Ulich, EberhardArbeitspsychologie

Die Arbeit darf nicht nur auf die unternehmerischen Ziele ausgerichtet werden, sondern muss auch die Bedürfnisse des Menschen berücksichtigen. Sie muss Rücksicht nehmen auf seine physiologischen und psychologischen Anforderungen und muss die Gelegenheit zur Persönlicheitsentwicklung geben. Wie das funktionieren kann, dafür stellt der renommierte Arbeitspsychologe Eberhard Ulich zahlreiche Modelle, Konzepte, Methoden und Werkzeuge sowie viele Praxisbeispiele vor.

Stuttgart: Schäffer-Poeschel, 2011, 7. Auflage
ISBN-10: 3728133701
ISBN-13: 9783728133700
Rezensiert von: Redaktion business-wissen.de

 mit 4 von 5 Punkten bewertet

Der Autor, Eberhard Ulich, ist einer der prominentesten und renommiertesten Arbeitswissenschaftler, der in diesem Buch einen fundierten Überblick und Einblick gibt, was den Menschen als arbeitendes Wesen kennzeichnet. Dieses Lehrbuch und Nachschlagewerk ist Grundlagenwerk für alle, die sich mit Arbeitswissenschaften, Arbeitsgestaltung, Personalentwicklung und Organisationsentwicklung befassen.

Ulich greift die seiner Meinung nach wichtigsten Themen- und Gestaltungsfelder der Arbeitspsychologie vor und macht dabei vor allem Zusammenhänge sichtbar. Im ersten Kapitel stellt er einige wegweisende und wegbereitende Konzepte und Positionen aus der Geschichte der Arbeitspsychologie und der Arbeitswissenschaft vor. Das sind unter anderem:

  • der Taylorismus
  • das Modell von Lewin
  • die Hawthorne-Studien
  • das Paradigma „Humanisierung der Arbeit“
  • Motivationskonzepte nach Maslow, Erzberg und Argyris

In den folgenden Kapiteln erläutert Ulich unterschiedliche Modelle, Methoden und Werkzeuge für die Analyse, Bewertung und Gestaltung von Arbeitstätigkeiten und Arbeitssystemen. Ausgangspunkt ist dabei immer die Aufgabe, die ein Mensch in seiner Rolle als Mitarbeiter einer Organisation (bei Ulich meist eines produzierenden Unternehmens) erfüllen muss. Sie ist ein wesentlicher Schlüsselbegriff. Deshalb geht es ihm bei der Gestaltung vor allem um Aufgabenorientierung, Aufgabenerweiterung und um vollständige Aufgaben bei der Arbeitsgestaltung. Das gilt für Einzelarbeit, aber auch für Arbeitsgruppen und Gruppenarbeit, denen sich Ulich ausführlich widmet. Am Ende steht die Erkenntnis: Es gibt mehrere Möglichkeiten, Arbeit richtig zu gestalten (Kontigenzmodell).

Um zu erkennen, welche Möglichkeiten sich bieten, müssen die Arbeitssituation und das Umfeld analysiert und bewertet werden. Die Werkzeuge dafür können sein:

  • Mensch-Technik-Organisations-Analyse (MTO-Analyse)
  • Job Diagnostic Survey
  • subjektive Arbeitsanalyse (SAA)
  • Verfahren zur Ermittlung von Regulationserfordernissen in der Arbeitstätigkeit (VERA)
  • Analyse von Arbeitsbelastungen als Folge von Regulationsbehinderungen (RHIA)
  • Instrument zur stressbezogenen Arbeitsanalyse (ISTA)
  • Tätigkeitsbewertungssystem (TBS)

Die weiteren Aspekte, die Ulich in jeweils eigenen Kapiteln behandelt, zeigen, was das Erleben und das Handeln des Menschen bei der Arbeit besonders beeinflusst. Das sind insbesondere:

  • der Einsatz neuer Technologien, weil oft die Technologie gestaltet und eingeführt wird, die Arbeitsgestaltung dabei aber nicht mitkommt und zuwenig berücksichtigt wird,
  • die Veränderungsbereitschaft und die damit verbundene Qualifizierung,
  • Rand- und Rahmenbedingungen wie die Größe eines Arbeitsbereichs, die Entlohnung oder die Zeitsouveränität.

Ulich beschreibt in einem weiteren Kapitel, wie alle diese Faktoren die Menschen bei der Arbeit beanspruchen und belasten. Mit Folgen wie Monotonie, Ermüdung oder Stress. Das hat Folgen für die Arbeitstätigkeit und die Persönlichkeitsentwicklung sowie auf die Freizeit und die betriebliche Gesundheitsförderung.

All das beschreibt, erläutert, strukturiert und illustriert Ulich anhand unterschiedlicher Modelle und Konzepte aus seinem Fachbereich. Er führt Studien an, gibt Beispiele und kommentiert diese vor dem Hintergrund seiner Grundhaltung: die Schaffung persönlichkeitsfördernder Arbeitsstrukturen. Die im letzten Kapitel aufgeführten Forschungsprojekte und deren Erkenntnisse und Ergebnisse machen sichtbar, was dafür Problemlagen und Lösungswege sein können. Schließlich entwirft Ulich auch ein Bild von der Zukunft der Arbeit.

Die Qualität und Reife dieses Lehrbuchs wird auch durch zwanzig Jahre Editionsgeschichte (von der ersten bis zur aktuellen siebten Auflage) sichtbar. Es ist zwar nicht so systematisch, wie man es von einem Lehrbuch erwarten könnte; dafür ist das Themenfeld zu vielgestaltig und komplex. Aber es wirft das Licht auf viele interessante, praxisrelevante und manchmal drängende Fragen, die sich viele Menschen im Arbeitsleben stellen.


Das könnte Sie auch interessieren

Cicero, Antonia; Hermann, Ursula; Traunsteiner, Bärbel; Burkhart, Gabriella; Füll, MartinTraining, Beratung und Workshops mit Feuer und Flamme Kochen im Team

„Der Mensch ist, was er isst.“ Frei nach diesem Motto wollen die Autoren dieses Buches das gemeinsame Kochen und Essen als Methode der Personal- und Organisationsentwicklung vorstellen. Das ist originell. Gleichwohl bleibt unklar, welche Erkenntnisse und Einsichten sich beim Trainer und bei Seminarteilnehmern durch die vielen beschriebenen Übungen einstellen sollen. Wer grundsätzlich auf erlebnispädagogische Seminare setzt und im Kochen versiert ist, der findet hier einige Anregungen. weiterlesen »

Löhken, SylviaLeise Menschen - starke Wirkung Wie Sie Präsenz zeigen und Gehör finden

Jetzt gibt es ein Buch über die Stillen im Lande und über deren Stärken. Und darüber, wie sie diese Stärken einsetzen können. Vorbilder gibt es genug. Barack Obama zum Beispiel. Oder Angela Merkel. weiterlesen »

Warr, Peter; Clapperton, GuyRichtig motiviert mehr leisten Konzepte und Instrumente zur Steigerung der Arbeitszufriedenheit

Die meisten Menschen verbringen am Arbeitsplatz viel Lebenszeit. Wer dort glücklich ist, fühlt sich nicht nur persönlich wohl und gesund, sondern leistet für sein Unternehmen auch bessere Arbeit. Doch wenige Arbeitgeber kümmern sich um das Glück ihrer Mitarbeiter. Dabei gibt es einfache Methoden und Werkzeuge, um genau das zu fördern. Der Autor gibt dafür viele Anregungen. weiterlesen »