Es ist paradox: Auf der einen Seite nehmen uns Computer und Mobiltelefon viele Aufgaben ab. Auf der anderen Seite müssen wir uns immer mehr merken – vor allem Pin-Nummern, Passwörter, Termine, die Pointen unserer Vorträge und vieles mehr. Die vielen Informationen, die uns jeden Tag bombardieren, setzen unser Gehirn Dauerstress aus. Umso wichtiger ist es, dass es regelmäßig gebraucht und trainiert wird. Der Gedächtnistrainer und Experte für effektives Lernen und Arbeiten, Ulrich Bien, hat in diesem Buch ein Trainingsprogramm zusammengestellt.
Er stellt die vielen Gelegenheiten vor, bei denen Merktechniken hilfreich sind und er erläutert diese Merktechniken im Detail. Dabei beschreibt er, wie man das Training Schritt für Schritt angeht, seine eigene Merkfähigkeit verbessert und zu ungeahnten Leistungen führt. Wichtige Merktechniken sind beispielsweise:
- Das Verbildern und Übersetzen von Informationen,
- das Verbinden von Informationen,
- Routinetechniken (viele Informationen mit Hilfe der sogenannten Zahlen-Symbol-Route),
- Verdichten durch das mehrfache Belegen der Routenpunkte.
Dem Autor gelingt es durch viele Übungsbeispiele, Erläuterungen sowie Tipps und Tricks die vielfältigen Methoden des Merkens und Lernens zu vermitteln. Schon das Lesen des Buches ist sehr anregend, vermittelt es dem Leser doch auch viele Einsichten in die Funktionsweisen des Gehirns und in das Denken. Es regt an, die gewohnten Dinge anders zu sehen, um sie sich besser einzuprägen. Ein wesentlicher Trick ist, so viel wie möglich in Bildern abzuspeichern. Denn unser Gehirn kann sich Bilder sehr schnell und sehr einfach merken. Damit lernen wir einfacher Vokabeln, wichtige Fakten oder Begriffe, Zusammenhänge und Hintergründe.
Einziges Manko des Buches: Das Inhaltsverzeichnis vermittelt nur einen beschränkten Einblick in das, was das Buch alles bietet. Es hilft also wenig bei der Orientierung. Dafür helfen das Layout und die Abbildungen, die einzelnen Themen schnell zu verstehen. Entscheidend ist, dass man sich wirklich auf das Trainingsprogramm einlässt und die Zeit nimmt, um die Techniken und Übungen auch selbst anzuwenden. Das setzt einige Disziplin voraus und das Zeitbudget, um das Buch Schritt für Schritt durchzuarbeiten. Wer das schafft, wird von einer gesteigerten Merkleistung belohnt.
Besonders empfehlenswert ist auch die DVD im Anhang des Buches. Der Leser bekommt als Zugabe fast zwei Stunden Seminarmitschnitt von Ulrich Bien mit vielen Techniken und anschaulichen Beispielen. Und hier noch zwei Tipps aus dem Buch:
Verbildern rückwärts für Passwörter
Moderne Bürotechnologie muss sicher sein. So sind Angestellte alle paar Monate gefordert, die Passwörter für Rechner, Kopierer und Kaffeemaschine zu ändern. Die Maschinen sind so intelligent, dass sie den Kosenamen der Kinder nicht akzeptieren. Sie fordern Kombinationen aus Buchstaben und Nummern, die nicht im Wörterbuch stehen. Eine schwierige Aufgabe, vor allem, wenn das Passwort im Kopf bleiben soll.
Dieses Problem lässt sich auf zwei Arten elegant lösen. Variante eins: Sie wenden das Verbildern direkt auf der Tastatur Ihres Computers an. Marschieren Sie mit den Fingern über die Tasten. Machen Sie einen schön symmetrischen Spaziergang, der sich gut merken lässt. Eine spazierte Schlangenlinie oben links auf der Tastatur ergibt 1QW23ER4 oder ein etwas anderer Weg in der rechten oberen Ecke 9OLKI87UJ. Sie brauchen sich nicht den Buchstabensalat, sondern nur den Weg zu merken, den Ihre Finger gegangen sind. Und wenn man Ihnen das Passwort entlocken will, können Sie ganz ehrlich sagen: „Weiß ich nicht!"
Variante zwei: Sie benutzen vorhandenes Wissen zum Konstruieren eines kreativen Passworts. zum Beispiel JBJDN007LAM. Sie ahnen (ohne Kinofan zu sein), was dahintersteckt: Die Anfangsbuchstaben der ersten beiden James-Bond-Filmtitel und die Dienstnummer dazwischen: James Bond jagt Dr. No + 007 + Liebesgrüße aus Moskau. Oder: 12JFMAMJ6 = 12 Monate hat das Jahr, dann die Anfangsbuchstaben der ersten sechs Monate und deswegen eine 6 am Ende. Eigentlich einfach und gleichzeitig kaum zu knacken.
Tipp: Nutzen Sie die natürliche Umgebung von Webseiten
Gerade für das Surfen im Internet wird immer wieder geraten, auf jeder Website ein anderes, starkes Passwort zu benutzen. Im bunten Internet können Sie Passwörter aus Namen und Aussehen einer Webseite herstellen. Denken Sie sich Ihre eigene Regel aus, die Sie auf jeder Seite anwenden. Verschieben Sie zum Beispiel den Namen der Seite um einen Platz im Alphabet nach hinten und ergänzen das um eine Beschreibung des Logos der Seite: Aus eBay wird das Passwort FCBZbunt, und bei Skype melden Sie sich mit TLZQFwolke an. Und nicht weitererzählen!
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