Dort, wo Menschen aufeinandertreffen und zwangsläufig miteinander auskommen müssen, ist es ganz normal, dass hin und wieder Konflikte entstehen. Seine Freunde kann sich jeder frei wählen. Bei Arbeitskollegen, Mitarbeitern oder Vorgesetzten besteht hingegen nur selten die Möglichkeit, mitzureden. Welcher Mitarbeiter regt sich von Zeit zu Zeit nicht über „die da oben“ auf? Und welcher Chef vergreift sich nicht mal im Ton oder kritisiert ungerechtfertigt? Das ist menschlich. Der kritische aber konstruktive Dialog ist notwendig, um die optimale Lösung zu finden und sich zu verbessern.
Anders sieht es aus, wenn ein systematisches „Fertigmachen“ dahinter steckt. Denn dieses ist willkürlich und zielt nicht auf eine friedliche Lösung ab. Werden Personen am Arbeitsplatz gemobbt, führt dies oft zu seelischen Verletzungen bis hin zu psychischen Krankheiten. Und immer mehr Arbeitnehmer sind davon betroffen. Die Fehlzeiten haben sich seit 1990 verdoppelt. Dabei ist fast jede zehnte Krankschreibung auf psychische Probleme zurückzuführen. Dies geht aus einer im März veröffentlichten Studie der Bundespsychotherapeutenkammer hervor.
Die Krise erhöht die Wahrscheinlichkeit von Mobbing, denn die Angst um den Arbeitsplatz veranlasst die Mitarbeiter dazu, die Kollegen schlecht zu machen, um so die eigene Stelle zu sichern. Auch Vorgesetzte greifen in wirtschaftlich schlechten Zeiten eher auf zweifelhafte Methoden zurück, um Gründe für Entlassungen zu finden.
Mobbing gehört für viele Berufstätige zum Alltag. Laut dem aktuellen Mobbing-Report der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) werden in Deutschland etwa 1,5 Millionen Beschäftigte täglich an ihrem Arbeitsplatz gemobbt. Jeder neunte Arbeitnehmer wird im Laufe seines Berufslebens mindestens einmal Opfer von dauerhaften Benachteiligungen, Schikanen und Ausgrenzung.



