Das offene Tür Paradoxon: "Meine Tür ist immer offen, aber es kommt ja keiner!"

Fachbeitrag von business elf - Managementberatung GmbH
Führungskräfte und das offene Tür Paradoxon: Wie Führungskräfte die Chance der offenen Tür aktiv nutzen!

„Meine Tür ist immer offen – aber es kommt ja keiner!“

Diese oder vergleichbare Äußerungen von Führungskräften hören wir in unserer Beratungspraxis immer wieder, wenn wir Führungskräfte danach fragen, wie es mit den Rückmeldungen bzw. dem feedback von Mitarbeitern aus dem Unternehmen aussieht. Doch woran liegt es, wenn der Weg in das Büro der Führungskraft trotz „offener Tür“ von den Mitarbeitern nicht genutzt wird und somit die Distanz von der Führungskraft zu den Mitarbeitern zu groß ist? 

Um diese Frage zu beantworten, sollte die Führungskraft zunächst ihre Perspektive sowie Ihre Denkweise ändern: Die einfach nur offen stehende Tür der Führungskraft reicht oft nicht aus, um Mitarbeitern den Weg in das Büro einer Führungskraft zu ebnen. Oder um es mit einem Beispiel aus dem Vertrieb zu verdeutlichen: Haben Sie im Vertrieb schon mal erlebt, dass Ihre Kunden von ganz alleine kommen?

Die offene Tür der Führungskraft ist kein Selbstläufer

Durch die offene Tür geht nicht zuerst der Mitarbeiter, sondern dieser Weg führt genau in die andere Richtung: Durch die offene Tür sollte zunächst die Führungskraft selbst in das Unternehmen und zu ihren Mitarbeitern gehen, um feedback, Meinungen und Stimmungen aus dem Unternehmen und von den Mitarbeitern aufzunehmen. Dabei sollte die Führungskraft den Mitarbeitern mit Respekt sowie auf Augenhöhe begegnen und echtes Interesse an den Belangen und Problemen der Mitarbeiter zeigen, um das notwendige Vertrauensverhältnis für eine offene Kommunikation zu erreichen.

Die offene Tür als Merkmal der Kommunikationskultur

Mit der aktiv gelebten und selbst genutzten offenen Tür zeigen Führungskräfte ihren Mitarbeitern, dass Mitarbeiter keine Angst davor haben sollten, zur Führungskraft zu gehen, um beispielsweise neue Ideen oder auch Kritik vorzutragen. Dabei sollten die Ideen oder auch die Kritik von Mitarbeitern von der Führungskraft offen aufgenommen werden, denn prinzipiell kann fast alles immer noch besser gemacht werden. Selbst nicht umsetzbare oder gescheiterte Ideen sollten zumindest eine verbale Anerkennung finden, so dass auch zukünftig ein positiver Impuls für neue Ideen im Unternehmen vorhanden ist. Denn erfahrene Führungskräfte wissen, dass erst sehr viele Ideen geboren werden müssen, um eine Idee mit sehr hohem Potenzial zu finden …!

Durch die Philosophie der selbst genutzten offenen Tür demonstrieren Führungskräfte, dass es Ihnen mit dem feedback ihrer Mitarbeiter ernst ist und sie das feedback im Sinne der Unternehmensentwicklung proaktiv nutzen möchten. Dabei wird durch die selbst genutzte offene Tür eine Kommunikationskultur im Unternehmen gefördert, die die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen steigert, so dass hierdurch ein wesentlicher Erfolgsfaktor für ein Unternehmen entstehen kann.

Die aktiv genutzte offene Tür als Chance

Und falls Sie nun denken, dass Ihnen das feedback und die Präsenz Ihrer Mitarbeiter eher lästig erscheint, da Sie ja schon im Tagesgeschäft kaum Zeit für andere Dinge haben, so berücksichtigen Sie bitte, dass sich durch die aktive Nutzung Ihrer offenen Tür viele Chancen für Ihr Unternehmen und für Ihre Arbeit eröffnen können, die Sie als Führungskraft nicht ungenutzt lassen sollten:

  • Sie fördern ein kreatives Innovationsklima von dem das Unternehmen und Sie selbst profitieren 
  • Sie legen die Basis für ein vertrauensvolles Klima in Ihrem Unternehmen und zu Ihren Mitarbeitern 
  • Sie fördern die Zusammenarbeit Ihrer Mitarbeiter durch transparente Ziele und Srategien 
  • Sie erfahren ggfs. frühzeitig von Probleme im Unternehmen und können aktiv gegensteuern 
  • Sie erhalten Informationen über die aktuelle Stimmungslage im Unternehmen und bei den Mitarbeitern

Die offene Tür und die Kommunikation in der Unternehmenskrise

Insbesondere in Krisensituationen gewinnt die offene Kommunikation erheblich an Bedeutung, da der Informationsbedarf der Mitarbeiter in solchen Phasen deutlich ansteigt. Und genau diese Situation wird von vielen Führungskräften oft falsch eingeschätzt, so dass in Krisensituationen die Informationen durch Führungskräfte oft noch mehr zurück gehalten werden. Diese Haltung resultiert aus der falschen Annahme, dass Mitarbeiter in Krisensituationen durch eine offene Kommunikation eher verunsichert würden.

Doch genau das Gegenteil ist oftmals der Fall: Die Mitarbeiter spüren meistens sehr genau, in welcher Situation ein Unternehmen sich befindet, so dass gerade die nicht vorhandene offene Kommunikation die kontraproduktive Gerüchteküche stark anheizt. Auf diese Weise kann sich ein Teufelskreis aus Informationsdefiziten und Vertrauensverlust entwickeln, der sich zunächst in sinkender Motivation ausdrückt und bis zum kompletten Verlust der Glaubwürdigkeit führen kann.

Deshalb sollten Sie kein Geheimnis aus negativen Botschaften machen, die nicht unbedingt vertraulich oder geheim gehalten werden müssen. Denn gerade wenn negative Informationen klar von der Führungskraft ausgesprochen werden, gewinnen Mitarbeiter – so paradox es auch klingen mag – Vertrauen in ihre Führungskraft.

Wenn Führungskräfte die offene Tür selber und aktiv leben, ist eine wesentliche Voraussetzung erfüllt, Mitarbeiter dahingehend zu motivieren, eigeninitiativ durch die offene Tür zur Führungskraft zu gehen. Dann können Führungskräfte das offene Tür Paradoxon auflösen, so dass die Tür nicht einfach nur offen steht, sondern die Mitarbeiter diese Möglichkeit auch aktiv nutzen, da die Mitarbeiter wissen, dass sie sich mit ihren Belangen und Problemen vertrauensvoll an ihre Führungskraft wenden können. Durch die aktiv gelebte offene Tür der Führungskraft helfen Sie bei der Überwindung von Kommunikationshürden im Unternehmen und motivieren Ihre Mitarbeiter, den Weg zur Führungskraft selbst aktiv zu suchen.

Ihr

Dr. Holger Schmitz

 

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erstellt am: 16.02.2016

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