Das Unternehmen als „Organisation“ hat ausgedient

Fachbeitrag von AGENTUR ohne NAMEN GmbH
Die „Organisation“ bezeichnet die Existenz relativ stabiler Strukturen. In klassisch hierarchischen Unternehmen gibt es „Organigramme“, die Zuständigkeiten und Entscheidungswege verdeutlichen und damit die Struktur des Unternehmens aber auch die Struktur der Entscheidungsfindung deutlich machen sollen.

Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert die „Organisation“ als das „formale Regelwerk eines arbeitsteiligen Systems“, dessen gleichsam „natürliche Form der Koordination durch Bildung einer Hierarchie erfolgt“. Im Industriezeitalter und auch zum Beginn des Informationszeitalters waren unternehmerische Strukturen auch noch relativ stabil, weil sie nach klassisch hierarchischen Prinzipien aufgebaut waren.

Mit der zunehmenden Digitalisierung und dem Internet als dem Zerstörer der klassischen Hierarchie von Wissen, Informationstransfer und Teilhabe, gerät diese Stabilität immer mehr ins Wanken. Heute sollte kein einziges Unternehmen mehr von sich behaupten, stabile Strukturen zu besitzen. Warum? Weil stabile Strukturen in einer instabilen Welt dafür sorgen, dass die flexible Anpassung an sich verändernde Rahmenbedingungen nicht möglich ist. Lineare Lösungen, lineares Denken, lineare Führung und lineare Karrieren, die der klassischen Unternehmens-Organisation zugrunde liegen, sind Relikte einer auf Stabilität und Hierarchie aufgebauten Wirtschaftswelt, in der Normierung, Taktung und klar definierte Arbeitsteilungen zu Produktivität und Effizienz führten.

Heute werden Produktivität und Effizienz zunehmend automatisiert und digitalisiert. Die Arbeitsdomäne des Menschen wandelt sich. Nicht mehr der wissensverarbeitende oder produzierende Mensch ist gefragt, sondern der mit dem Blick auf das große Ganze, der mit der kreativen Intelligenz, der Prozesse verbessern, hochkomplexe Situationen erfassen und kundenindividuell agieren kann. Der Mensch als empathisches, schöpferisches Wesen, der in der Lage ist, Fragen zu stellen, Wissen neu zu verknüpfen, vernetzt denken und handeln kann, wird sich seinen wertschöpfenden Platz neben Kollege Roboter suchen – und ihn auch finden, wenn die Umgebungskonstellationen entsprechend förderlich sind.

Das bedeutet: In einer volatilen, veränderungsstarken und mehrdeutigen Welt ist jegliche Form von Linearität nicht mehr die Lösung, sondern ein großes Problem. Unternehmen müssen sich heute zu dynamischen Systemen verändern – und mit ihnen die Führungskräfte und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die von außen herangetragene Volatilität und die als Folge von innen heraus geforderte Dynamik bedeuten: Permanente Flexibilität und eine nie nachlassende Anpassungsfähigkeit sind die neuen Treiber der Zukunft – gerade auch in den Unternehmen.

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erstellt am: 14.03.2017

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