Nur 10 Prozent des beruflichen Erfolgs hängen von der Fachkompetenz ab, behaupten die beiden FH-Professoren Jürgen Lürssen und Marc Opresnik in diesem Buch. Was für die Karriere viel entscheidender ist, darüber schreiben sie in diesem Buch. Dass bei der Übertragung von wichtigen Aufgaben, mehr Verantwortung und bei Beförderungen nicht nur die Fachkompetenz beurteilt wird, sollte zunächst froh stimmen. Denn schließlich sind gerade für Führungspositionen auch soziale Kompetenzen, emotionale Intelligenz und charakterliche Merkmale wichtig.
Ein gutes Verhältnis zu Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern muss nicht gleichbedeutend sein mit „Schleimerei“. Es ist Grundlage für eine angenehme und effektive Zusammenarbeit. Insofern dramatisieren die Autoren in ihrem Buch einige selbstverständliche Sachverhalte im Büroleben – wahrscheinlich mit dem Ziel, ihr Buch ein wenig reißerischer daherkommen zu lassen und die Verkaufszahlen anzukurbeln.
Wie auch immer: Unbedarfte Mitarbeiter, die glauben, sie müssten nur ihre Aufgaben ordentlich erledigen und würden dafür schon den rechten Lohn und Anerkennung erhalten, lernen aus diesem Buch, was sie außerdem – noch viel mehr! – beachten und beherrschen sollten. Denn Erfolg basiert darauf, dass ein Mitarbeiter seine eigenen Ziele verfolgen kann und andere dazu bringt, dass diese ihn dabei unterstützen. Es geht im Beruf also vor allem darum, die eigenen Interessen zu verfolgen und Ziele zu erreichen. Diese können durchaus mit den Unternehmenszielen und den Zielen der Kollegen in Einklang stehen, müssen es aber nicht. Dann braucht man Macht und Einfluss. Und wie man beides gewinnt, erläutern die Autoren in ihrem Buch. Dazu gehören:
- politisches Denken und Handeln, also ein Verständnis dafür haben, dass es in Unternehmen immer auch um zwischenmenschliche Beziehungen, um Macht, egoistische Interessen, Abhängigkeiten und die damit verbundenen Verhaltensweisen geht;
- ein gutes Verhältnis zum Chef;
- Beziehungspflege mit Kollegen aus anderen Abteilungen und Meinungsmachern unter den Mitarbeitern;
- der angemessene Umgang mit vertraulichen Informationen (Wissen ist Macht!);
- das Top-Management auf sich aufmerksam machen.
Darüber schreiben die Autoren ausführlich in den ersten Kapiteln. Sie zeigen auf, worauf man als Mitarbeiter mit Karriereplänen achten sollte, welche Verhaltensweisen man sich aneignen sollte und wie man geschickt vorgeht. Der Leser erhält einige Tipps und praktischen Rat. Inwiefern dies auf seine Situation passt, das muss er selbst herausfinden und entsprechend agieren.
In den nächsten Kapiteln geht es den Autoren darum, vor definitiv falschen Verhaltensweisen zu warnen, Intrigen anderer abzuwehren, im Gespräch überzeugend zu sein, gute Führungseigenschaften zu beweisen und sich selbst richtig zu vermarkten. Insbesondere warnen Lürssen und Opresnik davor:
- keine Illoyalität gegenüber Vorgesetzten und Firma
- keine Kritik gegenüber dem Lieblingsprojekt des Vorstands
- von üblichen Gepflogenheiten nicht zu sehr abweichen
- sich nicht ständig als Kleinkrämer, Meckerer oder Bedenkenträger aufführen
Viele Beispiele illustrieren die Ausführungen der Autoren. Wichtige Hinweise und Tipps sind besonders hervorgehoben. Grafiken bringen Systematik in die Zusammenhänge. Aber allzu oft fehlt es an einem konkreten „Wie“. So ist das Buch nur ein allgemeiner Ratgeber für alle, die das Gefühl haben, dass sie sich in ihrem Unternehmen nicht so richtig durchsetzen und mit ihrer Karriere nicht voran kommen. Was die Autoren dabei vorschlagen, ist aber nicht unbedingt besonders geheim oder heimlich; das meiste findet sich in jedem anderen Karriereratgeber auch.
Ob das alles so in den Unternehmen auftritt, wie die Autoren es schildern, sollte der Leser genau hinterfragen. Denn mit zu viel Warnung und mikropolitischen Handlungsanweisungen lässt sich auch vieles Einreden, was so gar nicht der Fall ist. Insofern ist das Buch eine zweischneidige Angelegenheit; ist es doch genauso ein Ratgeber für alle, die ihrer Karriere mit zwielichtigen Mitteln nachhelfen wollen – auch wenn die Autoren genau das in ihrer Einleitung von sich weisen.
