Das Mitarbeitergespräch

Fachbeitrag von Management-Institut Dr. A. Kitzmann
Führungskräfte wünschen sich motivierte Mitarbeiter. Das Mitarbeitergespräch ist hierzu eines der wichtigsten Instrumente. Dies erfordert soziale Kompetenz und die Bereitschaft, Gespräche konstruktiv und strukturiert zu führen, um die Potenziale der Mitarbeiter zur Entfaltung zu bringen.

In vielen Unternehmen gehört es inzwischen zur Grundausstattung: das Mitarbeitergespräch. Mitarbeitergespräche müssen geführt werden, sie müssen dokumentiert werden und erst wenn der Haken bei „stattgefunden“ in der Übersicht der Personalabteilung gesetzt ist, kann die Arbeitsbeziehung fortgesetzt werden. Da aus einem Gespräch ein standardisiertes Element in der Personalführung geworden ist, hat es für viele sowohl die Besonderheit als auch die persönliche Komponente verloren. Dabei stehen diese Inhalte   noch immer im Fokus von Jahresgesprächen:

  • Wie konnte die Aufgabe im letzten Jahr realisiert werden?
  • Was sind die Ziele des kommenden Jahres?
  • Gibt es Anforderungen aufgrund der gemachten Erfahrungen?
  • Welche persönlichen Wünsche bestehen hinsichtlich der Aufgabe, des Teams, der Zukunft?

Werden diese Jahresgespräche immer wieder geführt, kennen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Fragen, sie wissen, dass die Ziele der Vergangenheit angeschaut und deren Realisierung thematisiert wird. Viele fühlen sich an dieser Stelle kontrolliert, beobachtet und kritisiert.

            TIPP: Wenn Sie als Führungskraft Mitarbeitergespräche vorbereiten, legen Sie besonderen Wert auf die gute Vorbereitung und beginnen Sie im Hier und Jetzt. Stellen Sie die Persönlichkeit des  Mitarbeiters bzw. der Mitarbeiterin in den Mittelpunkt, die Atmosphäre im Team, die Beziehung zu Ihnen als Führungskraft. Ist eine persönliche Gesprächsebene hergestellt, ist es kein Problem, über Ziele, Fehlentwicklungen und Störungen zu reden.

Um dem Gefühl von Kontrolle zuvorzukommen, haben sich in vielen Unternehmen auch Halbjahresgespräche etabliert. Sie werden dazu genutzt, um überprüfen, ob das Vereinbarte auch umgesetzt werden kann oder ob sich unvorhergesehene Störungen ergeben haben. Dies können sein:

  • Fluktuation innerhalb der Abteilung
  • persönliche Lebenseinschnitte bei Beschäftigten
  • technische Veränderungen
  • interne Kriterien
  • veränderte Kundenwünsche.

Zwar zeigen sich diese Veränderungen im täglichen Ablauf, jedoch fehlen häufig die Möglichkeiten, sich ein umfassendes Bild über die Auswirkungen zu machen. Die individuellen Erfahrungen der Beschäftigten hinsichtlich dieser Veränderungen zu nutzen, sie zu Lösungen oder notwendigen Entwicklungen zu befragen, ist ein effektiver Schritt in der Bewältigung. Um dem Team gerecht zu werden und das Zusammenwirken der Einzelnen nicht aus dem Blick zu verlieren, bieten sich Halbjahresgespräche durchaus an.

            TIPP: Strukturieren Sie diese Gespräche anhand der aufkommenden Veränderungen, die aus Ihrer Perspektive sichtbar sind. Bitten Sie die Beschäftigten um Ihre persönliche Sichtweise, denn die ist  meistens eine andere.

Wird von Seiten der Vorgesetzten die Verbindlichkeit von Mitarbeitergesprächen in den Mittelpunkt gerückt, ist sie auch für Beschäftigte ein wesentliches Element. Voraussetzung für die Beschäftigten ist die Vertraulichkeit im Austausch von Inhalten sowie die Zuverlässigkeit. Was von Angestellten verlangt wird, sollten auch Führungskräfte leisten können. Für die Vorbereitung von Jahresgesprächen gilt deshalb:

  • Schaffen Sie eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre.
  • Seien Sie ehrlich und entschuldigen Sie sich für Versäumnisse Ihrerseits.
  • Bieten Sie nur an, was Sie auch realisieren können.
  • Sorgen Sie für Transparenz, wo dies Verständnis fördert.
  • Seien Sie verschwiegen, wo dies die Belange anderer schützt.

Während Mitarbeitergespräche für Führungskräfte ein Element im Arbeitsalltag sind, sind sie für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter etwas Besonderes, da es um Ihre Person geht. Diese Besonderheit zu erhalten, ist eine Herausforderung für Führungskräfte, denn es erfordert eine Gratwanderung zwischen „Standardaufgabe“ und „Individualisierung“. Entscheidend für die Wahrnehmung dieser Vermittlung zwischen Unternehmensaufgaben und Arbeitnehmer ist Authentizität. Um dieses zu realisieren, muss der eigene Standpunkt klar sein.

            TIPP: Realisieren Sie, dass Sie und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im selben Boot sitzen und gemeinsame Ziele haben. Zwar ist die Fokussierung der Kompetenzen und Aufgaben unterschiedlich, doch das Gesamtziel teilen Sie. Inwiefern Sie ein Mitarbeitergespräch nun als Austausch zwischen Steuermann und Ruderer gestalten oder sich gemeinsam über die Beschaffenheit des Bootes, der Ruder und der Mannschaft unterhalten, ist Ihre Entscheidung.

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erstellt am: 12.08.2016

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