Schwenker, BurkhardEuropa führt! Plädoyer für ein erfolgreiches Managementmodell

Die Manager in Europa haben viele Jahre lang von ihren amerikanischen Kollegen gelernt und sie dafür bewundert. Jetzt sind sie an ihnen vorbeigezogen, weil sie andere Werte haben und langfristige Strategien verfolgen. Wer als europäischer Manager Selbstvertrauen tanken will und wissen will, was europäisches Management so stark macht, der findet in diesem Buch viele Argumente.

Köln: Bruno Media, 2011, 151 Seiten
ISBN-10: 3981401263
ISBN-13: 9783981401264
Rezensiert von: Redaktion business-wissen.de

 mit 5 von 5 Punkten bewertet

Viele Studien zeigen, dass amerikanische Angestellte viel länger arbeiten als ihre deutschen und europäischen Kollegen (gemessen an der Wochenarbeitszeit). Und die meisten Managementmoden und Managementmethoden werden scheinbar in den USA erfunden. Das mögen Gründe dafür sein, dass viele Manager in Europa über den Atlantik schauten, wenn sie Vorbilder suchten. „Lange galt das amerikanische Managementmodell als Vorbild. Doch gerade in der Wirtschafts- und Finanzkrise hat sich gezeigt, dass der europäische Managementansatz einen Vergleich mit den USA nicht zu scheuen braucht, im Gegenteil: Europa führt!“

Das schreibt niemand anderes als der Chairman der Unternehmensberatung Roland Berger hier in seinem neuen Buch. Burkhard Schwenker muss es wissen. Er hat über viele Jahre als Chefberater unzählige Unternehmen und ihre Managementmethoden kennengelernt. Jetzt zieht er das Resümee: Europäische Methoden sind die besseren. Das sind aus seiner Sicht die Unterschiede:

Amerikanisch

Europäisch

Händlerkultur

Handwerkerkultur

Gewinn und persönlicher Reichtum

das Streben, etwas Bleibendes zu schaffen

Shareholder Return und Profit per Share

langfristige Strategien und Leadership

persönliche Hybris

Management und soziale Kompetenz

 Um seine These vom führenden Europa zu belegen, führt Schwenker zunächst einige Zahlen an: Europäische Unternehmen konnten in den letzten Jahren ihre Umsätze stärker steigern als amerikanische, die Profite sind höher, die Gewinne sind stärker gewachsen und sie sind international (Export) erfolgreicher. Er bezieht sich dabei auf die 3.000 weltweit größten Unternehmen und die Zeit von 1998 bis 2008, die seine Berater untersucht haben.

Wichtige Gründe für diesen Erfolg nennt Schwenker auch:

  • Den Unternehmen ist es gelungen, Kosten zu sparen und dennoch zu wachsen – durch langfristiges, strategisches Denken.
  • Die Unternehmen haben ihre Leistungen differenziert auf der Grundlage einer guten Forschungs- und Entwicklungsarbeit (innovative Produkte), eines guten Qualitätsmanagements und einer hochwertigen Produktion.
  • Die Manager haben international weniger Berührungsängste.
  • Die Unternehmen sind dezentraler organisiert.
  • Die Manager in Europa haben sowohl die harten Fakten und Kennzahlen im Blick, achten aber auch sehr auf weiche Faktoren wie Führung, Werte, Integrität und Vertrauen.

Im zweiten Kapitel seines Buches erklärt Schwenker, warum das amerikanische Modell in früheren Jahren ein Exportschlager war und warum das amerikanische Managementdenken immer noch so dominiert. Er macht einen Ausflug in die Geschichte, in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Europäer von den Amerikanern lernten, wie Marktwirtschaft, wie Wettbewerb und vor allem wie Marketing funktioniert. Noch immer sind die Management-Universitäten (Business-Schools) aus den USA führend.

Nichtsdestotrotz: Für Schwenker zählen die europäischen Werte mehr. Für ihn ist das amerikanische Modell gescheitert. Europa kann diesen Vorsprung nutzen, wenn es sich weiter entwickelt und noch besser wird. Im dritten Kapitel zeigt Schwenker die Handlungsfelder auf: Strategie, Struktur, Kapitalbeschaffung, Werte und Bildung. Wichtig seien vor allem ein einiges Europa und die Verfolgung wichtiger europäischer Projekte.

In seinem Plädoyer verbunden mit vielen Fakten und Einsichten aus seiner Beratererfahrung entwickelt Schwenker ein anregendes und differenziertes Bild von unternehmensübergreifendem Management-Denken. Es ist ausgerichtet auf große Unternehmen, bietet aber für alle, die als Strategen in Europa über den Tellerrand hinausschauen einige Anregungen und vor allem stärkt es das Selbstvertrauen. Tut auch mal gut!


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