Coworking Einsame Freiberufler arbeiten in einem Büro produktiv zusammen

Teil 2: Vorteile und Nachteile von Coworking

Dass sich die Arbeitswelt verändert hat, wird beim Arbeitsplatz-Sharing sehr deutlich. Wer sich hier einmietet, wird nicht bezahlt, sondern zahlt dafür. Derjenige nimmt auch keine Arbeit, sondern bietet welche an. Von der Bildung einer Gemeinschaft (Community) können alle Büromieter profitieren. Es finden häufig gemeinsame Veranstaltungen, Workshops, Diskussionsrunden, Meetings und andere Aktivitäten statt.

Gerade für Jungunternehmer oder Start-ups bietet Coworking Vorteile. Sie können ihr Produkt oder ihre Dienstleistung auch ohne eigene Büroräume entwerfen beziehungsweise produzieren und am Markt einführen. Sollte sich die Idee als Flopp erweisen oder die Aufträge einbrechen, sind sie ungebunden und können das Mietverhältnis schnell kündigen.

Weitere Vorteile ergeben sich durch Synergieeffekte mit anderen Mietern. Weil die Mieter aus unterschiedlichen Branchen und Berufsgruppen kommen, gibt es keinen Streit um Kunden. Stattdessen kommt es vereinzelt zu gegenseitigen Aufträgen oder gegenseitiger Hilfe, weil jeder etwas anderes gut kann. Einer, der das zu schätzen weiß, ist der Illustrator Matthias Pflügner. Er hat im „Studio 70“ in Berlin-Neukölln seinen Arbeitsplatz angemietet. Er sagt gegenüber sueddeutsche.de:

"Hier kann man sehr locker und entspannt netzwerken, ohne eine wirkliche Akquise. Wir machen ganz unterschiedliche Dinge, das ist das Gute daran.“

Und wenn doch einmal Konflikte entstehen sollten, gehen sich die Konfliktpartner einfach wieder aus dem Weg. Sie müssen ja nicht zusammenarbeiten.

Wer das Glück hat, leistungsstarke Bürogenossen zu haben, dem kommt zusätzlich der sogenannte Peer-Effekt zugute. Er besagt, dass leistungsstarke Mitarbeiter in einem Team andere mitziehen und allein durch ihre Anwesenheit und ihr Vorbild dafür sorgen, dass die Kollegen ebenfalls produktiver sind. Doch dieser Effekt tritt nur dann ein, wenn man beobachten kann, wie andere mehr Leistung erbringen. Zum Beispiel wenn man bemerkt, dass der Kollege schon wieder einen neuen Auftrag bekommen hat, weil er es lautstark duch das Büro ruft. Das weckt den Kampfgeist und den Wettbewerbsgedanken.

Und eine Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) kam zu dem Ergebnis, dass Kollegen, die sich oft und intensiv mit anderen unterhalten, kreativer sind.

Die Büroplätze sind meistens sehr flexibel zu mieten. Je nach Auftragslage, Urlaubswünschen oder Sonstigem kann das Mietverhältnis jederzeit geändert werden. Und falls der eigne Arbeitsplatz nicht mehr ausreicht, können ein Konferenzraum oder Arbeitsplätze für weitere Mitarbeiter dazu gemietet werden.

Eine Tagesstruktur ist das, was die meisten Freiberufler vermissen. Beim Coworking gibt es oft feste Öffnungszeiten, an die sie sich halten müssen. Dadurch haben sie den gleichen Arbeitsrhythmus wie Mitarbeiter in Unternehmen und es entsteht automatisch ein geregelter Tagesablauf. Gerade für Personen, die Schwierigkeiten haben, irgendwann auch einmal Feierabend zu machen, zahlt sich das für ihre Work-Life-Balance aus, wenn die Büros um 18 Uhr schließen. Bei Langzeitnutzern funktioniert dieser Trick nicht, denn diese erhalten meistens einen eigenen Schlüssel.

Das betahaus in Berlin

Das betahaus ist Berlins erste und größte Coworking-Area. In Kreuzberg direkt am Moritzplatz buchen die Mieter, auch "User" genannt, ihre Schreibtische tage- oder monatsweise in den Fabriketagen und umgebauten Wohnungen. Es stehen 1.000 qm bereit für Innovation, Kreativität und professionelles Arbeiten. Ab 10 Euro pro Tag gibt es den Arbeitsplatz, das Monatsticket kostet 120 Euro aufwärts. Es gibt WLAN, Meetingräume, ein Telefonzimmer sowie das betahaus | café. Seit 1. April 2009 arbeiten hier rund 120 Freiberufler. Darunter sind Fotografen, Architekten, Rechtsanwälte, Videokünstler und Programmierer.

Weitere Informationen: www.betahaus.de

Ablenkung und Lärm beim Coworking

Das Arbeiten in einer Büro-Community hat nicht nur Vorteile. Die Tatsache, dass das Angebot an Coworking Areas begrenzt ist und noch nicht überall angeboten wird, ist das erste Hindernis. Vor allem in ländlichen Regionen sieht es mau aus.

Coworking ist auch nicht für jede Persönlichkeit das Richtige. Menschen, die viel Ruhe brauchen, um sich konzentrieren zu können, sind hier fehl am Platz. Es kann passieren, dass andere „Kollegen“ einen von der Arbeit ablenken, indem sie einen permanent anquatschen. Die einen brauchen diese Art von Ablenkung, um den Kopf frei zu bekommen, andere wiederum kommen durch die Unterbrechungen so aus ihrer Arbeit heraus, dass sie einige Zeit mehr dafür benötigen, als wenn sie zu Hause im stillen Kämmerlein daran gesessen hätten. Eine gewisse Offenheit, Spaß an Kommunikation und Stressresistenz müssen die Coworker schon mitbringen, um sich in den hektischen Verhältnissen wohlzufühlen.

Die hohe Lautstärke beim Coworking ist nicht für jeden ertragbar.
Bild: Fotolia.com

Zudem ergibt sich ein hoher Geräuschpegel. Lärm ist Studien zufolge der größte Belastungsfaktor in offenen Büroumgebungen. Es gibt zwei Faktoren beim Lärm:

  1. der allgemeine Schall- beziehungsweise Lärmpegel im Raum und
  2. die direkte akustische Lautstärke von Gesprächen und Telefonaten.

Des Weiteren sind in Bürogemeinschaften die Arbeit und das eigene Tun nicht sehr geschützt. Eine geheime Geschäftsidee oder sensible Daten können zufällig oder absichtlich an Dritte gelangen. Das birgt ein gewisses Risiko. Also sollte jeder, der seine Arbeit nicht jedem preisgeben möchte, ein paar Sicherheitsvorkehrungen treffen. Zum Beispiel: nichts auf dem Schreibtisch liegen lassen, den PC nicht unbeaufsichtigt an lassen und nicht zu laut Telefonieren.

(keine Bewertung)  Artikel bewerten