Controlling ist etwas für Spezialisten. Für Menschen, die Zahlen lieben, die sich mit Details befassen, die Freude am akribischen Messen haben. Wer nicht so gestrickt ist, tut sich mit diesem Themenfeld oft recht schwer. Gleichwohl gehört es zu den Grundlagen der Betriebswirtschaft und ist damit ein wichtiges Lehrgebiet für angehende Betriebswirte. Die beiden Universitäts-Professoren Jürgen Weber und Utz Schäffer sind renommierte Experten für das Controlling. In diesem Lehrbuch wollen sie das für viele spröde Thema ansprechend aufbereiten und darstellen.
Es ist an Studierende gerichtet, bietet aber auch dem Controlling-Praktiker einen umfassenden Einblick in sein eigenes Aufgabenfeld. Es will helfen, die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Themenfeldern des Controllings zu erkennen, die Aufgaben zu verstehen und es stellt eine Fülle von Werkzeugen zur Verfügung.
Wie es sich für ein Lehrbuch aus der Wissenschaft gehört, beginnen Weber und Schäffer mit einer Einführung. Sie definieren und erklären wichtige Schlüsselbegriffe, stellen Theorien vor und verankern das Controlling in der Betriebswirtschaft im Besonderen und in der Wissenschaft (Stichwort Rationalitätsprinzip) im Allgemeinen. Die beiden großen Teile dieses Lehrbuches behandeln dann die drei zentralen Funktionen des Controllings:
- Informationsversorgung
- Planung
- Kontrolle
Das Controlling soll das Management eines Unternehmens so mit allen wichtigen Informationen versorgen, dass es gute Entscheidungen treffen kann. Dazu werden die Ergebnisse (Daten, Informationen) aus angrenzenden Funktionsbereichen des Unternehmens genutzt. Das sind vor allem das Rechnungswesen mit Buchhaltung und Rechnungslegung sowie die Kosten- und Leistungsrechnung. Darüber hinaus werden spezifische Kennzahlen und Kennzahlensysteme entwickelt und genutzt.
Alle diese Themen greifen die Autoren in jeweils eigenen Kapiteln ausführlich auf. Einen besonderen Stellenwert räumen sie dem Thema „Verrechnungspreise“ ein. Und schließlich werden alle Zahlen, Daten und Fakten in Form von Berichten aufbereitet und dem Management zur Verfügung gestellt. Worauf es bei Controllingberichten ankommt, wird deshalb ebenfalls in einem eigenständigen Kapitel erläutert.
Im dritten Teil zur Planung und Kontrolle stellen die Autoren eine Fülle von Methoden und Instrumenten dar, mit deren Hilfe Controller Entscheidungsvorlagen für ihr Management erarbeiten können. Es geht auf der operativen, taktischen und strategischen Ebene unter anderem um
- Deckungsbeiträge
- Nutzwerte
- Budgeting
- Investitionsrechnung
- Target Costing
- Erfolgsfaktoren
- Portfolios
Im letzten Teil werden das Aufgabenfeld des Controllers und die Organisation des Controllings im Unternehmen unter die Lupe genommen. Hier geht es um die Fragen der Aufgabenverteilung, der Weisungsbefugnisse, aber auch um die Zufriedenheit des Controllers mit seiner Funktion und Rolle im Unternehmen.
Die Autoren gehen in üblicher wissenschaftlicher Manier an ihr Thema heran. Es geht über weite Strecken um die richtigen Begrifflichkeiten, die Einordnungen und Zuordnungen, um Modelle und Abgrenzungen. Das macht die Inhalte sehr abstrakt und die Sprache leblos und formal. Einfache Aspekte werden sehr detailliert und ausführlich erläutert, andere bleiben sehr allgemein und abstrakt (insbesondere konkrete Werkzeuge).
Eine richtige Lust am Lernen kommt so leider nicht auf. Es werden viele, komplexe Informationen zusammengepackt und sehr verdichtet. Und im Kapitel „Berichtswesen“ wird das als die richtige Art und Weise für die Vermittlung von Informationen an das Management propagiert. Der Laie, an den sich die Berichte ja wenden, dürfte seine Probleme haben, das zu verstehen. Es wird sogar empfohlen: „Je mehr Datendimensionen gezeigt werden und je höher die Anzahl gezeigter Zeichen pro Fläche ist, desto einfacher sind komplexe Zusammenhänge zu vermitteln.“ Eine solche Aussage ist für den Praktiker nur schwer nachvollziehbar.
Immerhin: Der Leser bekommt viele Beispiele präsentiert (einige stammen noch aus DM-Zeiten) und wird durch Fragen und Zusammenfassungen zur Reflexion eingeladen. Die Kernaussagen sind als Marginalien ergänzt. Für die Studierenden werden die einzelnen Themen anhand eines fiktiven Unternehmens, der X-presso AG, verdeutlicht.
Diese Fallstudie wird mit zahlreichen weiteren Aufgaben in einem gesonderten Aufgabenbuch für Studierende wieder aufgegriffen und ausführlich bearbeitet. Wer sich durch die Aufgaben und Lösungsvorschläge arbeitet, übt das Handwerkszeug des Controllers.
Jürgen Weber, Utz Schäffer, Christoph Binder: Einführung in das Controlling. Übungen und Fallstudien mit Lösungen, 2011.
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