HELLENISCHE SCHATTENSPIELE. Coaching Kolumne März 2015

Fachbeitrag von INTELLIGENT DEVELOPMENT SERVICES®
Eine Fachkolumne zur Dramaturgie von Organisationskrisen. Beispiel: Griechenland.

Interferenz :-) © - Die ©oaching-©olumne

HELLENISCHE SCHATTENSPIELE.  

Schon wieder Griechenland! Da unser Job ist, Prozesse zu durchleuchten und zu gestalten und einer der eindrucksvollsten - das klassische "Drama" - eben dort erfunden worden sein soll, wundern wir uns nicht, weshalb der momentane Gemischtwarenladen in der Argumentation des griechischen Schuldenstreits ein so prägnantes Beispiel für so manche zyklischen Dramen globaler und nicht-globaler Organisationen darstellt, seien sie klein oder groß.

Soweit wir uns an unseren Deutschunterricht erinnern, hatte das Drama im antiken Griechenland wenige, grundsätzlich männliche Akteure, die unter Verwendung eindrucksvoller Masken teils mehrere Rollen spielen.  

Der Plot beinhaltet alte, immer wieder verwendete Mythen - die Gestaltung des Drehbuchs makes the difference. Die Zielsetzung des Spektakels kann Erregung von Schrecken, Mitgefühl und/oder Bewunderung sein. Gucken Sie mal bei Sophokles rein, da geht Ihnen ein Licht auf. Ob die Reinigung des Geistes - zu Deutsch "Katharsis", das hehrste Ziel - immer so ganz gelingt, wagen wir nicht zu bewerten.

Wir sind der Überzeugung, dass unsere erwachsenen Leser des Transfers mächtig sind und mühelos ihre Parallelen zwischen dem antiken und dem modernen griechischen Szenario ziehen werden. Interessanterweise wiederholen sich die Prozesse ja. Zunächst wird ein durchaus bedeutsamer, eigentlich sehr bedeutsamer, emotional und menschlich ionisierter Themenkomplex viel zu lange hinter verschlossener Tür hin und her verhandelt. Da keine verschlossene Tür ganz dicht ist, dringen ab und zu frei schwebende Elektronen nach draußen. Anlass für kurzfristige Überhitzung. So ähnlich wie kürzlich zur Jahrtausendwende, als schon ewige Zeiten über Entschädigungen für erlittenes Leid und Zwangskreditrückzahlungen verhandelt worden war, und ausgerechnet die Drohung der Beschlagnahmung einiger deutscher Eigentumsfragmente auf griechischem Terrain Wirbel verursacht hat, der sofort nach der Zustimmung zum EU-Beitritt Griechenlands wieder als mildes Lüftchen hinter der Tür verschwand. Wir erwarten die gegenwärtige Entwicklung mit Spannung, schließlich ist die Tür (kurzfristig wahrscheinlich) gerade offen ...

Inzwischen wundern wir uns nicht - wie wir schon erwähnt haben -  denn uns kommen Prozesse dieser Art sehr bekannt vor. Wie immer können wir nur über Dinge reden, die uns selbst in irgendeiner Hinsicht zwicken oder von denen wir so oft hören, dass uns die Ohren klingen. Schauen wir uns mal die alten, immer wieder verwendeten Mythen an. Hinter einer oder mehreren Unternehmenstüren braut sich im Schatten Ungemach zusammen. Da das nicht von selbst geht, braucht man Menschen dazu. Unter modernem Ungemach wird heute verstanden: "Irgendwas funktioniert da nicht, da fehlt Kooperation, wir sind zu langsam, zu schweigsam. Oder einer ist zu schnell und zu schweigsam und kriegt das Volk nicht hinter sich versammelt." Oder Ähnliches.  

Erstmal ist die Türe großflächig dicht und das Brauen hat Zeit. Die es nutzt. Plötzlich geschieht die Tragödie. Aus Ungemach wird Unheil. Der entscheidende Crash. Sei es an der Börse. Oder in Reports und Forecasts aller Art. Ja, es geht schon wieder ums Geld - ist in Griechenland ja genauso.  Nun erfährt mit der finanziellen Talfahrt dieser zyklische Prozess, von dem wir schreiben, seinen ersten dramatischen Hochpunkt. "So geht's nicht weiter, wir müssen etwas ändern, denn marode Finanzen gehen gar nicht!" Wenn sich nichts schönrechnen und auch nichts schönreden lässt, klingelt bei uns das Telefon. Dann geht die bisher so dichte Tür ganz weit auf und das Gebraute quillt heraus. Es vermischt sich mit den so sauber getrackten und isolierten Zahlen, Daten und Fakten für einen dramatischen Moment der Wahrheit. Da unser Job ist, den Türstopper unterzulegen und ein sauberes Konzept zum Einsatz zu bringen, das das Durcheinander sortiert, kann es vorkommen, dass mindestens einer blitzschnell den Keil entfernt, die Tür zuschlägt und erstmal wartet, bis die Prozesskurve dramazyklustypisch wieder einen Tiefpunkt erreicht. Kann passieren - so eine Spontanheilung der Finanzen. Ein wesentlicher Wettbewerber "stirbt", ein Investor genehmigt eine kurze Verschnaufpause, eine Innovation greift, ein lukrativer Auftrag ...Was dann hinter der Tür gleich mitverschwunden ist, sind so manche Gedanken sozial-wirtschaftlicher oder emotional-intelligenter Natur, die zunächst mit ein wenig Aufwand drohten. Und so manche, die vorher hätten gefeuert werden sollen, dürfen bleiben, da das jetzt ja weniger Aufwand ist. Und wir haben Wartezeit. Bis zum nächsten Hoch. Bis wir wieder mal eine kurzfristige Rettungsspritze statt eines von Grund auf effizienten wirksamen Prozesses liefern sollen. Ist in Griechenland ja genauso. Wie gesagt, das mit der Katharsis wagen wir nicht zu bewerten ...

 

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erstellt am: 25.03.2015

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