Was Knicklichter und Kooperationen gemeinsam haben - 1 + 1 = WIR-Energie

Fachbeitrag von Ulrike Stahl
Wer schon einmal ein Knicklicht in der Hand gehalten und es vielleicht sogar im Dunkeln aktiviert hat, weiß um die Faszination, die damit verbunden ist. Genauso faszinierend und von genau derselben Leuchtkraft sind die Ergebnisse erfolgreicher kooperativer Zusammenarbeit.

Wie funktionieren eigentlich Knicklichter? Sie enthalten zwei unterschiedliche Flüssigkeiten, die durch eine dünne Wand voneinander getrennt sind. Alleine bewirken diese Flüssigkeiten nichts. Sie sind farblos und unscheinbar. Sobald aber die Wand beim Knicken des Stäbchens gebrochen wird, mischen sich die beiden Flüssigkeiten. Es entsteht Energie in Form von strahlendem Licht.

Von Abteilungswänden…
Auch Kooperationen sind besonders vielversprechend, wenn verschiedene Disziplinen oder Persönlichkeiten zusammenkommen. So kann sich das unterschiedliche Wissen gegenseitig bereichern und aktivieren. Doch erst gilt es die Wand zu durchbrechen, die verhindert, dass eine fruchtbare Zusammenarbeit überhaupt beginnen kann. In Unternehmen sind es oft die Abteilungswände, die im Weg stehen. Sei es, weil Hierarchien behindern oder weil Abteilungen nach dem Motto „Konkurrenz belebt das Geschäft“ im vermeintlichen internen Wettbewerb zueinander stehen. Vielleicht hat auch schlicht und einfach noch niemand darüber nachgedacht, welche bemerkenswerten Ergebnisse die gemeinsame Lösungssuche bringen könnte.

… bis zu den Hürden im eigenen Kopf
Manchmal sind es auch ganz einfach Wände im Kopf, die uns hindern Kooperation aktiv zu suchen. Diese Wände werden umso massiver, je mehr wir uns auf die Unterschiedlichkeit konzentrieren und die Andersartigkeit des Anderen negativ bewerten. „Die schauen ja nur auf die Zahlen, der Mensch interessiert die gar nicht.“ oder „Die sind immer so gefühlsbetont, Fakten scheinen ihnen völlig egal zu sein.“ „Die immer mit ihren halbgaren Ideen, das ist gar nicht durchdacht.“ oder „Die stellen einen immer vor vollendete Tatsachen, so geht das nicht.“ So oder so ähnlich klingt es dann, wenn wir uns missmutig über die Anderen äußern.

Ein höheres Ziel hilft Gräben zu überwinden
Dabei fallen diese Wände ganz einfach zusammen, sobald wir uns auf das konzentrieren, was uns verbindet. Sowohl der Controller als auch der Meister in der Produktion geben ihr Bestes. Beide wollen, dass das Unternehmen weiter existiert, erfolgreich ist und so die Arbeitsplätze gesichert sind. Die Wände fallen auch, sobald die Beteiligten ein höheres Ziel ins Auge fassen. Aus dem Gefühl gezwungenermaßen zusammenzuarbeiten – oder es nur zu tun, weil es sich lohnt – entsteht so ein innerer Antrieb, der es ermöglicht, auch große Gräben zu überwinden.

Wenn Wände durchbrochen werden…
Stadtverwaltungen gelten eher selten als ideale Kooperationspartner für kleine Start-up-Unternehmen – insbesondere, wenn es um die Nutzung von Daten geht, über die eine Verwaltung verfügt. Die Stadtverwaltung gilt als verschlossen, langsam und konservativ, das Start-up als zu wenig verlässlich, unbedacht und unberechenbar. Eine Zusammenarbeit im Hinblick auf Datennutzung ist nur schwer vorstellbar. Die Stadt Helsinki hat diese Wand durchbrochen und begonnen, die ihr zur Verfügung stehenden – nicht persönlichkeitssensiblen – Daten aufzubereiten und diese jedem zur Verfügung zu stellen, der sie nutzen will. Start-up-Unternehmen haben zwischenzeitlich auf Basis dieser Daten Apps entwickelt, die wiederum den Bürgern der Stadt das Leben angenehmer oder interessanter machen. So gibt es jetzt beispielsweise eine App, die anzeigt, wann der Schnee in welchen Stadtgebieten geräumt wird oder wie bestimmte Straßenzüge vor 100 oder 200 Jahren ausgesehen haben. Eine weitere App hilft Menschen mit Sehbehinderung, die nächste Ampel zu finden. Genau wie beim Knicklicht das Licht die Umgebung erhellt, profitieren von dieser Kooperation nicht nur die wirtschaftlich erfolgreichen Start-ups sowie die Stadt von mehr Steuereinnahmen, sondern auch die Bürger und Nutznießer der Apps.

… nimmt die Leuchtkraft zu
Ist die trennende Wand im Knicklicht erst einmal gebrochen und man bewegt es oder schüttelt es, nimmt das Leuchten weiter zu. Die volle Leuchtkraft entsteht dann, wenn die Flüssigkeiten komplett zusammenfließen und sich vermischen. Kooperative Zusammenarbeit beginnt häufig scheinbar vielversprechend, stockt dann aber. Ein Grund dafür ist, dass oft Vorbehalte bestehen sich wirklich voll einzubringen. Die Beteiligten oder ein Teil davon investiert nur abwartend oder mit halber Kraft. Nach dem Motto: „Erst einmal schauen, was die anderen leisten.“ Leuchtende Ergebnisse entstehen nur, wenn alle Beteiligten volles Committment zeigen und mit Vorschussvertrauen an die Sache herangehen. Das heißt, Bedenken sollten unbedingt vor dem Start ausgeräumt werden, um dann ohne Vorbehalte und mit voller Kraft in das gemeinsame Ziel zu investieren. Meist wird zu wenig Zeit dafür aufgewendet über Werte und individuelle Ziele zu sprechen und sich darüber zu verständigen, wie diese in der Zusammenarbeit verwirklicht werden können.

Gebündelte Energie
Das Knicklicht leuchtet vor allem deshalb, weil die Energie in ihm gebündelt wird und keine Energie abfließt. Eine Maxime für erfolgreiche Kooperation ist, dass Konflikte innerhalb ausgetragen und nicht nach außen getragen werden. Es scheint oft leichter, sich bei Außenstehenden darüber zu beklagen, was einem nicht passt, als es gegenüber dem anderen Beteiligten so anzusprechen, dass nach konstruktiven Lösungen gesucht werden kann. Gelingt das jedoch, entsteht neue kreative Energie, die sich in noch besseren, innovativen Ergebnissen widerspiegelt. Kontinuierlicher Austausch und Kommunikation auf Augenhöhe sind Schlüsselfaktoren. Auf Augenhöhe bedeutet dabei der anderen Idee oder Überzeugung genauso viel Raum und Gewicht zu geben wie der eigenen und genauso aktiv zuzuhören wie aktiv mitzuteilen. Also sich vertrauensvoll und eng zu verbinden. Dann leuchtet das Miteinander – wie bei einem Knicklicht – und aus 1+1 wird tatsächlich WIR-Energie!

» http://www.ulrike-stahl.com

erstellt am: 25.08.2016

Über den Autor
Ulrike Stahl

Ulrike Stahl

Erfolgsfaktor Kooperation