dass ein Zusammenhang mit einem erhöhten Auftreten von psycho-somatischen Symptomen besteht, sobald die Ausprägung von bewussten Motiven stärker als die Ausprägung von unbewussten Motiven ist (oder auch anders herum). Bei den Kombinationen „niedrig/niedrig“ und „hoch/hoch“ bezüglich der bewussten und unbewussten Motivausprägung war ein Zusammenhang mit den Symptomen weit weniger vorhanden. Neben den manchmal schon recht hohen Anforderungen des Arbeitslebens können solche Nicht-Übereinstimmungen von Motivausprägungen im Hintergrund wie ein zusätzlicher Stressor wirken („hidden stressor“; Baumann et al., 2005), der sich negativ auf die Arbeitsleistung als auch das allgemeine Wohlbefinden auswirkt.


Doch was können wir dagegen tun? Da wir bei den unbewussten Motiven aufgrund ihrer schon recht frühen und in weiten Strecken autobiografischen Prägung nicht so schnell eine Änderung erwarten und herbeiführen können, sollten wir vielmehr schauen, welche Wünsche, Ziele, Wert- und Normvorstellungen oder gar Glaubenssätze unser bewusstes Selbst- bzw. Idealbild und somit Teile unserer bewussten Motive beeinflussen. Lässt sich hier vielleicht etwas entdecken? Ebenfalls können wir versuchen, bestimmte Bereiche unserer Lebens- und Arbeitssituation anzupassen, so dass unbewusste Motive sich potenziell freier entfalten können.

TOP/EOS-Diagnostik zeigt individuelle Motivumsetzung

Die von der business elf – Managementberatung eingesetzte TOP/EOS-Diagnostik nach Prof. Kuhl (TOP = Trainingsbegleitende Osnabrücker Persönlichkeitsdiagnostik / EOS = Entwicklungsorientierte Systemdiagnostik) bietet ein hocheffektives und wissenschaftlich anerkanntes Analyseverfahren, das unter anderem das Erschließen von Potenzialressourcen sowie das Erlernen von Führungskompetenzen und Selbststeuerungskompetenzen (Zweitreaktionen) bei Führungskräften zum Ziel hat. Als eine der wenigen Testmethoden kann die TOP/EOS-Diagnostik den oben beschriebenen Übereinstimmungsgrad der unterschiedlichen Motivausprägungen darstellen. Und nicht nur das: Neben der jeweiligen Stärke der bewussten und unbewussten Motive bildet die TOP/EOS-Diagnostik auch die Motivumsetzungsstile ab, die ebenfalls unser Verhalten maßgeblich färben. Die Umsetzungsformen werden hierbei von der jeweils dominierenden Aktivierung der vier Makrosysteme (OES, IVS, IG, EG) geprägt, die bereits in den vorangegangenen blog-Beiträgen vorgestellt wurden. Die TOP/EOS-Diagnostik ist als online-Version mit persönlicher Zugangsnummer und eigenem Benutzernamen bequem durchführbar. Der Zeitbedarf für die komplette Diagnostik inklusive aller sieben Funktionsebenen liegt bei etwa zwei Stunden. Die TOP-360°-Diagnostik umfasst maximal folgende Module:

SEKS und PSSI: Persönlichkeitsstile
MUT: Bewusste Motiv-Umsetzungsstile
OMT: Implizite Motive
SSI-K3: Selbststeuerungskompetenzen
HAKEMP: Handlungs- und Lageorientierung
BEF: explizite Befindlichkeit
IMPAF: Implizierte Befindlichkeit
BES: Befindlichkeit und Beschwerden
SCL 90 K: Symptomcheckliste
EMOSCAN: Objektives Verfahren zur Messung zentraler Funktionskomponenten der Motivumsetzung

Die Testergebnisse sind nur dem jeweiligen PSI-Kompetenzberater zugänglich und können direkt an den Klienten weitergeleitet bzw. in einem umfassenden, individuellen Gutachten analysiert werden.

Quellen:

Baumann, N., Kaschel, R., & Kuhl, J. (2005). Striving for unwanted goals: Stress-dependent discrepancies between explicit and implicit achievement motives reduce subjective well-being and increase psychosomatic symptoms. Journal of Personality and Social Psychology, 89(5), 781–799.

Brandstätter, V., Schüler, J., Puca, R. M. & Lozo, L. (2013). Motivation und Emotion: Allgemeine Psychologie für Bachelor (Kap. 6). Heidelberg: Springer.

Brunstein, J. C. (2003). Implizite Motive und motivationale Selbstbilder: Zwei Prädiktoren mit unterschiedlichen Gültigkeitsbereichen. In: J. Stiensmeier-Pelster & F. Rheinberg (Hrsg.), Diagnostik von Motivation und Selbstkonzept (S. 59–88). Göttingen: Hogrefe.

Kuhl, J. (2001). Motivation und Persönlichkeit: Interaktionen psychischer Systeme. Göttingen: Hogrefe.

McClelland, D. C. (1980). Motive dispositions. The merits of operant and respondent measures. In L. Wheeler (Ed.), Review of Personality and Social Psychology (pp. 10–41). Beverly Hills, CA: Sage.

» Mitarbeitermotivation: Bewusste und unbewusste Motive erkennen und nutzen

erstellt am: 03.04.2017

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