Fünf populäre Irrtümer ... über den Sinn im Business

Fachbeitrag von suxess ag
Unternehmen müssen Gewinn abwerfen, ihren „ROI“ (Return on Investment) erreichen, damit die Shareholder ihren Value bekommen. Und damit sind alle auf der Suche nach den „low hanging fruits“, damit der „EBIT“ durch die Decke geht.

Sie mögen keine coolen Management-Buzzwords? Gut. Dann lassen Sie uns jetzt über den Sinn sprechen. Über den Sinn des Unternehmens. Über den Sinn im Unternehmen.

In vielen Unternehmen ist das kein Thema, das auf der Agenda steht. Jedes Unternehmen, das etwas auf sich hält, hat zwar ein Leitbild oder vielleicht sogar einen „Code of Conduct“ (einen Verhaltenskodex). Fragt man allerdings die Mitarbeiter danach, erntet man meist nur ein müdes Lächeln oder ein Achselzucken. „Es hängt da“, wissen zwar die meisten. Was diese Werte und dieser Kodex indes bewirken sollen, ist vielen Mitarbeitern (und oft auch Führungskräften) schleierhaft. Dabei ist Sinn im Unternehmen möglich – ja, vielleicht sogar überlebenswichtig in naher Zukunft. Weil Menschen nur motiviert sind, wenn das, was sie tun, Sinn für sie macht. Und auch Kunden lieber kaufen, wenn sie verstehen, warum ein Unternehmen das genau so tut. Sinn macht also Sinn! Erstaunlich ist nur, dass es mindestens ebenso viele gute Gründe für Sinn gibt wie Irrtümer in diesem Zusammenhang durch die Unternehmen und Köpfe der Menschen geistern. Fünf populäre Irrtümer über Sinn – im Speziellen in Unternehmen – möchte ich hier herausgreifen:

1. Sinn brauchen doch nur Hilfsprojekte!
Bei vielen Mitarbeitern und Unternehmern steht der „Sinn“ nicht gleich an erster Stelle, wenn sie an ihre Arbeit oder ihr Unternehmen denken. Noch nicht. Denn angesichts der steigenden Burnout-Rate und der nicht gerade vor Glück schreienden Montags-Gesichtern in den Bahnen und Autos dieser Welt, sollten wir uns schleunigst Gedanken machen, wie wir wieder mehr Sinn und damit mehr echte, innere Motivation erzeugen können. Denn nichts ist schlimmer, als wenn wir eine Arbeit tun müssen, die uns absolut nichts sagt. Die „sinnlos“ für uns ist.
Was aber ist der Sinn eines Unternehmens? Viele Manager würden als Erstes vielleicht sagen, das sei Geld zu verdienen. Da widerspreche ich! Das ist das, was dabei heraus kommt. Der Sinn – hoffentlich – ist ein anderer. Der Sinn ist, Menschen mit einem tollen Produkt oder einer nützlichen Dienstleistung zu helfen, sie glücklicher zu machen, sie zu unterhalten oder was auch immer. Klingt das zu „verträumt“?
Was motiviert denn Menschen wirklich? Richtig: Geld motiviert!  Aber wir gewöhnen uns sehr schnell daran – und daher taugt es für eine langfristig „echte“ Motivation nicht. Der Sinn motiviert. Nicht nur zur Arbeit – auch zum Kauf. Menschen wollen etwas Sinnvolles tun. Was anderen Menschen irgendwie hilft und ihnen selber ein gutes Gefühl gibt. Menschen wollen Produkte kaufen, die „Sinn“ vermitteln. Wenn Unternehmen also kommunizieren, warum sie etwas produzieren oder entwickelt haben, wird dies Menschen mehr anziehen als einfach nur die „nackte“ Produktbeschreibung.
Es geht darum, dass sich ein Unternehmer bewusst machen muss, was der wahre, echte Sinn hinter seinem Angebot ist. Hat er diesen Sinn erkannt und formuliert, geht es darum, dies seinen Mitarbeitern weiter zu geben. Nicht in einer Email, sondern von Mensch zu Mensch. Wenn der Mitarbeiter weiß, was der Sinn seiner Arbeit ist – und er sich mit diesen Werten identifizieren kann – wird er lieber zur Arbeit gehen, motivierter und erfolgreicher sein.

2. Moral und Money vertragen sich nicht!
Was darf „man“ und was darf „man“ nicht? Dafür gibt es in jeder Gesellschaft einen Verhaltensmaßstab. Abgeleitet von kulturellen Erfahrungen, gebildeten Regeln und dem Normen- und Wertesystem dieser Gesellschaft. In einem Wort: die Moral. Diesem fast schon philosophischen Wort nun den schnöden Mammon – das „Money“ – gegenüberzustellen, ist für Viele fast schon ein Unding. Geld werde ja schließlich oft am Rande der Moral verdient. Und für Einige ist viel, sehr viel Geld zu verdienen, sogar unmoralisch… Geht Moral also nicht einher mit Geld? Wie denken viele Menschen über Geld?
Der Volksmund spricht da eine deutliche Sprache: „Geld verdirbt den Charakter“, „Geld stinkt“ und „Geld macht auch nicht glücklich“. Wer also viel Geld hat, ist grundsätzlich schon einmal verdächtig. Geld wird oft sehr negativ dargestellt (vor allem von denen, die keines oder zu wenig davon haben). Dabei ist Geld „nur“ ein Mittel, mit dem man viele Dinge tun kann – ob diese wunderbar und sinnvoll oder schlecht und sinnlos sind, hängt letztendlich vom Einzelnen ab.
Darf ein Unternehmer reich werden? Klar. Schließlich ist es sein Geld, das er investiert hat, mit dem er Arbeitsplätze geschaffen hat (ja, ich spreche hier explizit von Unternehmern). Auch hier erkennen wir wieder: Die Begriffe sind das, was wir daraus machen. Moral und Geld geht absolut sinnvoll einher – wenn es einem Unternehmer wichtig ist, dass er „sinnvoll“ unternehmerisch tätig ist. Das bedeutet, dass er sicherstellt, dass sein Unternehmen Geld verdient (das ist und bleibt die wichtigste Voraussetzung), indem es seinen Mitarbeitern und Kunden (und vielleicht sogar der Allgemeinheit) großen Nutzen bietet.

3. Wer echt ist im Business wird ausgenutzt oder nicht ernst genommen!
Jedes Spiel hat seine Regeln. Auch im Business-Leben gibt es solche Spielregeln. Man kann natürlich immer entscheiden, ob man diese Regeln billigt, bejaht oder nicht anerkennt. In der Realität ist es allerdings so, dass die meisten Menschen sie akzeptieren – weil sich nur Wenige die Zeit nehmen, diese Regeln und Konventionen zu durchdenken. Viele funktionieren dann im Business genau so, wie man es von ihnen erwartet. „Nur so kommt man weiter“, ist die verbreitete Meinung. Querdenker sind nur im kreativen und abgesteckten Setting beliebt.
Die Frage ist zum einen, ob ich bei diesem „Spiel“ mitspiele (und zu welchen Bedingungen). Die noch entscheidendere Frage ist, ob ich mir dann morgens im Spiegel noch selbst in die Augen blicken kann. Selbstwert beginnt da, wo ich Grenzen ziehe. Auch einmal Nein sage. Meine Werte kenne, diese ernst nehme und nach ihnen lebe. Wer das alles tut, wird vielleicht nicht mehr überall mitspielen können – aber er wird geachtet (weil er sich auch selbst achtet) und nicht mehr ausgenutzt. Und das ist es auf alle Fälle wert.

4. Macht bringt Umsatz!
Leadership ist gefragt. Führungsqualitäten Pflicht, wenn man Karriere machen will. Wer führt, hat die Macht. Allerdings ist Macht ein Begriff, der von vielen Menschen als tendenziell negativ angesehen wird. Weil man natürlich Macht auch missbrauchen kann. Und in unserer Welt gibt es leider Viele, die genau das tun.
Aber jeder Unternehmer muss die Macht, die er hat, wahrnehmen – schließlich ist er für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verantwortlich. Macht bedeutet, bewusst mit dieser umzugehen. Macht bedeutet aber auch, zu seinen Werten zu stehen, diese zu kommunizieren und sie zu schützen. Damit werden den Mitarbeitern und Kunden die persönlichen Spielregeln bekannt gegeben und man vereinfacht ihnen das Mitspielen oder das Wegbleiben. Dann wird der Unternehmer „einzigartig“, weil er sein eigenes – und damit das Profil des Unternehmens schärft.
Ich bin davon überzeugt, dass Menschen, die Führung „managen“, die Werte „managen“ weit weniger überzeugend sind als Unternehmer und Führungspersönlichkeiten, die diese Werte und die Philosophie der Führung leben. Dann werden aus Managern echte Persönlichkeiten. Und solche Persönlichkeiten erzeugen damit auch mehr als nur (den wichtigen) Umsatz. Sie erzeugen Vertrauen.

5. Diskussionen über Werte sind sinnlos!
Sie hängen in vielen Unternehmen. Werden oft gar nicht gelesen, oft nicht verstanden und bestimmt nicht hinterfragt: Leitbilder. Der Mitarbeiter steht bei uns im Mittelpunkt. Ja. Und die Erde ist rund und abends wird es dunkel.
Oft ist man in Unternehmen der Meinung, dass es eh nichts bringt, über Werte zu sprechen, weil „die da unten“ es eh nicht verstehen oder bei „denen da oben“ eh nur das Geld an erster Stelle steht.
Fakt ist aber, wenn sich die Werte des Mitarbeiters mit den Werten des Unternehmens nicht vertragen, wird der Mitarbeiter unzufrieden (obwohl er meist gar nicht weiß, warum). Und unzufriedene oder unmotivierte Mitarbeiter sind in jeder Hinsicht schlecht für das Unternehmen. Heute besteht sogar die Gefahr, dass unzufriedene Mitarbeiter das Unternehmen auf Bewertungsportalen wie kununu.com negativ beurteilen. Ein Teufelskreis.
Ich glaube fest daran (und die Resultate in den Unternehmen sprechen für sich), dass es in Zukunft unerlässlich ist, über die Unternehmenswerte noch intensiver zu diskutieren und sie erst dann zu kommunizieren, wenn alle diese Werte mittragen. Denn Menschen wollen an etwas glauben. An den Sinn ihres Tuns. Und damit an das Unternehmen, in dem sie ihre wertvolle Zeit verbringen.

» http://www.stefandudas.com

erstellt am: 02.05.2016

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