Die freien Stellen finden
Wenn in Krisenzeiten die Arbeitsplätze weniger werden, müssen sich Bewerber bei der Suche nach offenen Stellen besonders viel Mühe geben. Die Konkurrenz wird größer und die Personalchefs verwöhnter, weil sie eine größere Auswahl – auch gut qualifizierter Fachkräfte – haben. Es kommt nun darauf an, die Jobs zu finden, die zu Ihrem eigenen Profil so gut wie möglich passen. Und das ist keine leichte Aufgabe. Denn läuft es wirtschaftlich schlechter, steigt auch die Zahl der sogenannten verdeckten Stellen, weil auch Personaler nach mehr Sicherheit und Verlässlichkeit verlangen. Fast ein Drittel aller Neueinstellungen kam im Jahr 2008 über eigene Mitarbeiter und persönliche Kontakte zustande. Dies zeigt eine Befragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) unter 14.000 Betrieben.

Die verdeckten Stellen werden nicht nach außen kommuniziert, sondern unter der Hand vergeben. Wenn Sie also kein Vitamin B haben oder nicht zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sind, entgehen Ihnen einige Jobangebote. Sich telefonisch bei seinem Wunscharbeitgeber zu informieren, hilft, mehr über verdeckte freie Stellen zu erfahren. Mit ein bisschen Glück verraten die Personaler – sofern man sie erwischt – dass zum Beispiel über Neueinstellungen nachgedacht wird oder Initiativbewerbungen gern gesehen sind.
Mit Initiativbewerbungen können Sie schon, bevor ein konkreter Personalbedarf entsteht, auf sich aufmerksam machen und die Verantwortlichen von sich überzeugen. Denn Initiativbewerber haben weniger Konkurrenz und zeigen viel Engagement.
Ein großes gut funktionierendes Netzwerk ist auch viel Wert, um an verdeckte Stellen zu kommen. Mithilfe von Praktika können Sie Ihr Netzwerk ausbauen und in neuen Firmen Kontakte knüpfen und auch Ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Informieren Sie auch Freunde und Bekannte, dass Sie auf Jobsuche sind. Vielleicht haben sie einen Tipp, wo es freie Stellen gibt oder es entstehen darüber wichtige Kontakte. In sozialen Netzwerken im Internet wie XING sollten Sie sich auch beteiligen und versuchen Ihr Netzwerk zu vergrößern.
Bestimmte Branchen sind krisenfester als andere. Die heiß begehrten Berufsgruppen sind nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung folgende:
- Soziale Berufe;
- Ingenieurberufe;
- Berufe des Landverkehrs (zum Beispiel Lkw-Fahrzeugführer);
- Berufe in Unternehmensleitung, Bberatung und Wirtschaftsprüfung sowie
- Rechnungskaufleute und Informatiker.
Wenn diese Berufsgruppen überhaupt nicht zu Ihrer Ausbildung oder Interessen passen, dann kann Ihnen auch eine andere Strategie helfen, einen neuen Job zu finden. Sind Sie beispielsweise in einer Branche tätig, die gerade stark vom Stellenabbau betroffen ist, so besteht die Chance, dass diese Unternehmen in Zukunft unter Personalmangel leiden werden, weil sie während der Krise zu viele Mitarbeiter entlassen haben. Wenn die Wirtschaft wieder mehr Aufschwung bekommt, fehlen ihnen dann gut qualifizierte Fachkräfte. Und dann kommen Sie ins Spiel: Wenn Sie genau hinschauen und das passende Profil aufweisen, finden Sie auch in den Branchen wieder einen Arbeitsplatz, über die momentan in den Medien nur von Stellenabbau die Rede ist. Dafür benötigen Sie allerdings noch ein wenig Geduld, bis wieder Bedarf bei den Unternehmen vorhanden ist. In dieser Zeit sollten Sie sich weiterbilden, damit Sie als hoch qualifizierter Spezialist wieder einsteigen können.
Tipp: Bewerben Sie sich auch in kleinen und mittelständischen Unternehmen, die vielleicht nicht so bekannt sind. Vorteile:
- dort gibt es viele Jobs,
- die Konkurrenz ist kleiner und
- die Aufstiegschancen sind besser.
Auf Messen Kontakte knüpfen
Jobmessen zu besuchen mit dem Ziel, gleich eine neue Stelle zu finden, ist in Krisenzeiten recht aussichtslos. Aber um Kontakte zu möglichen Arbeitgebern herzustellen, ist ein (Fach-) Messebesuch ideal. Sie sollten sich auf ihn genauso vorbereiten wie auf ein Bewerbungsgespräch, also klären Sie:
- Was kann ich?
- Was will ich?
- Welche für mich interessanten Aussteller gibt es?
- Welche Stellen könnten diese zu bieten haben?
Informationen über die Aussteller erhalten Sie in Ausstellerlisten der Messeveranstalter und auf den jeweiligen Webseiten der Unternehmen. Suchen Sie nach Gesprächsthemen, die Sie auf der Messe anbringen können. Und eine Liste mit Fragen, zum Beispiel über Berufsbilder, die Branche oder wichtige Ansprechpartner, wird von den meisten Unternehmen durchaus positiv bewertet. Damit Sie für alles gewappnet sind, können Sie auch ein bis zwei Bewerbungsmappen und Visitenkarten – sofern Sie welche haben – mitnehmen.
Mit der Bewerbung auffallen
In Zeiten der Krise erhalten vor allem die beliebten Unternehmen noch mehr Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen und auch mehr Initiativbewerbungen. Deshalb sollte Ihre Bewerbung (positiv) auffallen.
Viele Wege führen zum Arbeitgeber. Suchen Sie sich den heraus, den der Arbeitgeber gerne hätte. Falls in der Stellenanzeige nicht erwähnt wird, ob die Bewerbung per Post oder E-Mail erwünscht ist, können Sie selbst wählen. Es gelten jedoch für beide Wege die gleichen Vorschriften: ordentlich und ohne Fehler! Sie sollen zwar auffallen, aber nicht aufgrund einer schnuddeligen Bewerbung.
Wenn Sie eine ausgefallene Bewerbung verschicken möchten, kommt es auf die Branche und das Berufsfeld an, wie kreativ Sie sein dürfen.
In Online-Formularbewerbungen haben Sie so gut wie keine gestalterischen Freiheiten. Die einzige Chance ist hier, mit gutem Inhalt und fehlerlosen Angaben zu überzeugen.
Hinweis
Podcast: Sascha Theisen, Bewerbungsexperte von StepStone, gibt im Interview Tipps zu Online-Bewerbungen. Hören Sie doch einmal rein:
- Teil 1: Stellensuche: Auch in schwierigen Zeiten einen Job finden
- Teil 2: Herausforderung: Freie Stellen finden und mit dem potenziellen Arbeitgeber in Kontakt kommen
- Teil 3: Hoffnung: Trotz schwieriger Lage nicht entmutigen lassen
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