Eine Herausforderung im Coaching-Dschungel: Den "richtigen" Coach finden

Fachbeitrag von Sabine Dietrich & Co.
„Viele Worte ohne messbares Ergebnis“ oder „Coaching – ein MegaTrend“, „Jeder darf sich Coach nennen“, “Coaching-Dschungel“ – oder doch Chance zur persönlichen Weiterentwicklung?<br />Viele Klischees, zahlreiche unterschiedliche Meinungen. Fakt ist, der Coaching-Markt hat sich in den letzten 15 Jahren rasant entwickelt und bietet ein undurchschaubares Angebot ebenso wie eine Vielfalt an Ausbildungen, Methoden und Techniken. Ist aber auch in vielen Unternehmen als wirksames Instrument zur Personalentwicklung angekommen. Was Sie bei der Auswahl des „richtigen“ Coaches vor neue Herausforderungen stellt. Woran können Sie sich orientieren?

Ein Coach ist ein Coach ist ein Coach ... 

Sie oder einer Ihrer Mitarbeiter stehen zum Beispiel nach einer Umstrukturierung in einer neuen Führungssituation? Sie haben eine neue Funktion übernommen und müssen sich in einem anderen Umfeld positionieren? Sie stehen vor einer komplexen Herausforderung und sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht? Klassische Aufgabenstellungen für einen Coach. Und nun?  Wie finden Sie einen Coach und was können Sie erwarten?

Googeln Sie "Coaching" und Sie erhalten viele Millionen Treffer. Die bescheidenen 627.000 brachte die Suche nach „Coaching Anbieter“. Natürlich gibt es nicht so viele Coaching Anbieter in Deutschland, sondern nur ca. 10.000 oder ein paar weniger.

Was ist das Besondere am Coaching-Markt?

  • Lassen Sie uns zunächst eine Eingrenzung auf „Business Coaching“ vornehmen. Business Coaching ist ein Instrument zur individuellen Beratung, Begleitung und Unterstützung von Menschen mit Führungs- und Steuerungsaufgaben. Ziel- und erfolgsorientiert.
  • Der Anbietermarkt ist sehr granular, viele kleine und 1-Personen-Unternehmen sind unterwegs. Klar – Coaching ist ein Mensch-zu-Mensch-Geschäft. Coaches lassen sich weder klonen noch „in Serie fertigen“. Sie werden also beim Googeln auf jede Menge individuelle Anbieter treffen.
  • Sie lesen teilweise phantasievolle Bezeichnungen – wie „Emotion Coach“, „Angst Coach“. Denn: Die Berufsbezeichnung Coach ist nicht geschützt. Selbst für die Untermenge der Business Coaches gibt es kein einheitliches Berufsbild.Für Sie ist kaum zu erkennen, was die eigentliche Leistung, der Nutzen und das Angebot sind, wenn ein Anbieter von Coaching spricht.
  • Verbände und Vereine helfen nur bedingt weiter, da sie vom Beitrag ihrer Mitglieder leben und meist mit Ausbildungs-Instituten, Zertifizierern und Coaching-Anbietern verknüpft sind – also nicht zwingend unabhängig.
  • Studien gibt es auch mehr als genug, sogar eine bekannte Stiftung für den Test von Produkten nimmt sich des Themas Coaching an. Die Messkriterien sind letztlich nicht einheitlich wissenschaftlich belegt. Und was helfen Ihnen fixierte Messkriterien, wenn es um die Zusammenarbeit zwischen Menschen geht?
  • Und dann gibt es ja noch die Plattformen, die Nachfrager und Anbieter zusammenbringen sollen, bis hin zu Coaching-Angeboten per Internet, Chat ... . Der nächste Coach ist nur einen Mausklick entfernt. Nicht qualitätsgesichert, sondern als bezahlte Leistung für jeden, der sich Coach nennt, buchbar.

Fazit:

Der Markt gleicht einem Dschungel. Kein Coaching ist wie das andere.
Dabei gibt es kaum eine Dienstleistung, die so vom Faktor Mensch-zu-Mensch abhängt.

 

Wer coacht erfolgreich? Eine Checkliste

Sie können Empfehlungen nutzen. Oder Ihre HR-Abteilung hat einen etablierten Coach-Pool. Prima. Und wenn nicht - oder keine der Empfehlungen für Sie passt? Sie werden selbst suchen müssen. Google, Datenbanken & Tools erleichtern das. Aber entscheiden müssen Sie selbst.

Welche Kriterien können helfen? Was zeichnet einen erfolgreichen Coach aus? Antworten auf eine Reihe dieser Fragen können Sie im Erstkontakt mit dem Coach finden:

  • Persönlichkeit

Einzel-Coach oder Unternehmen? Je mehr Coaches ein Unternehmen oder eine Plattform oder ein Unternehmen anbieten, umso unwahrscheinlicher ist es, dass alle Coaches vergleichbar qualifiziert und erfahren sind. Letztlich wählen Sie hinter der Firma immer eine konkrete Person.

  • Unabhängigkeit

Welche Leistungen bietet der Coach noch an? Verdient er sein Einkommen ausschließlich mit Coaching? Dann wird er auch Aufträge annehmen, die er fachlich nicht vertreten kann oder die der Coaching-Ethik widersprechen. Viele Coaches sind auch als Berater & Trainer unterwegs. Das macht unabhängiger und vergrößert die Kompetenz durch Insights in andere Bereiche.

  • Lebenserfahrung

Als Schlüsselqualifikation gilt die umfassende eigene Erfahrung des Coaches aus dem privaten und beruflichen Umfeld, dem beruflichen Werdegang, Auslandskenntnissen, vielfältigen Hobbys und Selbsterfahrung. Eine entsprechende Seniorität des Coaches zahlt direkt auf das Coaching ein und dürfen Sie vom Coach erwarten.

  • Management- und Führungsexpertise

Hinterfragen Sie diese Kompetenz unbedingt kritisch. Was nützt Ihnen ein Theoretiker, der noch kein Unternehmen von innen gesehen hat und weder Gegebenheiten und Zwänge nachvollziehen, noch Möglichkeiten vorausdenken kann?

  • Branchen-Erfahrung

Wichtig, aber sicher kein dogmatisches Muss. Fachexpertise bringt Vor- wie Nachteile. Fachterminologien und branchenspezifische Themen können sicher schneller reflektiert werden, wenn der Coach aus der Branche kommt. Aber das darf nicht dazu führen, dass aus dem Coaching eine inhaltliche Fachberatung wird.

  • Qualifikation & Zertifikate

Leider gibt es bis heute keine einheitlichen Curricula für Business Coaching. Öffentliche und private, teilweise staatlich anerkannte Bildungsträger bieten Coaching-Ausbildungen mit unterschiedlichen Inhalten und Ausprägungen an. Zertifikate sind dann kritisch zu hinterfragen, wenn Zertifizierer auch wirtschaftlich von Zertifikaten abhängen oder gar Coaches „verkaufen“. Unabdingbar ist eine nachweisbare, umfassende Verfahrens- und Methodenkompetenz des Coaches – abgebildet in einem klaren Vorgehensmodell mit definierten Erfolgs-Messpunkten.

  • Psychologische Kompetenz

Ein Coach muss in der Lage sein, seine Mandate von psychotherapeutischen Aufträgen oder Anlässen zu unterscheiden. Und im Fall der Fälle einen Auftrag nicht annehmen und den Klienten kompetent weitervermitteln.

  • Kosten 

Stundensätze im Business Coaching liegen teilweise deutlich über 250 €. Natürlich spielt Budget eine Rolle. Aber wählen Sie einen Coach nicht primär nach Tagessatz aus.
Denn auch hier gilt: Der günstigere Stundensatz ist zu teuer, wenn die Leistung nicht stimmt.

Das als unsere Anregungen für Ihre erste „Vorauswahl“ des für Sie richtigen Coaches.
Und dann geht’s ja in die nächste Phase: Telefonate und persönliches Kennenlernen. Stimmt die Chemie? Die Vorgehensweise?                  
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!

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erstellt am: 05.02.2016

Über den Autor
Sabine Dietrich & Co.

Sabine Dietrich & Co.

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