Laut einer Umfrage des Weiterbildungsportals managerSeminar.de bestätigen 60 Prozent, dass Perfektionismus karriereschädlich sein kann, weil Perfektionisten in ihrem Bestreben, alles 110-prozentig zu erledigen, sich oft verzetteln.
Dazu kommt: Sie sind von sich und ihren Fähigkeiten überzeugt. Sie konzentrieren sich immer nur auf das, was sie nicht können, anstatt auf das, was sie können und wie gut sie dabei sind. Sie suchen ihre eigenen Fehler und finden auch immer etwas, das nicht perfekt ist. Nach außen gibt dies kein gutes Bild ab. Denn: Wer nicht selbst von seinen Fähigkeiten überzeugt ist, dem trauen auch andere nichts zu.
Vorgesetzte erhalten ein negatives Bild von Mitarbeitern, die perfekt sein wollen, weil
- die Mitarbeiter denken, mehr Arbeiten bedeutet mehr Produktivität; daraus resultieren Fehler, die negativ auffallen;
- sie nicht mit Kritik umgehen können und nicht gerne Fehler zugeben;
- sie andere Kollegen mit ihrer Detailgenauigkeit nerven und
- sie oft andere kritisieren.
Da ist es kein Wunder, dass Perfektionisten selten befördert werden, geschweige denn eine Führungsposition einnehmen.
Umfrageergebnis: Warum kann Perfektionismus hinderlich für die Karriere sein?
Auch für Unternehmen sind Perfektionisten von Nachteil
Für Unternehmen bedeuten Perfektionisten höhere Kosten. Eine Produktivitätsstudie der Unternehmensberatung Proudfoot-Consulting zeigt, dass übermäßiger Arbeitseifer alles andere ist als produktiv: Allein in Deutschland werden durchschnittlich 26 Arbeitstage pro Jahr und Mitarbeiter verschwendet, vor allem durch unnötige Wartezeiten und Doppelarbeit. Das kostet deutsche Unternehmen 135 Milliarden Euro im Jahr, weil die Mitarbeiter überflüssige oder sogar falsche Dinge tun.
Führungskräfte sollten dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter nicht zu perfektionistisch beim Ausführen ihrer Arbeit sind. Sie sind dafür verantwortlich, dass die Arbeitsorganisation und die Arbeitsabläufe Ihrer Mitarbeiter so geregelt sind, dass Perfektionisten keine Chance mehr haben und ihr Streben nach Vollkommenheit unterbrochen wird. Dies erreicht man zum Beispiel durch klare Termingrenzen.
Bekämpfung des Perfektionismus oder: Wie verhalten sich Anti-Perfektionisten?
Es ist also von Vorteil, nicht immer alles perfekt haben zu wollen. Doch wie schaffen es manche Menschen, aus der Perfektionismus-Falle heraus zu kommen oder erst gar nicht hinein zu tappen? Sie machen sich klar, dass nicht perfekt zu sein, keine Schande ist. Simone Janson schreibt dazu in ihrem Buch „Die 110%-Lüge“ Folgendes:
„Wenn Sie etwas nicht perfekt erledigen, bedeutet das nicht gleich, dass Sie es fehlerhaft oder schlampig ausführen. Auf das richtige Maß kommt es an.“
Betrachten wir Menschen, die nicht dem Perfektionismus verfallen sind: Sie haben ein realistisches Bild von sich selbst und kommen besser mit Niederlagen klar. Anti-Perfektionisten sagen sich beispielsweise:
- „Wenn es um Kleinigkeiten geht, sind Fehler nicht so schlimm. Jeder Mensch macht Fehler. An Aufgaben werde ich wachsen, aus Fehlern kann ich lernen.“
- „Ich kann Hilfe annehmen. Andere wären auch über meine Hilfe froh.“
- „Es ist wichtig, das Ziel im Auge zu behalten, denn entscheidend ist doch, was am Ende dabei herauskommt.“
- „Auch wenn ich ein Ziel nicht 100prozentig erreiche, freu ich mich über 90 Prozent und bin zufrieden.“
Wenn wir unseren Perfektionismus also abstellen möchten, sollten wir gelassener werden und uns damit abfinden, dass nicht immer alles rund läuft. Fehler sollten wir nicht versuchen zu vermeiden, sondern diese einfach passieren lassen und daraus lernen.
Auch einige Unternehmen fangen an, das zu erkennen und konsequent Schlüsse daraus zu ziehen. Der Arzneimittelkonzern Schwarz Pharma beispielsweise steht zu seinen Fehlern und lernt daraus. In diesem Unternehmen werden in sogenannten "Lesson Learned Meetings" Pannen und Fehler kritisch analysiert und Problemlösungen erarbeitet.
Fehler und Irrtümer kann man auch positiv betrachten: Sie sind Quelle und Motor des Fortschritts. Wer nur versucht, Fehler mit aller Kraft zu vermeiden, wagt am Ende nichts mehr und ist weder kreativ noch innovativ.
Dies gilt auch für die Karriere. Wie das Beispiel vom Anfang zeigt, hätte Markus K. einfach Fehler riskieren sollen, dann hätte er gute Chancen auf den Job gehabt. Und wer sich in dieser Hinsicht nicht ändert, wird bei jeder Situation so reagieren. Der Wunsch, Fehler zu vermeiden führt somit letztendlich dazu, gar nichts mehr zu tun. Ganz nach dem Motto: „Wer nichts tut, dem können auch keine Fehler passieren.“ Aber diese Einstellung ist wahrscheinlich der größte Fehler, den Perfektionisten machen können.
Buchtipp
Weitere Tipps, wie Sie gegen Perfektionismus vorgehen können, erhalten Sie in dem Buch von Simone Janson: Die 110%-Lüge
Quellen und weiterführende Links
Simone Janson: Warum Perfektionisten für Unternehmen teuer sind
Aus Fehlern lernen und erfolgreicher sein
In 7 Schritten aus der Perfektionismus-Falle
[po; Bilder: fotopro und Israfil Sen - Fotolia.com]
Das gesamte Dossier hier als PDF-Datei zum Herunterladen und Ausdrucken:
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