In aller Freundschaft - Sinn und Werte sind das Fundament der Unternehmensnachfolge

Fachbeitrag von b.wirkt!
30. Juli: Internationaler Tag der Freundschaft. Damit es Sinn macht: Der Mensch steht im Mittelpunkt und nicht die Umstände - beispielsweise in der Unternehmensnachfolge.

In aller Freundschaft – den Titel dieser mehr oder minder bekannten TV-Soap habe ich ganz bewusst gewählt. Auch wenn es mir nicht um Krankheit und Genesung, um Beziehungen und Intrigen, um Gesundmacher und Patienten geht. Ein ganz anderes Thema treibt mich um: Die Nachfolgeregelung bei (Familien-)Unternehmen, der Übergang von einer Führungsinstanz auf die nächste. Schätzungsweise 70.000 mal soll dieser Vorgang in den nächsten beiden Jahren vollzogen werden. In den unterschiedlichsten Ausprägungen. Klassischerweise als Generationswechsel von den Eltern auf die Kinder oder in anderen interfamilären Konstellationen. Häufig übernimmt  ein von außen kommender Geschäftsführer die neue Leitung oder das Fortbestehen des Unternehmens wird durch Verkauf bzw. Verpachtung oder Einbringung in eine Stiftung gesichert. Wie groß der volkswirtschaftliche Schaden tatsächlich ist, wenn auch nur ein Teil der anstehenden Unternehmensnachfolgen scheitert, lässt sich nicht in Zahlen messen. Enorm ist er in jedem Fall, betrachtet man die Folgen einer Insolvenz für alle Beteiligten – bis hin zum Verlust von tausenden Arbeitsplätzen.   
 
Gefühle mischen mit
Damit ein Wirtschaftsunternehmen erfolgreich weitergeführt werden kann, muss die Management-Verantwortung in die Hände der nachfolgenden Verantwortlichen übergeben werden. Leichter gesagt als getan. Denn es werden ja nicht nur die betriebswirtschaftlichen Aspekte berührt. Sind diese in Zahlen fass- und messbar, verhält es sich mit psychologischen Faktoren ganz anders. Und die mischen bei einer Betriebsnachfolge ganz gehörig mit. Denn das subjektive Erleben von alter und neuer Führung, von „Senioren“ und „Junioren“ ist durchaus nicht immer deckungsgleich. Nicht selten wird zwar die Führung nominell in neue Hände gelegt, doch in Machtfragen bleibt erstmal alles beim Alten. Wörtlich. Das kann nicht gut gehen. Aus unterschiedlichen Sichtweisen entwickeln sich ganz leicht Differenzen, die je nach Funktion und Standort des Betroffenen als Sach- oder Rollenprobleme wahrgenommen werden. Und im schlimmsten Falle endet das ganze im Hauen und Stechen, im Kampf auf Leben und Tod (des Unternehmens) und es wird doch noch eine medizinische Behandlung wie in eingangs erwähnter Serie nötig.

Freundschaft als Entwicklungshilfe
Läuft der gesamte Prozess dagegen in aller Freundschaft ab, in diesem ‚auf gegenseitiger Zuneigung beruhenden Verhältnis von Menschen zueinander’, kann Vieles sich ganz einfach entwickeln. Ganz einfach ist natürlich alles andere als ganz einfach. Die Betonung liegt auf entwickeln. Wer als Unternehmer eine Nachfolgeregelung plant, muss auch bereit sein loszulassen. Was in der Vergangenheit richtig war und zum Erfolg des Unternehmens beigetragen hat, berechtigt zu einem gewissen Stolz. Es darf aber nicht von vorneherein verpflichtend sein, bisherige Strategien ungefragt übernehmen zu müssen. Dafür ist schon eine gewisse Portion Vertrauen nötig. Vom bisherigen Unternehmer auf seine(n) Nachfolger, aber genauso umgekehrt. Wie in einer Freundschaft gehört dazu Geben und Nehmen.

Miteinander reden

Ist diese Freundschaft noch jung, sollte sie gepflegt werden, damit sie weiter wachsen und verwurzeln kann und nicht bei ersten Unstimmigkeiten – und die werden nicht ausbleiben – zerbricht. Aber auch die schon länger bewährte Freundschaft bedarf der Pflege. In beiden Fällen ist der beste Nährstoff wirksame und aufrichtige Kommunikation. Ob diese Verständigung bei regelmäßigen festen Terminen stattfindet oder bei gemeinsamen Auszeiten ist zweitrangig. Vorrangig ist, dass der Austausch stattfindet. Das eigene und des anderen Werteverständnis sowie die Sinnhaftigkeit dürfen und müssen diskutiert, aber letztendlich auch akzeptiert werden. Warum soll ein erfülltes Familienleben dem Geschäftserfolg im Wege stehen? Muss man wirklich bis zum Umfallen arbeiten, um ein Vollblutunternehmer zu sein? Beschneidet die angestrebte Work Life Balance den Unternehmer in seiner Handlungsdynamik und schadet damit dem ihm anvertrauten Geschäft? Wird selbstredend vorausgesetzt, dass nur die eigene Ansicht Gültigkeit hat, sind Konflikte und Enttäuschungen vorprogrammiert.

Nur auf ein transparentes, anerkanntes Wertefundament lässt sich bauen. Dieses kann sich in einer anhaltend gelebten Unternehmenskultur ebenso manifestieren wie in der Anpassung an den permanenten wirtschaftlichen/gesellschaftlichen Entwicklungsprozess. Im Zuge einer anstehenden Unternehmensnachfolge kann ich die Beteiligten nur dazu ermuntern, frühzeitig den Grundstein zu legen. Instrumente wie Coaching, Seminare oder Mentorenprogramme können die nachfolgenden Gewerke unterstützen. Liegt das Ziel in der lohnenden Mischung aus Tradition und Innovation, also beibehalten und verändern, gilt wie in einer Freundschaft: mehr gemeinsam  schaffen und sich wunderbar ergänzen.

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erstellt am: 27.07.2016

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