Alles ist im Wandel, haben schon die Philosophen der Antike gewusst. Auch die Unternehmen sind dem Wandel unterworfen; ihre Umwelt ändert sich, neue Konkurrenten treten in den Markt ein, Innovationen bieten neue Chancen, Wachstum oder Schrumpfung machen neue Prozesse notwendig. Die meisten Unternehmen wollen sich von solchen Veränderungen nicht einfach treiben lassen, sondern sie aktiv gestalten. Die zielgerichtete Anpassung von Organisationen wird auch als Veränderungsmanagement oder Change Management bezeichnet.
In diesem Bereich gibt es große Defizite in den Unternehmen; umso löblicher ist es, dass Wissenschaftler versuchen, dieses Feld genauer zu beleuchten. In diesem Buch haben sich drei Organisations- und Arbeitspsychologen, Professor Siegfried Greif und seine beiden Mitarbeiter Bernd Runde und Ilka Seeberg, erfolgreich daran versucht. Ausführlich und differenziert befassen sie sich mit dem Veränderungsmanagement und was Erfolge und Misserfolge dabei kennzeichnet.
Im ersten Teil ihres Buches befassen sie sich mit dem Erfolgsbegriff. Sie arbeiten eine soziale Definition von Erfolg und Misserfolg heraus. Im Kern beziehen sie sich auf L. Festingers Theorie aus den 50er Jahren, dass die Zuschreibung von Erfolg oder Misserfolg vor allem ein sozialer Vergleichsprozess ist. Damit lässt sich dann eine Brücke schlagen zu dem in der Betriebswirtschaft beliebten Stakeholder-Konzept und zum Best-Practice-Benchmarking.
Im zweiten Teil beschreiben Greif, Runde und Seeberg die historische Entwicklung der Konzepte der Organisationsentwicklung aus Praxis und Theorie. Im Detail gehen sie ein auf
- das Drei-Phasen-Modell,
- den Wandel durch Change Agents und
- die Selbstreflexion der lernenden Organisation.
Dann beschreiben sie den theoretischen Rahmen für die Organisationsentwicklung. Sie beziehen sich dabei auf:
- die Komplexitätstheorie,
- konstruktivistische Theorien,
- Selbstorganisationstheorien und
- Systemtheorie.
Daraus entwickeln die Autoren eine eigene Theorie, um Veränderungsprozesse zu beschreiben: die Change-Explorer-Theorie. Sie bezeichnet Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren:
- Führung,
- Projektleitung bei Veränderungsprojekten,
- Projektteam,
- Widerstand und Beteiligung betroffener Mitarbeiter,
- Organisationsberater (Change Agents),
- Selbstreflexion und Lernen.
Zur eigenen Reflexion und zur Theorieentwicklung und Überprüfung haben die Autoren insgesamt 211 Organisationen in sieben Ländern beleuchtet und dabei 346 Interviews durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit beschreiben sie im fünften Teil des Buches.
Schließlich haben Greif, Runde und Seeberg aus ihren Untersuchungen ein Verfahren entwickelt, mit dessen Hilfe Praktiker selbst analysieren können, ob und wie ihre Veränderungsprozesse gelingen. Durch strukturierte Interviews in den Organisationen können spezifische Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren identifiziert und dann mit Hilfe des Change Explorers in ein Strukturbild übertragen werden, das Abhängigkeiten beschreibt. Damit wird diese Methode zu einem wertvollen Hilfsmittel, um die so wichtigen Reflexions- und Lernprozesse im Veränderungsmanagement zu unterstützen.
Die drei Autoren haben ein wissenschaftliches Buch geschrieben, das aber auch und gerade den Praktikern, die sich mit Veränderungsmanagement befassen, sehr wertvolle Einsichten und Hilfsmittel gibt, um diese aktiv zu gestalten und zum Erfolg zu führen. Der Aufbau des Buches und die Sprache der Autoren unterstützen dies.
- Arbeitsgestaltung
- Erfolgsfaktor
- Flexibilität
- Führungskompetenz
- Führungsstil
- Kommunikationsmanagement
- Mitarbeiterorientierung
- Motivation
- Organigramm
- Organisationsentwicklung
- Organisationspsychologie
- Produktivität
- Projektmanagement
- Prozessmanagement
- Rendite
- Strategieumsetzung
- Trendscouting
- Unternehmenskultur
- Vertrauen
- Zusammenarbeit
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