Scott-Morgan, PeterDie heimlichen Spielregeln Die Macht der ungeschriebenen Gesetze im Unternehmen

In jedem Unternehmen gibt es Kräfte, die bestimmen, was eigentlich abläuft. Wer Veränderungen gegen diese Kräfte durchsetzen will, wird scheitern. Denn die Mitarbeiter haben ein großes Repertoire an Gegenmaßnahmen – bewusst oder unbewusst. Wer die heimlichen Spielregeln aufdeckt und erkennt, kann sie für sich nutzen. Der Autor zeigt, wie das gehen kann.

Frankfurt: Campus Verlag, 2008, 276 Seiten
ISBN-10: 359338633X
ISBN-13: 9783593386331
Rezensiert von: Redaktion business-wissen.de

 mit 5 von 5 Punkten bewertet

Schlagwort: Change Management

Stellenbeschreibung, Arbeitsanweisung, Prozessbeschreibungen – hier steht, wie das Unternehmen funktioniert und was die Mitarbeiter tun sollen. Doch das stimmt gar nicht, behauptete der Unternehmensberater Peter Scott-Morgan schon vor vielen Jahren in seinem Bestseller „The Unwritten Rules of the Game“. Der wurde jetzt vom Campus-Verlag neu aufgelegt. Denn die eigentlichen Regeln, die bestimmen, was im Unternehmen abläuft und wie die Mitarbeiter agieren, sind ganz andere – und heute noch immer gültig.

Das Kernproblem der meisten Unternehmen ist: Immer wieder werden großspurig Programme zur Leistungssteigerung und zur Reorganisation angekündigt, der Vorstand propagiert Innovation und Kundenorientierung. Aber die Ergebnisse sind enttäuschend, die Verantwortlichen frustriert.

Ein Grund dafür ist, dass die Verantwortlichen die geheimen Spielregeln nicht beachten. Sie stellen sich eine Unternehmenswelt vor, die ihren Idealen entspricht und die sie mit den Werkzeugen gestalten können, die sie gelernt haben. Und das ist falsch, schreibt Scot-Morgan. Er sagt: Vergessen Sie alles, was Sie über Unternehmenskultur gelernt haben. Gehen Sie in sich und geben Sie ehrliche Antworten auf folgende Fragen:

  • Welchen Rat würden Sie einem Freund geben, der es in Ihrem Unternehmen zu etwas bringen will?
  • Wie müssen Sie sich im Allgemeinen verhalten und weshalb?
  • Wer ist tatsächlich wichtig und warum?
  • Was erwarten Mitarbeiter im Allgemeinen von ihrer Arbeit, und was möchten sie vermeiden?
  • Wie sollte man demnach vernünftigerweise handeln, was tun, mit wem Umgang pflegen?

Die Antworten auf diese Fragen sind die ungeschriebenen Gesetze – die eigentlichen Spielregeln. Scott-Morgan geht diesen nach, spürt sie auf und macht sie sichtbar. Er fasst sie in neun Typen von Nebeneffekten zusammen, die durch Konflikte zwischen Veränderungsbemühungen einerseits und motivierenden, machtausübenden und handlungsauslösenden Kräften andererseits entstehen. Die Nebeneffekte sind:

  1. Schwache handlungsauslösende Kräfte werden nicht mehr wahrgenommen, es wird nichts mehr ernst genommen. Aus vereinzelten Aufständen wird Anarchie.
  2. Widersprüchliche Anweisungen und Kräfte führen dazu, dass sich die Mitarbeiter tarnen. Sie verstecken Informationen und Sachverhalte. Für das Unternehmen wird daraus Lähmung.
  3. Wenn der Druck zu groß wird, entsteht Paranoia. Man will keine Fehler mehr machen, sich bloß nichts zuschulden kommen lassen, es entstehen Angst und Panik.
  4. Neue Machthaber im Unternehmen werden einfach ignoriert, wenn ihre Macht zu schwach ist. Sie werden übergangen, isoliert und verfallen letztlich in Ohnmacht.
  5. Wenn die Machthaber gleich stark sind, entstehen Machtkämpfe. Abteilungsleiter tragen sie offen oder verdeckt aus. Es geht um Interessen und Einfluss. Nimmt das aufgrund unklarer Rollenverteilung ein großes Ausmaß an, kommt es zum Bürgerkrieg.
  6. Setzt sich ein Machthaber gegen den anderen oder seine Mitarbeiter durch, kommt es zur Verschwörung. Es wird verdeckt intrigiert. Illoyales Handeln ist an der Tagesordnung. Am Ende steht der Verrat.
  7. Eine einfache Art und Weise, Anordnungen und Veränderungsbemühungen zu begegnen, sind Lippenbekenntnisse. Man stimmt nach außen hin zu, ändert sein Verhalten aber nicht. Am Ende steht: Zynismus.
  8. Auch Schizophrenie kann leicht entstehen, wenn zu viele unterschiedliche und gleich starke motivierende Kräfte am Werk sind. Das passiert vor allem dann, wenn Visionen und Ziele, die an und für sich positiv sind, mit dem Alltagshandeln gar nicht zusammenpassen.
  9. Widersprechen die Veränderungsmaßnahmen im Unternehmen auf das Grundsätzlichste den motivierenden Kräften der Mitarbeiter, dann kommt es zur Sabotage. Die besten Mitarbeiter verlassen das Unternehmen, der Durchschnitt bleibt und schaut nur noch auf seine eigenen Interessen.

Scott-Morgan beschreibt die heimlichen Spielregeln, Gesetze und Effekte in anschaulichen und eindringlichen Geschichten und Beispielen. Viele Passagen des Buches sind spannend, weil man das aus dem eigenen Unternehmen kennt, aber aussprechen konnte. Der Autor zeigt im zweiten Teil des Buches Lösungsmöglichkeiten auf, wie die Kräfte der heimlichen Spielregeln genutzt werden können, um trotz oder mit ihnen Veränderungen herbeizuführen. Das macht er auch an acht ausführlichen Fallbeispielen deutlich. Am Ende beschreibt er ausführlich ein Instrumentarium, wie die geheimen Spielregeln sichtbar gemacht werden können. So gewinnt das Buch neben seinem Unterhaltungs- und Aufklärungswert auch noch den Wert eines Ratgebers.


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