Neue Führungskräfte Was in den ersten 100 Tagen wichtig ist

07.12.2012 – In den ersten 100 Tagen als Führungskraft können ein Einarbeitungs- und Reviewplan Orientierung geben und als persönlicher Benchmark dienen.

Führungskräfte stehen immer im Spannungsfeld verschiedener Erwartungen seitens der Mitarbeiter, ihrer Vorgesetzten, der Geschäftsleitung, Kollegen und Kunden. Problematisch sind vor allem die ersten 100 Tage im neuen Job. Um nicht vorzeitig zu scheitern, sollten diese Zeitspanne strukturiert angegangen und das eigene Handeln und die selbst gesteckten Ziele ständig kritisch hinterfragt werden. Ein professioneller Einarbeitungs- und Reviewplan ist dabei nicht nur für die neue Führungskraft hilfreich, sondern kann auch von Vorgesetzten oder Mentoren als Coaching-Guide genutzt werden, um potenzielle Führungskandidaten auf ihre neue Aufgabe vorzubereiten und das Risiko des Scheiterns zu minimieren. Die ersten 100 Tage lassen sich in folgende Phasen gliedern:

Erste Schritte in der Startphase

In der Startphase geht es um die ersten unmittelbaren Schritte im neuen Job. Dazu gehören der erste Kontakt mit den Mitarbeitern ebenso wie Einzelgespräche und Start-Workshops, die Integration in den Führungskreis und der Aufbau des internen Netzwerks. Besondere Bedeutung kommt in dieser Phase der Antrittsrede zu, die den Mitarbeitern zur Orientierung dient. Darin sollte die Führungskraft folgende Fragen beantworten:

  • Warum hat sie diese Führungsposition übernommen?
  • Was findet sie an dieser Position spannend und herausfordernd?
  • Was erwartet sie von den Mitarbeitern?
  • Wie beschreibt sie ihren eigenen Führungsstil?
  • Was können die Mitarbeiter von ihr erwarten?
  • Was versteht sie unter Eigenverantwortung?
  • Auf welche Art möchte sie Vereinbarungen treffen?
  • Wie wird sie Entscheidungen treffen?
  • Welche Hilfe und Unterstützung wünscht sie sich von den Mitarbeitern?
  • Welche Hilfe und Unterstützung können die Mitarbeiter von ihr erwarten?

Bestimmung und Umsetzung der Ziele

In der zweiten Phase werden die Ziele bestimmt, sowohl die persönlichen als auch diejenigen, die die Abteilung und die Mitarbeiter in zeitlicher, qualitativer und quantitativer Hinsicht betreffen. Dabei sollte sich die Führungskraft auf das Wesentliche fokussieren und die Ziele zwar anspruchsvoll, aber realistisch sowie konkret und messbar definieren.

In der dritten Phase werden die Ziele schrittweise umgesetzt. Hierbei sollte besonderes Augenmerk auf folgende Dinge gelegt werden:

  • Die Wahl des richtigen Zeitpunkts
  • Die Zielgruppe beziehungsweise Zielpersonen angemessen informieren und einbinden
  • Zeit und Ressourcen realistisch planen
  • Keine voreiligen Versprechungen machen und für Anpassungen offen bleiben
  • Autoritäres Gehabe vermeiden und Widerstand positiv nutzen
  • „Quick Wins“ erkennen und umsetzen

Selbstkritische Reflexion

Die vierte Phase steht ganz im Zeichen des Reviews und schließt die ersten 100 Tage ab. Dabei geht es um das selbstkritische Auseinandersetzen und die Beantwortung folgender Fragen, die auch für die nächsten 100 Tage nicht aus den Augen verloren werden sollten:

  • War ich als Führungskraft erfolgreich hinsichtlich meiner Team- und Mitarbeiterführung, meiner Zusammenarbeit mit den Vorgesetzten oder im Aufbau meines internen und externen Netzwerks?
  • Stimmt meine Work-Life-Balance noch?
  • Habe ich die Unternehmensziele im Auge behalten?
  • Wie war meine Arbeit mit den Kunden?
  • Habe ich Veränderungen rechtzeitig erkannt und sie auch positiv genutzt?
  • Habe ich den Arbeitsprozessen im Unternehmen genügend Aufmerksamkeit geschenkt?

Führung erfordert Flexibilität, ein ausgewogenes Maß an Eigenschaften wie Offenheit, Sachlichkeit, Emotionalität und ein berechenbares, konsequentes und authentisches Handeln. Das ist in einer neuen Umgebung oder auch in einer neuen Funktion nicht immer ganz einfach. Zumal oft auch vertraute Feedback-Instanzen fehlen. Umso hilfreicher ist deshalb ein Einarbeitungs- und Review-Fahrplan für die ersten 100 Tage, der der Führungskraft als Orientierungspunkt, aber auch als persönlicher Benchmark-Test dient, um die Untiefen und Klippen des neuen Jobs unbeschadet zu umschiffen.

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Über den Autor

Dr. Ralf Pollmann
Dr. Ralf Pollmann

Dr. Ralf Pollmann hat vor seiner Beratungstätigkeit mehrere Jahre für einen internationalen Chemiekonzern gearbeitet. Anschließend brachte er seine Erfahrungen in die Beratung mittelständischer Markenartikelhersteller ein und gelangte auf diesem Weg in die Geschäftsführung einer internationalen Beratungsgesellschaft. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der Strategieentwicklung und -umsetzung, der Geschäftsprozessoptimierung und der Durchführung von Personalentwicklungsprogrammen.

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