Warum die meisten Unternehmer die schlechtesten Mitarbeiter finden

Fachbeitrag von Unternehmercoach GmbH
Gründe für die falsche Mitarbeiterauswahl in KMU

Die weitaus meisten Unternehmer stellen die falschen Mitarbeiter ein.¶
Vor allem, wenn das Unternehmen noch klein ist. Hierfür gibt es drei¶
wesentliche Gründe. Erstens wissen viele nicht genau, welche Mitarbeiter¶
sie einstellen sollen, d.h. sie haben keine oder die falschen Kriterien¶
(hier helfen auch die Checklisten nicht, solange die Ziele hinter den¶
Checklisten nicht verstanden werden). Zweitens haben sie zu der¶
Tätigkeit, die der neue Mitarbeiter ausführen soll, oft nicht die¶
richtige Einstellung. Drittens hat das Unternehmen zu wenig¶
Anziehungskraft für die wirklich guten Mitarbeiter.

Einstellungskriterien

Meist wird nach Zeugnissen oder Sympathie eingestellt. Beides schadet¶
natürlich nicht. Aber als Einstellungskriterien können Sie das¶
vergessen. Es gibt im Englischen folgende Aussage: "Hire for attitude,¶
train for skills". Sie trifft den Nagel auf den Kopf. Es gibt im Prinzip¶
zwei Typen von möglichen Arbeitskräften, mit denen Sie konfrontiert¶
sind: Die einen suchen einen Arbeitsplatz, die anderen suchen eine Aufgabe.
Die, die den Arbeitsplatz suchen, haben ihr Ziel erreicht, wenn sie ihn¶
gefunden haben. Wer am Ziel ist, dessen Aktivität lässt nach. Die, die¶
eine Aufgabe suchen, haben hingegen mit der Anstellung ihr Ziel¶
konkretisiert und die Aktivität beginnt.D.h. es ist eine grundlegende Frage der Einstellung. Nun ist es so, dass jeder Mensch seine Einstellung selbst frei wählen kann. Dazu sagt der Psychologe Viktor Frankl: "Die letzte aller menschlichen Freiheiten ist die, seine Einstellung in jeder gegebenen Situation selbst wählen zu können." Nun handelt es sich bei Viktor Frankl nicht um einen Psychologen, der im¶
Warmen neben seiner Couch alt und grau geworden ist und sich in der¶
Sicherheit alles Mögliche zusammen spintisieren konnte. Nein, Viktor¶
Frankl formulierte diese Erkenntnis im KZ während fast seine gesamte¶
Familie ermordet und er selbst gefoltert wurde. Dadurch gewinnt seine¶
Aussage erst ihre wirkliche Tiefe: Sie können in JEDER Situation Ihre¶
Einstellung selbst wählen.Dies hat mehrere Konsequenzen. Zum¶
einen für diejenigen, die Arbeit suchen. Diese haben die Wahl, mit¶
welcher Einstellung sie Arbeit suchen. Damit haben sie letztlich auch¶
Einfluss auf den Erfolg der Arbeitssuche (natürlich dauert es ein paar¶
Wochen oder Monate, bis die Änderung einer Einstellung sich auch in¶
ihren Handlungen niederschlägt und somit von außen sichtbar ist).Zum¶
anderen hat dies eine Folge für Sie als Unternehmer. Egal, was Sie¶
machen, egal ob Sie - etwas überspitzt - jemanden mit KZ-Methoden¶
antreiben oder ob Sie jemanden mit Geld und Ehrungen überhäufen: Er kann¶
seine Einstellung in jeder beliebigen Situation selbst wählen. D.h. Sie¶
haben keinen direkten und unmittelbaren Einfluss auf die Einstellung¶
des Mitarbeiters. Und wenn Sie keinen direkten Einfluss darauf haben,¶
dann ist die logische Konsequenz natürlich die, dass Sie diejenigen¶
aussuchen müssen, die bereits nachgewiesen haben, dass sie die¶
Einstellung haben, die Sie suchen. Sie können sich nicht auf die¶
Lotterie verlassen, dass der entsprechende Mitarbeiter im Lauf der Zeit¶
seine Einstellung vielleicht ändert.Hingegen können Sie sich¶
ziemlich sicher darauf verlassen, dass Mitarbeiter mit der richtigen¶
Einstellung Mängel in den Fachkenntnissen irgendwann ausgleichen werden.¶
Es stellen sich nun zwei Fragen: Erstens, wie viele gibt es von denen, die¶
eine Aufgabe suchen überhaupt, und zweitens, wie finden Sie diese? Beginnen wir mit der ersten Frage: Wie viele sind es, die eine Aufgabe suchen?¶
Die Antwort: Weniger als zwölf bis sechzehn Prozent. Wie man zu dieser¶
Zahl kommt? Nun, es gibt eine regelmäßige Untersuchung des¶
Gallup-Instituts unter Angestellten, die der Frage nachgeht, wie viele¶
davon motiviert sind, wie viele Dienst nach Vorschrift machen und wie¶
viele innerlich gekündigt haben. Die Gruppe der motivierten Mitarbeiter¶
schwankt bei etwa zwölf bis sechzehn Prozent. Und die Gruppe der¶
Nicht-Angestellten dürfte kaum motivierter sein als die Gruppe der¶
Angestellten. Deshalb: Es sind weniger als zwölf bis sechzehn Prozent,¶
die eine Aufgabe suchen.Das heißt, dass überhaupt nur jeder achte¶
Bewerber für Sie in Frage kommt. Und das ist dann auch noch nicht¶
unbedingt der Richtige. Typischerweise ist gerade in kleinen Unternehmen¶
nach dem dritten oder fünften Vorstellungsgespräch bereits Schluss.¶
Damit spielen Sie Lotterie."Aber ich habe gar nicht so viel Zeit,¶
mir zwanzig oder mehr Bewerber anzuschauen". Nun, das ist eine einfach¶
Rechnung: Ein falsch angestellter Mitarbeiter kostet leicht mehrere¶
zehntausend Euro (aufgrund von Gehältern, Fehlern, Ablenkung der übrigen¶
Mitarbeiter während der Einarbeitung, Zeitverzögerung beim¶
Unternehmensaufbau, Abfindungen, Suche von Ersatz etc.). Und er kostet¶
sicher mehr Zeit als sich ein paar zusätzliche Bewerber anzuschauen.¶
Vergleicht man dies mit dem oft höchstkomplizierten Auswahlprozess für ein¶
Softwareprodukt oder eine Maschine für einige tausend Euro, so herrscht¶
hier klar ein krasses Missverhältnis.Die meisten Kleinunternehmer¶
suchen zudem erst dann Mitarbeiter, wenn es gar nicht mehr anders geht.¶
Sie stehen also unter Druck, schnell, einen Mitarbeiter einstellen zu¶
müssen. In dieser Situation kann man unmöglich zwanzig oder dreißig¶
Bewerber anschauen. Die Suche nach Mitarbeitern mit der richtigen¶
Einstellung ist somit eine permanente Aufgabe des Unternehmers
Jim Collins schreibt in seinem Buch "Der Weg zu den Besten" sogar, dass¶
die besten Führungspersönlichkeiten die wirklich guten Mitarbeiter¶
einstellen, bevor sie sie brauchen - wirklich gute Mitarbeiter finden immer einen Weg, sich bezahlt zu machen.Wie Sie die Mitarbeitersuche zur permanenten Aufgabe machen? Nun, nehmen Sie sich fest in Ihrer Terminplanung vor, fünf oder zehn¶
Einstellungsgespräche pro Monat zu führen. Ganz einfach.Zur zweiten Frage: Wie finden Sie diejenigen mit der richtigen Einstellung?¶
Hier können Sie nur mit einem mehrstufigen, schriftlich fixierten¶
Auswahlverfahren arbeiten, das Tests (z.B. Limbic-Personality www.limbic-personality.com¶
oder die verbreiteten, aber auch etwas angestaubten DISG- oder¶
HDI-Tests), Probearbeit, Einstellungsgespräche und Beurteilungen durch¶
die zukünftigen Kollegen umfasst.Worauf müssen Sie achten? Zum¶
einen auf die Empfehlung von Klaus Kobjoll. Dieser achtet im¶
persönlichen Gespräch vor allem darauf, ob die Augen leuchten, wenn man¶
über die zukünftige Aufgabe spricht oder ob sie es nicht tun. Zum¶
anderen gibt es bei Bodo Schäfer in den "Gesetzen der Gewinner" eine¶
schöne Übersicht der Unterschiede zwischen Adlern und Enten, also¶
denjenigen, die eine Aufgabe suchen und denjenigen, die nur einen Platz¶
zum Ausruhen oder Jammern suchen. Bauen Sie in die Probearbeit Tests¶
ein, auf die Adler und Enten unterschiedlich reagieren (eine Übersicht¶
über Unterschiede finden Sie übrigens auch unter http://www.kmu-forum.net/downloads/docs/4294_Die%20Gesetze%20der%20Gewinner.pdf in G31)

Einstellung zur Tätigkeit des Mitarbeiters

Zum zweiten Aspekt: Die meisten Unternehmer haben keine klaren¶
Vorstellungen davon, was eigentlich ihre eigenen originären¶
Unternehmer-Aufgaben sind (siehe dazu: http://www.unternehmercoach.com/coach-unternehmer-coaching/aufgaben-des-unternehmers-zweite-wachstumshuerde.htm).¶
Die meisten Unternehmer sind zu Beginn Selbständige und machen alles.¶
Das wächst ihnen natürlich über den Kopf und irgendwann schaffen sie es¶
nicht mehr. In dieser Situation holen sich diese Selbständigen jemand,¶
der ihnen hilft. Die erste unmittelbare Reaktion ist die, genau die¶
Aufgaben an den neuen Mitarbeiter zu übertragen, die man nicht so gut¶
kann, die einem nicht so viel Spaß machen, auf die man keine Lust hat.¶
Also eigentlich durchaus eine kluge Überlegung - zumindest wenn der neue¶
Mitarbeiter in diesen Bereichen besser ist.Allerdings ist es so,¶
dass die Einstellung des Unternehmers zu diesen Tätigkeiten meist nicht¶
sehr positiv ist. Es sind ja die Aufgaben, die er nicht mag, die er¶
loswerden will usw. Jetzt stellen Sie sich vor, Sie sind in einem¶
Einstellungsgespräch und erzählen Ihrem neuen Mitarbeiter von Dingen,¶
die Sie nicht mögen, die Sie nicht mehr machen wollen. Dazu kommt noch,¶
dass der neue Mitarbeiter unterbewusst sehr genau spürt, ob der¶
Unternehmer glaubt, dass es eigentlich seine eigenen Aufgaben sind und¶
er deswegen permanent "hineinpfuschen" wird.Wie motiviert wird¶
wohl ihr Gegenüber sein, wenn er erkennt, dass seine Aufgaben die¶
ungeliebten Reste sein werden und er keine Freiräume und Verantwortung¶
bekommen wird? Und wenn ihr Gegenüber solcherart motiviert wird, dann¶
werden nur diejenigen bei Ihnen bleiben, die es nötig haben, für¶
Schmerzensgeld zu arbeiten. Also ein schlechter Einstellungsfilter.D.h.¶
die Aufgabe die sich aus diesem Bereich für einen Unternehmer, der neue¶
Mitarbeiter einstellen will, ergibt, ist Folgende: Er muss sich darüber¶
klar werden, was eigentlich genau die Aufgaben des Unternehmers sind¶
(siehe dazu: www.unternehmercoach.com/coach-unternehmer-coaching/aufgaben-des-unternehmers-zweite-wachstumshuerde.htm)¶
und was Aufgaben der Mitarbeiter und des Managements sind. D.h. der¶
Unternehmer ist in einer Situation, in der er aktuell Aufgaben macht,¶
die gar nicht seine Aufgaben sind. Die aber durchaus wichtig, spannend¶
und herausfordernd sind. Das ist der entscheidende Punkt: Sie haben¶
wichtige, spannende und herausfordernde(!) Aufgaben zu vergeben. Und für¶
wichtige Aufgaben suchen Sie gute Mitarbeiter. Und machen deutlich,¶
dass Sie diesen schrittweise Freiräume und Verantwortung geben werden.

Die Anziehungskraft des Unternehmens

Nun zum dritten und letzten Punkt. Natürlich können Mitarbeiter ihre¶
Einstellung ändern. Natürlich haben Sie auch indirekten(!) Einfluss¶
darauf. Die zwei entscheidenden Möglichkeiten, zu einer Änderung der¶
Einstellung beizutragen, sind die, erstens ein integres Vorbild zu sein¶
und zweitens ihnen das zu geben, was sie am meisten benötigen. Und das¶
ist nicht Geld, sondern eine sinnvolle Aufgabe und menschliche und¶
persönliche Anerkennung. Geld rückt nur dann in den Vordergrund, wenn¶
die anderen Punkte fehlen oder wenn es sich um Mitarbeiter handelt, die¶
aufgrund des Schmerzensgeldes zu Ihnen kommen.Um also¶
Top-Mitarbeiter anzuziehen, haben Sie folgende Aufgaben vor sich:¶
Erstens: Sie müssen Ihrer Firma einen wertebasierten Sinn geben. Sie¶
müssen einen Sinn entwickeln und diesen transparent machen. Menschen¶
müssen, wenn Sie Ihnen den Sinn hinter Ihrem Unternehmen erklären,¶
sagen, dass das für sie ein attraktiver Sinn ist. Natürlich nicht alle¶
Menschen, sondern nur ihre Kunden und ihre Mitarbeiter. Und Sie müssen¶
die Werte hinter dem Sinn auch selbst leben - sonst sind Sie nicht¶
glaubwürdig.Zweitens, Sie müssen, wie eben schon ausgeführt, Ihre¶
Einstellung zu den Aufgaben des zukünftigen Mitarbeiters ändern. Dabei¶
muss Ihnen klar werden, welchen Wert und welche Bedeutung diese Aufgaben¶
haben, denn nur so können Sie Ihrem zukünftigen Mitarbeiter bereits vor¶
der Einstellung Anerkennung ausdrücken und ihm signalisieren, dass Sie¶
ihm wertvolle Aufgaben geben.Insbesondere durch eine positive¶
Anziehungskraft wird auch das Vorurteil, dass super Mitarbeiter nur für¶
super Gehälter zu bekommen sind, widerlegt. Sehr guten Mitarbeitern ist¶
die Aufgabe und der Sinn wichtiger - und wenn sie sehr gut sind, dann¶
ist das Unternehmen mittelfristig auch in der Lage, super Gehälter zu¶
bezahlen.

Ein System

Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Sie gerade am Anfang eines Unternehmens sehr genauauswählen, welche Mitarbeiter Sie einstellen. Haben Sie erst einmal ein Team beisammen, dann haben Sie nur noch geringe Chancen, die Einstellung Ihrer Mitarbeiter nachträglich zu ändern. Das pflanzt sich fort wie ein¶
Gen. Machen Sie hier Fehler, dann programmieren Sie genetische Fehler¶
in Ihr Unternehmen ein. Das kann bis zu dem Punkt gehen, an dem die¶
Kosten eines Neuanfangs niedriger werden als die Kosten einer¶
Reorganisation. Und das ist bitter!Schaffen Sie es aber, am¶
Anfang einige gute Mitarbeiter zu finden und zudem noch eine Struktur¶
schaffen, die denjenigen, die mit der richtigen Einstellung arbeiten,¶
besonders viel Aufmerksamkeit und Anerkennung zuteil werden lässt, dann¶
haben Sie ein Unternehmen geschaffen, das sich selbst reinigt. Meist¶
gibt der Unternehmer seine Aufmerksamkeit ja gerade den schlechten¶
Mitarbeitern und signalisiert so: Fehler werden mit Aufmerksamkeit¶
belohnt. Ein schlechtes Konzept.Wenn Sie aber einige gute¶
Mitarbeiter und ein System der positiven Bestärkung haben, dann wird¶
sich, wenn Sie irgendwann eine falsche Personalentscheidung treffen¶
sollten, dieser Mitarbeiter entweder positiv anpassen oder von alleine¶
gehen. Wenn Sie genügend Mitarbeiter mit einer positiven Einstellung¶
haben (die kritische Masse liegt bei 30 oder 40 Prozent), dann halten es¶
die anderen schlicht nicht mehr aus.Wenn Sie diesen Zustand¶
erreicht haben, dann sorgen Sie dafür, dass einzelne Teams nach der¶
Teamleistung (nicht oder nur gering nach Einzelleistung) bezahlt (oder¶
anerkannt) werden und legen die Personalauswahl nach ihren vorgegebenen¶
Abläufen in die Hände der Teams, die nachher mit den neuen Mitarbeitern¶
arbeiten sollen. Sie können sich sicher sein, dass diese Teams sehr¶
genau darauf achten werden, nur die Mitarbeiter einzustellen, die die¶
Teamleistung erhöhen. Die Team-Mitglieder würden ja sonst ihre Bezahlung¶
oder Anerkennung gefährden.Weitere Hinweise zum Thema und wie¶
ein spezialisiertes Unternehmer-Coaching Ihnen bei diesen Aufgaben¶
Unterstützung bieten kann, finden Sie bei der Unternehmercoach GmbH

http://www.unternehmercoach.com

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erstellt am: 03.06.2015

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