Was Bauchgefühl oder Intuitive Intelligenz ist, ist heute sehr gut erforscht und durch Gerd Gigerenzer und Malcolm Gladwell sehr populär gemacht worden. Vereinfacht gesagt hat die Evolution unserem Gehirn die Möglichkeit gegeben, in Entscheidungssituationen unbewusst auf Erfahren aus der Vergangenheit zurückzugreifen. Und auch wenn diese Erfahrungen nur sehr grob der vorliegenden Situation ähneln, können wir in Bruchteilen von Sekunden ganz unscharf eine Analogie zur vorliegenden Situation verspüren und eine schnelle Entscheidung fällen. Wir haben dann das Gefühl für die richtige Entscheidung, ohne - zumindest im ersten Moment - zu wissen, warum wir etwas meinen. Grundlage von Bauchgefühl sind also Erfahrungen aus der Vergangenheit, Information oder Wahrnehmung der vorliegenden Situation und ein unbewusstes Abstraktionsvermögen, mit dem das Gehirn Ähnlichkeiten zwischen Situationen erkennt.
Wann immer wir auf eine Situation stoßen, die wir bewusst nicht reflektieren können - sei es aus Zeitmangel oder aufgrund fehlender Informationen oder gar aufgrund fehlender kognitiver Fähigkeiten - , können wir mit unserem Bauchgefühl eine vergleichsweise gute Entscheidung treffen. Bei der stetig zunehmenden Komplexität werden Entscheidungen immer unsicherer bzw. häufig wird gar nicht mehr entschieden. Da ist dann eine Bauchentscheidung besser als keine Entscheidung. Und das wäre die einzige Erklärung und Rechtfertigung des Hypes, den dieses Thema erfährt!
Das heisst aber auch: mit Zeit, Informationen und kognitiven Fähigkeiten brauchen wir uns nicht auf unser Bauchgefühl verlassen, welches nämlich auch erhebliche Schwächen aufweist:
- nicht jeder hat die - und nicht immer haben wir die - notwendigen Erfahrungen aus der Vergangenheit
- Wahrnehmung und Bewertung der Informationen können emotional verfälscht sein (einfaches Beispiel: sind wir gut drauf, oder pessimistisch gestimmt)
- Einflussfaktoren aus der Zukunft können wir heute nicht wahrnehmen (einfaches Beispiel: das Wetter der nächsten Stunden können wir mit Bauchgefühl vorhersagen, das Wetter in 14 Tagen nicht. Ich kenne aber erfolgreiche Bücher zu Bauchentscheidungen, in denen mit der Begründung, ein Computer könne das zukünftige Wetter schlecht vorhersagen, dem Bauchgefühl eine Überlegenheit zugeschrieben wird. Dabei handelt es sich ohne die Wahrnehmung von notwendigen Informationen aus der Zukunft schlicht um ein Raten)
- in vielen Entscheidungssituationen gibt es auch keine vergleichbare Situation oder Teilsituation aus der Vergangenheit, auf die wir unbewusst zurückgreifen könnten
Nun sind es nicht nur Buchautoren und Berater, die mit Bauchintelligenz diesen Hype schüren, sondern wir alle fragen diesen auch nach. Wir sind grundsätzlich auf der Suche nach Mustern, nach Erfahrungen aus der Vergangenheit, die uns bei der vorliegenden Situation helfen. (www.know-why.net - mit der KNOW-WHY-Denkweise wird sehr gut erklärt, wie und wieso wir Menschen für alles Erklärungen suchen) Eine neue Situation gibt uns das unangenehme Gefühl der Unsicherheit. Eine Analyse der vorliegenden, individuellen Situation kostet aber Zeit und Energie - wenn es handwerklich denn überhaupt beherrscht wird.
Vor kurzem hat eine Bundesministerin bei einer wichtigen Zukunftsentscheidung im Interview geäußert: “ich habe ein gutes Gefühl dabei”. Ich hätte lieber gehört: “wir haben mit Experten verschiedener Lager/Disziplinen die wahrscheinlichen Entwicklungen analysiert und bei dem Ergebnis habe ich ein gutes Gefühl”. Es ist das Wesen komplexer Entwicklungen/Situationen, dass wir sie nicht vollständig vorhersagen sondern nur annähern können. Aber die schlechteste Analyse ist besser als keine Analyse. Tatsächlich weiss ich aus meiner Beratungstätigkeit, dass gerade auch in der Politik entsetzlich viel aus dem Bauch entschieden wird. Da werden Brücken und Tunnel gebaut und es heißt dazu “mehr Transparenz ist hier nicht gewollt”. Da wurde eine Schließung einer Uni beschlossen, und hernach hieß es “Daten haben wir uns tatsächlich nicht angeschaut”. Aber auch in der Industrie versagt die Bauchentscheidung, wenn Marketing-Szenarien nicht verwendet wurden, weil der Vorstand lieber nach Gefühl in etwa so wie im Vorjahr vorgehen wollte. Oder wenn bei einem dreistelligen Millionenprojekt die Fachabteilungen einen Fahrplan entwickelten, der vom Vorstand nach Gefühlslage umgestoßen wurde. Oder wenn jemand bei einem neuen Flughafenterminal das Gefühl hatte, eine Verkürzung des Trainings des Personals würde durch Learning on the Job schnell kompensiert, tatsächlich aber selbstverstärkende Effekte fern eines Bauchgefühls zu einem extrem teuren Chaos führten.
Ich möchte offenbar nur in Ausnahmefällen auf Bauchentscheidungen zurückgreifen und gerade bei schwerwiegenden Entscheidungen auch den Verstand und die Möglichkeiten der Analyse einer Situation anwenden. Ganz so scharf ist die Trennung zwischen Bauchgefühl und Analyse tatsächlich nicht. Zuerst aber zu den Grenzen kognitiver Fähigkeiten: Studien zufolge stoßen wir auf eine mentale Grenze, wenn wir das Zusammenspiel von mehr als vier sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren betrachten wollen - also bei fast allen größeren Entscheidungen. Das wäre schon fast eine Rechtfertigung für Bauchentscheidungen. Aber wir können diese Grenze durch die Verwendung von Hilfsmitteln erweitern. Wir können Ursache-Wirkungsbeziehungen zwischen den Faktoren einer Entscheidungssituation visualisieren und dann am besten auch mit anderen zusammen auf diese blicken. Da aufgrund von Dynamiken - zumeist Rückkopplungs- bzw. Wirkungsschleifen - in diesen Beziehungen die Analyse der Entwicklung im Kopf nicht mehr möglich ist, macht der Einsatz von Software Sinn. Das klingt jetzt furchtbar aufwändig und toolverliebt, ist in der Praxis aber einfach und führt in vielen Unternehmen und Organisationen unlängst zu einer neuen Planungs-, Entscheidungs- und Kommunikationskultur. Argumente und Informationen werden ganz einfach in einem Ursache-Wirkungszusammenhang visualisiert und durch die Software analysiert. Meine Empfehlung dafür ist natürlich der CONSIDEO MODELER, der extrem einfach zu bedienen sogar in Schulklassen zum Einsatz kommt. Hilfreich insbesondere die so genannte qualitative Modellierung, mit dem schnellen Erkenntnisgewinn aus groben Annahmen: www.consideo-modeler.de/qualitatives-modeln.html
Auch bei der Ursache-Wirkungsmodellierung, oder kurz: Modeln, setzen wir sehr viel bzw. sehr oft Bauchgefühl ein. An vielen Stellen eines Modells fehlen uns die Informationen und wir haben entweder ein Bauchgefühl oder müssen raten und dann alternative Annahmen in ihren Auswirkungen uns ebenfalls anschauen. Der Unterschied zur reinen Bauchentscheidung ist natürlich der, dass wir mit mehr Zeit auch viel mehr Informationen/Faktoren in unsere Entscheidung einbeziehen, das mit anderen besser diskutieren können, als unser gern auch verfälschtes Bauchgefühl. Und dass wir nicht-lineare Entwicklungen aufgrund von Wirkungsschleifen und anderen Dynamiken überhaupt erst durch eine Analyse begreifen können.
Modeln und Bauchentscheidungen ergänzen sich also. Es geht sogar noch weiter: die Erfahrungen die wir beim Modeln von Dynamiken machen, lassen uns ein Gefühl für nicht-lineare Zusammenhänge entwickeln. Wir verbessern also unser Bauchgefühl für zukünftige Situationen!
Was macht uns zu guten Bauchentscheidern? Nun, wir sollten die Grenzen von Bauchentscheidungen kennen und bei schwerwiegenden Entscheidungen den kleinen Mehraufwand des Modelns betreiben. Wir sollten zudem an den Stellen, an denen wir mit Bauchgefühl Annahmen treffen, auch einmal andere Annahmen in ihren möglichen Auswirkungen betrachten. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass eine systemisch, ganzheitliche Entscheidung auch reflektiert, was uns zu und bei einer Entscheidung bewegt, um eine mögliche emotionale Verfälschung von Bauchentscheidungen zu vermeiden. Kurioserweise gibt es aber ‘führende’ systemische Berater, die aufgrund dieser sinnvollen Introspektion den Einsatz von vermeintlich ablenkenden Werkzeugen im gesamten Entscheidungsprozess kategorisch ablehnen. Das ist Unsinn bzw. ein Stück weit eine Frage der Kompliziertheit der Tools und deren Ablenkung von der notwendigen Wahrnehmung der entscheidenden Faktoren. Für die Wahl der richtigen Faktoren hilft übrigens die KNOW-WHY-Methode, die auch nach so genannten weichen Faktoren fragt.
Lieber eine Gruppe von Menschen blickt auf Ursache-Wirkungsbeziehungen als eine Gruppe von Menschen, die zwar weiss, was sie warum macht, die aber aufgrund mentaler Grenzen ohne Hilfsmittel an der Komplexität einer Situation verzagt.
Vertrauen Sie also bitte zum Wohle aller nicht MEHR einfach Ihrem Bauch, sondern modeln Sie MEHR und trauen Sie sich dabei, auch Bauchgefühl einzusetzen.
Mehr dazu hier www.consideo-modeler.de/bauchintelligenz.html bzw. in dem in Kürze erscheinenden Buch “KNOW-WHY: Erfolg durch Begreifen”. Dort dann auch mehr zu einer weiteren, folgenschweren Kapitulation vor Komplexität: Best Practice
Wenn Sie nicht nur Lesen wollen und sagen wollen, wie es eigentlich gemacht werden müsste, sondern es auch wirklich tun, treten Sie doch der Gesellschaft für Vernetztes Denken und Komplexitätsmanagement e.V. (GVDK) bei. Dort werden Zusammenhänge zu ganz konkreten Fragestellungen erarbeitet und warten nur darauf, auch Ihren Input zu erhalten: www.vernetztesdenken.de
Über Consideo:
“Wir wollen, dass alle Menschen endlich besser planen, besser entscheiden und besser kommunizieren”
Franc Grimm von Consideo
Unsere Herausforderungen werden immer komplexer. Um erfolgreich zu sein, müssen wir die entscheidenden Zusammenhänge erkennen und Entwicklungen richtig einschätzen. Ohne Werkzeug stoßen wir hier an unsere Grenzen. Mit dem preisgekrönten MODELER bietet Consideo nun eine denkbar einfach zu bedienende Software zur Visualisierung und Analyse von Zusammenhängen - seien es Strategien, Projekte oder Prozesse, sei es in der Wirtschaft, der Politik oder im Sozialen.
Einsatzgebiete des MODELERs:
- tägliche Anwendung, etwa zur Moderation von Meetings oder Entwicklung von Ideen
- Darstellung und Analyse, auch von umfangreichen
- organisatorischen
- sozialen
- technischen
- wirtschaftlichen
- und gesellschaftlichen Zusammenhängen
- Simulation von Entwicklungs-Szenarien, auch mit Daten aus unterschiedlichsten Quellen
Modeln bringt alle weiter, die bei ihrer Arbeit und in ihrem Leben das Zusammenspiel von vielen Faktoren zu berücksichtigen haben.
Die Besonderheit des MODELERs liegt unter anderem in der einfachen, täglichen Nutzbarkeit:
- Entweder zeigen schnelle, qualitative Modelle bereits mit nur groben Gewichtungen der Zusammenhänge (schwach, mittel, stark), welche Risiken und welche Maßnahmen kurz- oder langfristig wirkungsvoll und entscheidend sind. Dieser Erkenntnisgewinn aus nur groben Annahmen ist derzeit einzigartig!
- Oder alternativ zeigen detaillierte quantitative Modelle mit konkreten Daten die Auswirkungen von Maßnahmen und Risiken im Zeitverlauf in Was-Wäre-Wenn-Szenarien auf.
Die Nutzer des MODELERs reichen von
- internationalen Organisationen, wie der Nato oder der Asian Development Bank
- über große Unternehmen, wie die BASF, Daimler, VW, Sparkasse oder IBM
- bis hin zu etlichen Trainern, Beratern, Coachs, Fallmanagern, Privatpersonen etc.
- Der MODELER ist zudem kinderleicht bedienbar weltweit an über 400 Schulen und Universitäten im Einsatz
Bisher konnten nur Methoden-Experten komplexe Zusammenhänge analysieren. Nun können es auch die Planer und Entscheider selbst. Es entsteht eine neue Planungs-, Entscheidungs- und Kommunikationskultur. Für eine kleine Revolution wird zudem der in Kürze erscheinende iMODELER sorgen.
erstellt am: 25.06.2011
Ist BI heute überhaupt intelligent? Die Zukunft von Business-Intelligence ...
Der iMODELER - wirklich die wichtigste Software der Welt?
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Mythos Bauchgefühl - Unsere Kapitulation vor Komplexität
Gründung der Gesellschaft für Vernetztes Denken und Komplexitätsmanagement e.V. (GVDK)
Gründung der Gesellschaft für Vernetztes Denken und Komplexitätsmanagement e.V. (GVDK)
Der klügste Kopf, die größte Erfahrung und das beste Bauchgefühl reichen allesamt nicht aus, bei zunehmender Komplexität noch erfolgreich planen, entscheiden und kommunizieren zu können. Studien zufolge haben wir eine mentale Grenze, wenn es darum geht, das Zusammenspiel von mehr als 4 Faktoren zu begreifen. Wir brauchen dann ein Werkzeug, um uns die Zusammenhänge vor Augen führen und diese analysieren zu können. Die wohl weltweit führende und vor allem extrem einfach zu bedienende Software hierfür ist der CONSIDEO MODELER mit seiner einzigartigen qualitativen Modellierung alternativ zur quantitativen Modellierung von beliebigen Zusammenhängen in allen Bereichen. Großkonzerne, Behörden, Vereine, Privatpersonen und natürlich auch Schüler “Modeln” mehr und mehr - wann immer zu einer Fragestellung mehrere Faktoren zu berücksichtigen sind. Damit das gemeinsame Betrachten von Zusammenhängen sich noch schneller durchsetzt, müssen möglichst die fähigsten Leute sich zusammenfinden und es üben zu tun. Genau darauf zielt die gerade gegründete Gesellschaft für Vernetztes Denken und Komplexitätsmanagement e.V. (GVDK) ab
