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Bossing und Staffing Mobbing zwischen Chef und Mitarbeitern

©Oliver Flörke - Fotolia.com
07.04.2010 – Wenn der Chef einen Mitarbeiter schikaniert oder der Angestellte über den Vorgesetzten üble Gerüchte verbreitet, sind das spezielle Formen von Mobbing: Bossing und Staffing.

Dort, wo Menschen aufeinandertreffen und zwangsläufig miteinander auskommen müssen, ist es ganz normal, dass hin und wieder Konflikte entstehen. Seine Freunde kann sich jeder frei wählen. Bei Arbeitskollegen, Mitarbeitern oder Vorgesetzten besteht hingegen nur selten die Möglichkeit, mitzureden. Welcher Mitarbeiter regt sich von Zeit zu Zeit nicht über „die da oben“ auf? Und welcher Chef vergreift sich nicht mal im Ton oder kritisiert ungerechtfertigt? Das ist menschlich. Der kritische aber konstruktive Dialog ist notwendig, um die optimale Lösung zu finden und sich zu verbessern.

Anders sieht es aus, wenn ein systematisches „Fertigmachen“ dahinter steckt. Denn dieses ist willkürlich und zielt nicht auf eine friedliche Lösung ab. Werden Personen am Arbeitsplatz gemobbt, führt dies oft zu seelischen Verletzungen bis hin zu psychischen Krankheiten. Und immer mehr Arbeitnehmer sind davon betroffen. Die Fehlzeiten haben sich seit 1990 verdoppelt. Dabei ist fast jede zehnte Krankschreibung auf psychische Probleme zurückzuführen. Dies geht aus einer im März veröffentlichten Studie der Bundespsychotherapeutenkammer hervor.

Die Krise erhöht die Wahrscheinlichkeit von Mobbing, denn die Angst um den Arbeitsplatz veranlasst die Mitarbeiter dazu, die Kollegen schlecht zu machen, um so die eigene Stelle zu sichern. Auch Vorgesetzte greifen in wirtschaftlich schlechten Zeiten eher auf zweifelhafte Methoden zurück, um Gründe für Entlassungen zu finden.

Mobbing gehört für viele Berufstätige zum Alltag. Laut dem aktuellen Mobbing-Report der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) werden in Deutschland etwa 1,5 Millionen Beschäftigte täglich an ihrem Arbeitsplatz gemobbt. Jeder neunte Arbeitnehmer wird im Laufe seines Berufslebens mindestens einmal Opfer von dauerhaften Benachteiligungen, Schikanen und Ausgrenzung.

Stichwort

Der Begriff Mobbing leitet sich aus dem englischen „Mob“ ab. Es ist eine Verkürzung des lateinischen Begriffs „mobile vulgus“, was übersetzt soviel heißt wie aufgewiegelte Volksmenge, Pöbel.

Erstmals verwendete der Verhaltensforscher Konrad Lorenz den Begriff, der damit den Angriff einer Gruppe von Tieren auf einen Eindringling bezeichnete. In den 1960er-Jahren wurde der Begriff dann auch in den Bereich des menschlichen Sozialverhaltens übernommen. Mehr Bekanntheit erlangte Mobbing Anfang der 1980er-Jahre im Zusammenhang mit ersten Untersuchungen von Professor Heinz Leymann über die gezielte Benachteiligung und Schikanierung einzelner Beschäftigter am Arbeitsplatz.

Es gibt zwei Kategorien von Mobbinghandlungen:

  1. Auf Arbeitsebene: zum Beispiel Anordnung von sinnlosen Tätigkeiten, Unterschlagung oder Manipulation von Arbeitsergebnissen, unsachliche Kritik an Arbeitsergebnissen.
  2. Auf der sozialen Ebene: zum Beispiel eine Person wie Luft behandeln, Verleumdungen, Anspielungen, kollektives Verlassen, wenn eine bestimmte Person eintritt.

Diese Angriffe finden nicht nur zwischen Kollegen statt, sondern häufiger sogar zwischen Führungskraft und Mitarbeiter. In mehr als 50 Prozent der Fälle geht laut dem Mobbing-Report das Mobbing von Führungskräften aus beziehungsweise findet unter ihrer Mitwirkung statt. Dies wird als Bossing bezeichnet.

Mitarbeiter, die den Vorgesetzten mobben, sind eher die Ausnahme. Gerade in unsicheren Zeiten werden sich Angestellte davor hüten, ihrem Chef in den Rücken zu fallen. Aber trotzdem gibt es diese Art von Mobbing, die auch als Staffing bezeichnet wird.

Bossing und Staffing sind Konflikte, die ausschließlich zwischen Mitarbeiter und Vorgesetztem stattfinden. Das Verhältnis zwischen beiden ist aufgrund ihrer unterschiedlichen Position in der Unternehmenshierarchie geprägt. Das heißt auch: Sie haben nicht die gleiche Macht, um Mobbing zu betreiben oder sich dagegen zu wehren. Das verschärft die Problematik.

[Aus Broschüre „Wenn aus Kollegen Feinde werden“, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2009]

Das gesamte Dossier zum Herunterladen und Ausdrucken

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Petra Oberhofer
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