Den Grundstein für unser Leseverhalten wird in der Grundschule gelegt. Dort haben die meisten gelernt, alles Wort für Wort, Satz für Satz und Abschnitt für Abschnitt zu lesen. Denn nur so kann ein Text verstanden werden. Die Autoren hinterfragen diese Grundhaltung: Kommt es bei allen Texten wirklich auf jedes Wort an? Sie schlagen eine Alternative zum traditionellen Lesen vor: ganze Flächen, Zeitungsspalten und Buchseiten lesen. Dazu müssen wir mit Texten allerdings anders umgehen als bisher.
Lesehaltung und Lesetechnik
Flächenlesen ist nicht nur Methode sondern eröffnet gleichzeitig einen neuen Zugang zur Informationsverarbeitung. Leser sollen demnach am Bewusstsein vorbeilesen. Strukturierungs- und Wiederabrufmethoden helfen, das Wesentliche eines Textes zu erfassen, denn die Informationen stecken in nur 20 Prozent eines Textes.
Den Autoren zufolge entscheidet die Haltung zum Lesen über den Erfolg. Wenn wir unter Stress lesen, schadet das unserem Lesefluss. Daher sollten wir, wenn wir etwas schnell und dringend lesen müssen, diese Situation als Herausforderung betrachten, so dass wir ein besseres Leseergebnis erzielen. Die Autoren machen klar: Neben Methoden des schnellen Lesens spielt die eigene Haltung eine wichtige Rolle. Beispielsweise sollen wir mit dem „weichen Blick“ lesen. Dieser verschwimmende Blick beziehungsweise das defokussierte Sehen ermöglicht es, mehr zu sehen – und zu lesen. Die Augen sind dabei entspannt, aber wach.
Schritt für Schritt-Anleitung zum optimierten Lesen
- Schritt 1 – Mentale Vorbereitung: Wechseln Sie von der handlungsorientierten (positiver Stress) in die aufnahmebereite Haltung (Entspannung)
- Schritt 2 – Leseabsichten festlegen: Statt draufloszulesen, starten Sie mit einer präzisen Fragerichtung und einer klaren Zielvorstellung.
- Schritt 3 – Übersicht gewinnen: Dabei hilft es, Klappentext, Vor- und Nachwort sowie das Inhaltsverzeichnis eines Buchs zu lesen. Oder grafische Hervorhebungen und visuelle Eigenheiten im Text zu erfassen. Schlüsselwörter enthalten wichtige Hinweise für sinntragende Informationen. Verschaffen Sie sich eine vorläufige Orientierung.
- Schritt 4 – FlächenLesen: Wählen Sie je nach Bedarf eine der im Buch vorgestellten Lesetechniken.
- Schritt 5 – Eine Gedankenlandkarte erstellen (Mindmapping): Bei diesem Schritt geht es darum, dem Text grundlegende Informationen zu entnehmen und schlüssig auf Papier zu bringen.
Baukasten Flächenlesen
Aus dem Baukasten Flächenlesen können Leser die für sich passende („gehirngerechte“) Methode wählen und gleich umsetzen. Die Autoren stellen mehrere Lesetechniken vor, mit denen ein entspanntes Lesen möglich ist: DreiPunkteLesen, SprungLesen, FingerLesen, WischLesen, SlalomLesen, SeitenLesen.
Im Buch enthalten sind Übersichtsfolien zu einzelnen Abschnitten. Allerdings ist das Buch selbst nicht gerade übersichtlich strukturiert. Erkenntnisse aus der Neurophysiologie und Gehirnforschung werden angebracht, jedoch wirken einige Übungen und Vorschläge auch befremdlich. So empfehlen die Autoren, ein Schriftstück mit allen Sinnen wahrzunehmen: Geruch, Klang und Beschaffenheit. Oder sie empfehlen, sich vor dem Lesen in einen mentalen „Trance“-Zustand zu versetzen.
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