Viele kennen es aus eigener Erfahrung: Wir rechnen und begründen mit ausgeklügelten Methoden eine Entscheidung und treffen diese am Ende doch aus dem Bauch heraus. Die Intuition ist kein schlechter Ratgeber, ist die zentrale Aussage von Gerd Gigerenzer in diesem Buch. Sehr oft erzielen wir damit die besseren Ergebnisse. Der Direktor am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung hat über viele Jahre Fakten, Studien und Ergebnisse von Laborexperimenten zusammengetragen und immer wieder festgestellt: Intuitive Entscheidungen sind den sogenannten rationalen in vielen Fällen überlegen.
Gigerenzer hat in seinen Analysen herausgefunden, auf welchen kognitiven, evolutionären und sozialen Faktoren diese Fähigkeit treffender Bauchentscheidungen beruht und unter welchen Bedingungen das funktioniert. Seine zentrale Erkenntnis ist. Der Mensch entscheidet unbewusst auf der Grundlage einfacher Regeln, die sich im ständigen Austausch mit der Umwelt gebildet haben. Im Laufe der Evolution gelang es so, komplexe Entscheidungen in kürzester Zeit treffen zu können.
Der wesentliche Trick besteht darin, dass wir zunächst nur eine einfache, oft unbewusste Faustregel anwenden, um eine Entscheidung zu treffen. Wenn sie bereits eine klare Lösung ergibt, wird nicht mehr weitergesucht. Nur wenn sich damit keine eindeutige Präferenz feststellen lässt, wird eine weitere Faustregeln herangezogen. Spätestens nach drei bis vier Schritten lässt sich so die beste Lösung finden ohne großen Aufwand, ohne komplexe Algorithmen, aber mit guten Ergebnissen.
Bauchgefühle, Intuitionen oder Ahnungen sind gekennzeichnet dadurch, dass:
- sie rasch im Bewusstsein auftauchen,
- uns die tieferen Gründe nicht ganz bewusst sind und
- sie stark genug sind, um danach zu handeln.
Der Autor erzählt anregend und anhand von vielen Beispielen, wie er zu seiner Einsicht kommt, welche wissenschaftlichen Belege es dafür gibt und wie sich das alles logisch begründen lässt. Das liest sich spannend, denn immer wieder gibt es Aha-Erlebnisse. Und ungewohnte Sichtweisen helfen beim Aufbrechen der eigenen Denkschemata. Dabei macht Gigerenzer auch deutlich, dass man mit Bauchentscheidungen nicht immer richtig liegt. Es müssen bestimmte Bedingungen vorliegen eine Art persönliche, soziale oder evolutionäre Vorerfahrung. Außerdem wichtig: Es sollte nicht zu viele Lösungsalternativen geben.
Die Folgen zeigen sich in vielen Bereichen: Menschen lösen so Quiz-Aufgaben, treffen damit aber auch zahlreiche Kaufentscheidungen. Letztlich basiert das Phänomen der Marke auf diesem Verhalten. Sie erklären die Problematik der Produktvielfalt im Einzelhandel oder den Verlauf der Börsenkurse. Nicht zuletzt machen sie deutlich, wie in Unternehmen viele Entscheidungen von Führungskräften gefällt werden.
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