Perfektionisten tun sich oft schwer im Leben. Sie wollen alles richtig machen – nein perfekt muss alles sein. Doch wenn Menschen versuchen, alles perfekt zu machen, kann gerade das ihnen einen Strich durch die Rechnung machen.
Eine kleine Geschichte soll dies verdeutlichen: Markus K. arbeitet seit mehreren Jahren in einem mittelständischen Unternehmen als Sachbearbeiter. Eigentlich wartet er seit einiger Zeit darauf, dass er endlich befördert wird. Als er eine interne Stellenausschreibung für die Position des Assistenten des Vertriebsleiters sieht, erkennt er darin seine Chance und macht sich gleich daran, eine Bewerbung zu schreiben.
Er überlegt sich alles ganz genau und erstellt ein Konzept, was er für die Bewerbung braucht und welche Ideen ihm dazu einfallen. Nach zwei Tagen steht das Konzept. Nun macht er sich daran, die Ideen umzusetzen. Zwei weitere Tage verstreichen und die Bewerbung ist fast fertig, bis auf das Anschreiben.
Markus weiß einfach nicht, was er schreiben könnte, damit seine Bewerbung auf jeden Fall gut ankommt und er die Stelle bekommt. Er denkt viel darüber nach und drei Tage später gibt er auf. Er denkt, dass wenn er es noch nicht einmal schafft, ein gutes Anschreiben zu verfassen, er auch nicht für die Stelle geeignet sei. Somit verharrt er weiter auf seinem Sachbearbeiterposten und sein Kollege, der gleich ohne Bewerbung das Gespräch mit dem Personalleiter aufsuchte, hat die Stelle bekommen.
Dieses Beispiel zeigt, dass Perfektionisten sich selbst behindern, da sie Angst davor haben zu versagen. Sie denken zu viel nach und sind pessimistisch, was dazu führt, dass sie sich selbst schlechter machen als sie es eigentlich sind.
Doch woher kommt das Streben nach Perfektion? Warum setzen sich manche Menschen nicht nur im Beruf, sondern auch im Privatleben unter Druck? Die Ursachen sind vielfältig. Die Sehnsucht nach Anerkennung spielt dabei eine wichtige Rolle. Beim Versuch anderen zu gefallen, lassen wir ein Fremdbild von uns entstehen, das nicht der Realität entspricht und mit dem wahren Ich nicht übereinstimmt. Das setzt uns dann unter Druck.
Der Psychologe und Arbeitswissenschaftler Meredith Belbin meint, dass wir nicht als Perfektionisten geboren werden, sondern erst die individuelle Lebenserfahrung uns lehrt, wie viel wir von uns selbst erwarten: Wie gut muss meine Leistung sein, um die gewünschte, für meine Psyche sogar notwendige, Anerkennung zu erreichen? Anerkennung verschafft uns einen Platz in der Gesellschaft. Zum Beispiel im Verein, im Bekanntenkreis oder im Unternehmen. Bei Perfektionisten ist der Wunsch sehr groß die Bedürfnisse nach Anerkennung erfüllt zu bekommen. Er will geschätzt, bewundert, beneidet und geliebt werden.
Eine weitere Ursache ist mangelndes Selbstbewusstsein. Laut Astrid Schütz, Psychologieprofessorin an der TU Chemnitz haben Menschen, die Schwächen eher bei anderen als sich selbst sehen, ein unterentwickeltes, aber nach außen gekehrtes Selbstbewusstsein:
„Diese Leute wähnen sich ihrer Umgebung überlegen und beziehen ihr Selbstbewusstsein aus der Abwertung anderer.“
Dieses Verhalten hat zur Folge, dass sie bei ihren Mitmenschen nicht gerade beliebt sind.
Ein weiterer Grund für perfektionistische Verhaltensweisen ist, gerade in wirtschaftlich schlechteren Zeiten, die Angst davor zu versagen. Wir glauben, wenn wir alles perfekt machen, behalten wir unseren Job oder werden sogar befördert. Fehler passen da nicht rein und werden nicht zugelassen. Die Erwartungen steigen: mehr Leistung in noch besserer Qualität.
Kritikfähig und produktiv? Nicht beim Perfektionismus
Ein zentrales Problem bei perfektionistischen Menschen ist, dass sie nicht kritikfähig sind. Und das, obwohl sie nur zu gerne andere kritisieren. Dies tun sie nicht böswillig, sondern ganz im Gegenteil: Sie möchten die Welt ein klein wenig verbessern und andere darauf aufmerksam machen, wenn diese etwas nicht ganz korrekt machen. Perfektionisten können aber schlecht damit umgehen, wenn sie selbst von anderen kritisiert werden.
Sie haben Angst davor, Fehler zu machen und es ist sehr schlimm für sie, wenn ihnen ein Fauxpas passiert und sie dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Doch gerade, wenn ein Perfektionist einen Fehler macht, fällt das anderen auf. Die weisen unverzüglich – in bester Absicht – auf den Fehler hin. Das bedeutet aber für den Perfektionisten Gesichtsverlust.
Ein weiteres Problem, warum Perfektionismus nicht erstrebenswert ist, ist die unproduktive Vorgehensweise. Der Irrtum vieler Perfektionisten lautet: Je mehr Aufwand, desto mehr Produktivität. Dies ist jedoch nicht der Fall. Auf Dauer erbrachte Höchstleistungen führen zu Stress, Hektik und Unachtsamkeit. So passieren erst recht Fehler. Perfektionisten sollten sich stattdessen sagen: „In der Ruhe liegt die Kraft“. Das ist produktiver, da Fehler seltener entstehen und dies schont zudem noch die Gesundheit.
Des Weiteren sind Perfektionisten zu sehr ins Detail vertieft und halten sich dadurch an Unwichtigkeiten auf. Das Ergebnis wird dadurch nicht zwingend besser – aber der Zeiteinsatz ist um ein Vielfaches höher.

Mit Nachdenken lösen wir keine Probleme
Perfektionisten können stundenlang über ein und dieselbe Sache oder ein bestimmtes Problem grübeln. In ihren Gedanken wälzen sie es immer und immer wieder. Genauso machen sie sich ständig um irgendetwas oder irgendjemanden Sorgen.
Es ist ja nicht immer zu vermeiden, dass man grübelt und besorgt ist, aber wenn man die ganze Zeit unproduktiv nachdenkt, drehen sich die Gedanken ziellos im Kreis. Ein Rat von Experten: Wir sollten die Gedankenflut durchbrechen, bevor wir darin untergehen! Wir müssen versuchen, auf Gedanken konkrete Handlungen folgen zu lassen. Und wenn wir nichts an der Situation ändern können, sollten wir umgehend das Nachdenken unterbrechen, da es ja sowieso nichts bringt. Positiv denken heißt die Devise.
Dies ist leichter gesagt, als getan. Denn: Perfektionisten wünschen sich, das Leben und die Welt im Griff zu haben. Dazu müssen sie so sehr über jedes Problem grübeln und alle Aspekte betrachten, dass das Problem immer problematischer wird und sie den Überblick verlieren. Von Kontrolle sind sie weit entfernt und das macht sie noch besorgter. Ein Tipp für Perfektionisten: Machen Sie eine Pause und denken sie zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal darüber nach. Das unterbricht die Gedanken, die sich schon verselbstständigt haben, und hilft dabei, anders über die Sache zu denken und dadurch zu neuen Lösungen zu gelangen.
Perfektionisten neigen auch oft dazu übertrieben pessimistisch zu denken. Es gibt für sie keine kleinen Probleme, sondern es sind gleich Katastrophen. Sie verfallen in Schwarz-Weiß-Denken, was auch dazu führen kann, dass sie nicht mehr in der Lage sind, das Problem realistisch zu betrachten. Mit der Lösung sind sie überfordert.
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