Führen ohne Vorgesetztenfunktion

Fachbeitrag von Management-Institut Dr. A. Kitzmann
Die Führung über ein Team zu übernehmen, ist eine Auszeichnung. Verantwortung, Weitsicht und soziale Kompetenzen werden der Führungskraft implizit bescheinigt, ohne dies explizit durch Funktion oder Titel zu benennen. Wer ohne Vorgesetztenfunktion ein Team leitet, darf sich einerseits über diese Auszeichnung freuen, andererseits gilt es aber auch, sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Denn eines ist nicht einfach: verantwortlich zu sein.

Die Führung über ein Team zu übernehmen, ist eine Auszeichnung. Verantwortung, Weitsicht und soziale Kompetenzen werden der Führungskraft implizit bescheinigt, ohne dies explizit durch Funktion oder Titel zu benennen. Wer ohne Vorgesetztenfunktion ein Team leitet, darf sich einerseits über diese Auszeichnung freuen, andererseits gilt es aber auch, sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Denn eines ist nicht einfach: verantwortlich zu sein.

Aus Sicht der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist die Führungskraft nicht nur verantwortlich, sondern auch zuständig. Zuständig für die Verteilung von Aufgaben, für das Einholen von Ergebnissen, die Weiterleitung innerhalb des Unternehmens oder zum Kunden. Gibt es Fragen, muss die Führungskraft die Antwort kennen bzw. sich darum kümmern, dass jemand Verantwortliches die Antwort liefert. Rund um die Sachaufgaben muss eine Führungskraft aus Sicht der Beschäftigten alles wissen und alles können, was für viele, die von der Sachbearbeitung zur Führungskraft aufgestiegen sind, auch gegeben ist. Jedoch ist dies für jemanden, der ein Team führt, nur ein kleiner Teil dessen, was auf ihn bzw. sie zukommt und es ist der einfachste. Weitaus schwieriger ist der Umgang mit Menschen.

  • A hat keine Lust.
  • B macht nicht das, was er soll.
  • C redet viel und hält den Rest von der Arbeit ab.

Dies sind Szenarien, die in Büros nicht unüblich sind und Führungskräfte vor Herausforderungen stellen. Wie mit jenen Menschen umgehen, die vor einigen Monaten noch Kolleginnen und Kollegen waren? Hier gilt es zuerst, den Respekt für die neue Aufgabe einzufordern und die Führung deutlich zu machen.

TIPP: Klären Sie, welche Befugnisse man Ihnen von übergeordneter Stelle zuweist und fragen Sie konkret nach. Sollte es Ihnen nicht möglich sein, über extrinsische Motivationsanreize wie Bonuszahlungen, Dienstfahrzeuge oder Ähnliches zu verfügen, müssen Sie sich in Fragen der       Personalführung Unterstützung holen oder diese delegieren.

Im Idealfall ist es möglich, die ehemaligen Kolleginnen und Kollegen für die Aufgabe zu begeistern und sie an der richtigen Stelle einzusetzen. Da laterale Führungskräfte häufig aus dem Sachgebiet kommen und die übrigen Teammitglieder kennen, wissen sie um die Stärken und Schwächen der anderen. Dies ist ein großer Vorteil gegenüber jenen Führungskräften, die von außen kommen und die Menschen nicht kennen. Als Führungskraft ohne Vorgesetztenfunktion können Sie Aufgaben zuweisen, Formen der Zusammenarbeit vorschlagen und einführen, die aus erfahrener Sicht effizient und sinnvoll sind. Doch damit das Team dies auch umsetzt, muss die neue Rolle auch akzeptiert werden.

  • Vertrauen
  • Respekt
  • Anerkennung

sind die Werte, die von der Führungskraft als Bonus für die einzelnen Teammitglieder vorgestreckt werden müssen. Vorherige Erfahrungen in der Zusammenarbeit müssen in den Hintergrund treten, auch wenn diese belastend oder schwierig waren. Auch ein offenbar fauler Kollege muss nun als guter Mitarbeiter wahrgenommen werden, dessen Talente zu fordern und zu fördern sind. Dies dem Gegenüber klar zu machen und damit die persönliche Beziehung auf ein neues Level zu befördern, gehört zu den schwierigsten Aufgaben einer Führungskraft ohne Vorgesetztenfunktion. Aber es ist die einzige Chance, ein Team zu formen, das Kooperation, Hilfestellung und Unterstützung ernst nimmt und sich gegenseitig zukommen lässt.

Gelingt der Start in die neue Aufgabe gut, können Teams sich neu formen und der lateralen Führung zuarbeiten, so dass in dieser Abteilung alles gut läuft. Die weiteren Aufgaben einer Führungskraft wie Mitarbeitergespräche, Konfliktmanagement und Förderung des Teams treten wiederholt auf, so dass auch hier fachliche und soziale Kompetenzen seitens der Führungskraft notwendig sind. Gerät jemand ohne Vorbereitung in diese Aufgabe, sollte das Augenmerk rasch auf alle Themen der Personalführung gelenkt werden. Denn so gut auch jemand in der Sachbearbeitung ist, für Führung braucht er bzw. sie Menschenkenntnis und Strategien der Kommunikation. Die Persönlichkeit dafür bringen laterale Führungskräfte mit, denn sonst hätten sie nicht diese Aufgabe.

(https://www.kitzmann.biz/seminare/seminaruebersicht/fuehrung/fuehren-ohne-vorgesetztenfunktion/)

» Imagefilm - Management-Institut Dr. A.Kitzmann

erstellt am: 27.02.2017

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