Führungskraft als Coach und Berater

Fachbeitrag von Management-Institut Dr. A. Kitzmann
Die Rolle der Führungskraft verändert sich. In erfolgreichen Unternehmen übernehmen die Führungskräfte zunehmend die Rolle des Beraters und des Coaches. Coaching wird wichtiger, weil menschliche und organisatorische Probleme komplexer werden. In Hochleistungsteams wird der Chef zum Coach.

Wer Führungskraft wird, ist nicht automatisch Coach und Berater. Um Führungskraft sein zu können, braucht es keine beratenden oder supervisiorischen Kompetenzen, sondern

  • Entschlossenheit
  • Durchsetzungsvermögen
  • Weitsicht.

Aufgabe einer Führungskraft ist es, die vom Unternehmen bzw. der vorgesetzten Kraft angestrebten Ziele mit Hilfe der Mitarbeiter umzusetzen, die der Führungskraft zugeteilt sind. Wie dies geschieht, ist maximal der Unternehmensphilosophie sowie den geltenden Betriebsvereinbarungen geschuldet. Alles andere ist persönliches Know-how von Führungskräften.

            TIPP: Wie lautet Ihre spontane Antwort auf die Frage: Mögen Sie Menschen? Falls es ein Nein ist, sollten Sie Abstand nehmen von der Rolle einer Führungskraft. Spezialisieren Sie sich in Fachfragen oder Sachgebieten und begeben Sie sich auf diesen Karriereweg.

Die vorrangige Aufgabe von Führungskräften besteht im Umgang und Austausch mit den Beschäftigten der eigenen Abteilung sowie den Vorgesetzten. Es geht nicht um das vorhandene Sach- und Fachwissen, sondern darum, die Menschen im Team zu begleiten, so dass diese ihren Job machen können. Wünschenswert für Führungskräfte ist es, dass diese Menschen ihren Job auch noch sehr gerne machen. Und dies wird einfacher, wenn die Kompetenzen von Coaches und Beratern in die Rolle der Führungskräfte einfließen.

  • Miteinander reden
  • einander zuhören
  • lösungsorientiert arbeiten

dies sind die Kernkompetenzen von Coaches und Beratern, derer sich Führungskräfte bedienen sollten. Diese Kompetenzen ermöglichen es, die Mitarbeiterin oder den Mitarbeiter als Individuum wahrzunehmen, mit allen Fehlern und Schwächen. Dies kann sich als erste Hürde entpuppen, denn auch die weniger begabten Mitarbeiter sind Teil eines Teams und sollten sich mit ihrer Tätigkeit wohlfühlen können. Als Führungskraft gehört es zur Aufgabe, diese Teammitglieder zu akzeptieren, sie zu fördern bzw. in das Team so einzubinden, dass es funktioniert.

Eine weitere Hürde besteht in der täglichen Wiederkehr der Zusammenarbeit. Coaches und Berater haben einen zeitlichen Rahmen, in dem sie tätig sind. Ist dieser vorüber, sind sie weg. Als Führungskraft bleiben sie und erleben mit, dass eingeleitete Maßnahmen nicht angenommen werden, fehlschlagen oder gar zum Bumerang werden. In diesen Situationen ist persönliche Stärke gefragt, so dass Führungskräfte einen neuen Start veranlassen können, um einen möglichst reibungslosen Ablauf in der Zusammenarbeit zu erreichen.

            TIPP: Kennen Sie Resilienz? Bemühen Sie sich um diese Fähigkeit, die es Ihnen ermöglicht,  Rückschläge zu verkraften, den Mut zu behalten und auch zum wiederholten Mal einen Neuanfang zu starten.

Im Gegensatz zu Coaches und Beratern haben Sie als Führungskraft die Möglichkeit, Mensch zu sein. Es obliegt Führungskräften, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und für ein gutes Betriebsklima zu sorgen. Das bedeutet, dass auch sie sich mit dem Unternehmen, der Aufgabe und dem Team identifizieren müssen und ihre menschlichen Qualitäten einbringen können. Die persönliche Ausstrahlung, die individuelle Art sind markante Punkte einer Führungskraft. Daran misst sich einerseits die Verbundenheit der Teammitglieder, andererseits auch die Fähigkeit einer Führungskraft, Begeisterung zu vermitteln und für Akzeptanz zu sorgen. Führungskräfte, die Menschlichkeit ausstrahlen und sich sowohl an ihren Aussagen als auch an ihrem Handeln messen lassen, haben die Chance, ein gutes und funktionierendes Team aufzubauen. Transparenz und Authentizität sind wichtige Punkte, an denen Beschäftigte den Wert ihrer Führungskraft beurteilen.

            TIPP: Zählen in Ihrem Unternehmen ausschließlich die Ziele und weniger Ehrlichkeit und   Transparenz? Dann müssen Sie in der Lage sein, eine innere Trennung zwischen Mitmenschlichkeit und unternehmerischen Zielen zu errichten und diese auszuhalten. Werte wie Vertrauen und Miteinander können Sie nicht gebrauchen.

Ähnlich wie Coaches und Berater sollten Führungskräfte nicht vergessen, dass es sich im Unternehmen um professionelle Beziehungen zwischen Menschen handelt. Wissen und Know-how auf der einen Seite, zu erfüllende Aufgaben auf der anderen Seite. Dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass man einander mögen muss, dass man absolute Offenheit an den Tag legen muss. Weder die Lebensgeschichte des anderen ist relevant noch die Frage nach Herzensangelegenheiten muss mit allen geteilt werden. Gute Führungskräfte können entscheiden, welche Informationen für alle zugänglich sind und welche nicht, ohne daraus ein Geheimnis oder eine Lüge machen zu müssen. Gute Führungskräfte geben einen Einblick in private Angelegenheiten, ohne zu persönlich zu werden oder Schwierigkeiten nach außen zu tragen. Sie sind in der Lage, Freundschaften abzusagen oder zu vermeiden, auch wenn es schade ist, jemanden im Team nicht näher kennenlernen zu können. Für Führungskräfte zählen die Team-Aufgabe und deren gutes Arbeitsklima, in dem sie nicht mehr sind als ein Leuchtturm, der bei jedem Seegang zuverlässig die Richtung weist. 

» Die Führungskraft als Coach und Berater

erstellt am: 16.08.2016

Über den Autor
Management-Institut Dr. A. Kitzmann

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