Job-Frustration Wie Sie die richtige Berufswahl treffen

Teil 2: Wie finde ich heraus, was ich (werden) will?

Es wird meist falsch an die Berufsfindung herangegangen. Dies beginnt schon früh. Schulabgänger, die nicht wissen, was sie werden sollen, überlegen sich:

  • Welche Berufe sind zukunftsfähig?
  • Wo werde ich gebraucht?
  • Mit welchem Beruf habe ich die besten Aufstiegschancen?
  • Wo ist die Bezahlung angemessen?
  • Was raten mir Eltern, Freunde, Lehrer und Berufsberater?

Danach treffen sie dann ihre Entscheidung. Zu oft die falsche. Die Berufsberaterin Uta Glaubitz schreibt dazu in ihrem Buch „Der Job, der zu mir passt“:

"Die meisten Menschen wissen nicht, wie man überhaupt nach dem richtigen Beruf suchen könnte. Sie hoffen, dass eine innere Stimme sich irgendwann meldet. Bis dahin machen sie das, was sich gerade anbietet, was die Eltern machen oder was die Agentur für Arbeit empfiehlt."

Wo bleibt die Frage nach den eigenen Interessen und Fähigkeiten – nach dem Talent? Außerdem kann man nicht immer sagen, welche Berufe in Zukunft noch gut laufen und zum anderen ist es besser, gegen den Strom zu schwimmen. Denn wenn jeder das Gleiche machen will, ist die Konkurrenz größer.

Hinweis

Berufsberater von der Arbeitsagentur empfehlen Schulabgängern oft nicht die Berufe, die für sie geeignet sind oder die sie gerne ausüben möchten, sondern neigen dazu, Berufe zu empfehlen, bei denen es zu diesem Zeitpunkt ausreichend Ausbildungsplätze gibt. Noch schlimmer: Sie raten den Berufssuchenden sogar von ihren Traumberufen ab, auch wenn dies ganz bodenständige Berufe sind wie Tierpflegerin oder Chemie-Laborant. Das führt dazu, dass jeder Ratsuchende den gleichen Beruf angeboten bekommt – von einer talentorientierten Berufsfindung keine Spur.

Besser wäre es, wenn die Berater den Berufseinsteigern eine realistische Einschätzung abgeben würden, aber immer mit dem Hinweis, dass es möglich ist, eine Stelle im gewünschten Ausbildungsberuf zu bekommen. Ein Versuch ist es wert, wenn es dann nicht klappt, kann man immer noch nach Alternativen suchen.

Individuelle Beratungen übernehmen zunehmend freie Berater - häufig Diplom-Pädagogen, Lehrer und andere Geisteswissenschaftler - die auf freiberuflicher Basis Berufsberatungen anbieten. Im Gegensatz zu den Vorschlägen, Moralisierungen und Abwertungen der Arbeitsagentur gehen sie auf die Neigungen, Wünsche und Fertigkeiten des Einzelnen ein. Diese Berater verfügen meist über einen Gesamtüberblick der Arbeitsmarktsituation und kennen nicht nur einen sehr eingeschränkten Teilbereich. Das befähigt sie, sinnvolle, praxiserprobte Tipps zum Quereinstieg in bestimmte Berufsfelder zu geben.

Lassen Sie sich auch nicht von den Medien daran hindern, ein Berufsziel zu verfolgen. Diese verkünden nämlich meistens nur negative Schlagzeilen über die Arbeitsmarktsituation. Doch ein paar schaffen es immer, trotzdem in dem gewünschten Beruf, Fuß zu fassen. Und wenn sich die Mehrheit von den negativen Meldungen daran hindern lässt, haben Sie noch bessere Chancen, einen Job in Ihrem Lieblingsberuf zu bekommen.

Aber zunächst müssen Sie herausfinden, welcher Beruf Ihnen Spaß machen könnte. Dazu sollten sich nicht nur Berufseinsteiger fragen:

  • Was kann ich, wo liegen meine Fähigkeiten?
  • Was will ich, wo liegen meine Interessen?
  • Welche Motivatoren habe ich?
  • Welcher Beruf passt zu mir und meiner Persönlichkeit?
Die richtige Berufswahl führt zu einem erfüllten Berufsleben.

Die Vorteile dieser individuellen Herangehensweise liegen klar auf der Hand: Sie können einen Beruf finden, bei dem Sie sich nicht jeden Tag dazu überwinden müssen, zur Arbeit zu gehen. Es fällt leichter sich für die Tätigkeit zu engagieren, weil Sie sich für sie wirklich interessieren. Die Arbeit ist dann nicht mehr Belastung, sondern Erfüllung.

Dies kann man auch oft an Selbstständigen beobachten. Eine Studie von Matthias Benz und Bruno S. Frey (Universität Zürich) zeigt etwa, dass in der Schweiz die Selbstständigen im Durchschnitt eine deutlich höhere Arbeitszufriedenheit als Angestellte angeben. Ähnliche Muster lassen sich auch in Deutschland oder den USA beobachten. Die Gründe dafür sind vor allem: die größere Autonomie sowie eine als interessanter empfundene Arbeit. Als Selbstständiger sucht man sich eben auch das aus, was einen interessiert und worin man gut ist.

Einen Haken hat die Berufsfindung nach den eigenen Interessen allerdings: Sie müssen über sich selbst nachdenken und dies fällt vielen schwer. Es gibt einige Kniffe, wie Sie trotzdem herausfinden, welcher Beruf zu Ihnen passt. Hier ein paar Tipps:

Welche Fähigkeiten habe ich? Denken Sie an Situationen, in denen Sie besonders zufrieden mit Ihrer Leistung waren. Und analysieren Sie, bei welchen Tätigkeiten Sie besser waren als der Durchschnitt. Dies kann Ihnen einen ersten Hinweis auf mögliche berufliche Tätigkeitsgebiete liefern.

Wo liegen meine Interessen? Auch bei dieser Frage sollten Sie an persönliche Erfahrungen denken. Diesmal aber an Situationen, in denen Sie außergewöhnliche Energie für eine Sache entwickelt haben. Aus diesem Fall heraus können Sie dann analysieren, was Sie anspornt und wo Ihre tatsächlichen Motivationen liegen.

Welcher Beruf passt zu meinen Fähigkeiten und meinen Interessen? Um dies herauszufinden, müssen Sie aus den Situationen, in denen Sie besonders gut und besonders engagiert waren, ein berufliches Tätigkeitsfeld ableiten.

Und noch besser ist es, wenn Sie aus einer Kombination mehrerer Fähigkeiten und Interessen das Tätigkeitsfeld entwickeln.

Dazu ein Beispiel:

Sabine arbeitet in einer Werbeagentur, aber nicht weil sie das wollte, sondern weil andere ihr das empfohlen haben. Sie sei so kreativ und das könne sie dort am besten ausleben. Stattdessen ist ihr Alltag aber von Routineaufgaben geprägt und sie kommt nur selten dazu ihre Kreativität einzusetzen. Kein Wunder, sie arbeitet ja auch in der Buchhaltung. Beim Einstellungstest war sie nämlich die Beste bei den mathematischen und betriebswirtschaftlichen Aufgaben.

In ihrer Freizeit ist Sabine gerne unterwegs, sie besucht Restaurants, Cafés, geht ins Kino und ins Museum. Ihr fällt auf, dass viele öffentliche Räume geschmacklos eingerichtet sind und sie viel bessere Ideen hätte sowohl für die Raumgestaltung als auch für Sonderaktionen.

Während ihres Studium hat sie oft als Kellnerin nebenbei gejobbt. Daher hat sie auch das Hintergrundwissen, wie es in der Gastronomie abläuft.

Eine Alternative für Sabine wäre also, sich als Unternehmensberaterin speziell für die Gastronomie selbstständig zu machen. Denn da kann sie ihre betriebswirtschaftlichen und kreativen Fähigkeiten einsetzen.

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