Toxische Mitarbeiter identifizieren und richtig entscheiden

Fachbeitrag von INTEGRAL-MANAGEMENT
Den Ergebnissen einer Harvard-Studie zufolge ist der Schaden, den ein "giftiger Mitarbeiter" verursacht größer, als der Zusatzgewinn, den ein besonders guter Mitarbeiter erarbeitet.<br />Toxische, giftige oder schädliche Mitarbeiter sind Personen, deren Verhalten sich negativ auf das Arbeitsumfeld und möglicherweise auch aufs gesamte Unternehmen auswirkt.

Folgenden Führung-Impuls aus einer Harvard-Studie möchte ich Ihnen  gerne weitergeben:
"Identifizieren Sie toxische Mitarbeiter und entscheiden Sie."

Die Wissenschaftler Michael Housman und Dylan Minor von der Harvard-Universität haben Firmenmitarbeiter untersucht und die Daten von 50.000 Mitarbeitern aus 11 Unternehmen ausgewertet. Ziel war es jene zu identifizieren, die von vornherein für eine vergiftete Arbeitsatmosphäre sorgen oder die nur vorgeblich alle Regeln strikt befolgen. Die Ergebnisse führen zu spannenden Schlussfolgerungen.

Das Fazit vorab: Den Ergebnissen zufolge ist der Schaden, den ein "giftiger Mitarbeiter" verursacht größer, als der Zusatzgewinn, den ein besonders guter Mitarbeiter erarbeitet.
Toxische, giftige oder schädliche Mitarbeiter sind Personen, deren Verhalten sich negativ auf das Arbeitsumfeld und möglicherweise auch aufs gesamte Unternehmen auswirkt.

Die Wissenschaftler haben ein detailliertes Personenprofil von schädlichen Mitarbeitern erstellt.
Da war einmal jener Typus, der sich ganz allgemein als fortwährendes Ärgernis und eindeutiger Fehlgriff erwies.
In anderen Fällen ging es um Personen, die durch Belästigung und Mobbing anderer Mitarbeiter auffielen, durch Betrug und Diebstahl, teils sogar durch Gewalt am Arbeitsplatz. Fast in jedem Arbeitsumfeld tritt zumindest ein Typus in Erscheinung, vom Lästerer und Störenfried über den notorischen Sexisten bis hin zum völlig unethischen Karrieristen, der gleichsam über Leichen geht, Regeln missachtet und zu hohe Risiken eingeht.

 Woran man "giftige Mitarbeiter" erkennt

Vier Kriterien führt die Studie an, die Hinweis auf ein toxisches Mitarbeiterprofil geben können - einige von diesen sind durchaus überraschend:

  1. Egoismus: Diese Erkenntnis liegt auf der Hand: Wer sich im Unternehmen richtig mies daneben benimmt, denkt vor allem an sich und wenig an andere.
  2. Selbstüberschätzung: Zudem hat ein potenziell toxischer Mitarbeiter eine hohe Meinung von sich. Er überschätzt seine Kompetenzen - das führt Housman und Minor zufolge dazu, dass ein solcher Mitarbeiter gar nicht mit der Möglichkeit rechnet, dass etwas schiefgeht. Das dient durchaus als Erklärung, um das geradezu anmaßende Verhalten zu verstehen, das prominente Beispiele während der Bankenskandale oder aktuell bei VW an den Tag legten.
  3. Regel-Konformität: Wer im Einstellungstest angab, dass ihm das Befolgen von Regeln besonders wichtig ist, wurde später mit höherer Wahrscheinlichkeit wegen des Brechens einer Regel gefeuert. Dieses Ergebnis der Datenanalyse scheint zunächst widersprüchlich. Doch Housman und Minor haben eine Erklärung für das paradoxe Ergebnis. Ihrer Einschätzung nach setzen toxische Mitarbeiter so lange auf Regeln, wie diese ihnen für ihre Zwecke nützen. Auch sei es bei diesem Personen-Typ wahrscheinlicher, dass im Fragebogen gezielt so geantwortet wird, wie es am erfolgversprechendsten scheine.
  4. Produktivität: Das vierte Erkennungsmerkmal ist gleichzeitig das überraschendste und aufschlussreichste. Mitarbeiter, die dem Unternehmen schaden, sind besonders produktiv. Tatsächlich konnten die beiden Forscher feststellen, dass die entsprechenden Mitarbeiter zunächst überdurchschnittlich viel schaffen. Das, so die Forscher, sei auch der Grund, warum toxische Mitarbeiter sich so lange in Unternehmen halten können. Obwohl die Kollegen schon längst mitbekommen haben, dass da ein arroganter Kotzbrocken im Nebenzimmer sitzt, freut sich der Chef noch über die hervorragenden Leistungen seines "Highperformers".

Ein "toxischer Mitarbeiter" kostet mehr als der beste Mitarbeiter einbringt

Doch trotz der oft vielversprechenden Ergebnisse von „giftigen Mitarbeitern“ lohnt es sich für Unternehmen nicht, diese zu beschäftigen. Der Schaden, den das unternehmensschädigende Verhalten am Ende verursacht, ist im Schnitt sehr viel größer als die vorangegangenen Gewinne.

Tatsächlich, so die Berechnung von Housman und Minor, sind die Kosten, die toxische Mitarbeiter verursachen, sogar höher als der Nutzen, den die allerbesten Mitarbeiter bringen. Das Verhältnis liegt Housman und Minor zufolge beinahe bei 2 zu 1.
Ihren Berechnungen zufolge verursacht ein toxischer Mitarbeiter im Schnitt einen Schaden von knapp 12 500 US-Dollar, die ein Prozent der besten Arbeitnehmer erwirtschaften hingegen nur ein zusätzliches Plus von gut 5000 US-Dollar.

Der beste Banker könnte also mit moralisch-einwandfreien Methoden nicht wieder das an Geld reinholen, das er mit riskanten Spekulationen versenkt hat.
Die loyalsten, fleißigsten VW-Verkäufer können sich noch so sehr ins Zeug legen, den dramatischen Imageverlust, den toxische Mitarbeiter mit ihrer Software-Manipulation zu verantworten haben, werden sie nicht wettmachen.
Das ausgefeilteste Marketing nützt nichts, wenn illoyale Verkäufer Kunden mit Tricks über den Tisch ziehen.

Das Fazit der Forscher: "Wenn man neben der Dimension Produktivität auch die Toxizität heranzieht, macht es keinen Sinn mehr, bestimmte Personen anzustellen. Schon aus ethischen Bedenken heraus, aber auch wenn man allein auf Profitmaximierung setzt."

Damit wurde nun wissenschaftlich untermauert, was in den niederen Rangebenen der Unternehmenshierarchie meist eher erkannt wird: Der kollegiale Typ mit Rückgrat, der im Zweifel auch mal Fünfe gerade sein lässt, ist eine bessere Wahl als der überhebliche Schaumschläger mit den super Ergebnissen, der so lange auf Vorschriften pocht, wie der Chef gerade hinschaut.

Günter Grass meinte einmal:
"Was nützt ein Dementi des Giftes, wenn es schon wirkt?"
Darum Augen auf bei der Personalauswahl. Ein fauler Apfel im Korb infiziert sein Umfeld schneller als man glaubt.

Ihr Spezialist für das "Eigentlich"

Peter Saulus

Zu diesem und weiteren Führungsthemen veranstalten wir offene Kompetenz-Seminar für Führungskräfte in München. Infos auf unserer Web-Seite abrufbar.

Ausführlicher und ergänzend auch nachzulesen in meinem Buch :"Führen ohne Leiden", Springer-Gabler.

» http://www.integral-management.de/

erstellt am: 02.03.2016

Über den Autor
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