Wer seine Mitarbeiter zielgerichtet und für den Erfolg seines Unternehmens einsetzen möchte, muss wissen, was diese können und was sie wollen oder auf keinen Fall wollen, aber vielleicht befürchten. Dies ist in den meisten Fällen nicht so einfach, denn sehr oft bringt das auf den Kopf zu gefragt keinen Erfolg. Hier muss subtiler und fundierter vorgegangen werden. Wie, das zeigen 28 Autorinnen und Autoren in diesem Sammelband.
Nach einem Einführungsbeitrag der Herausgeber Domsch und Ladwig, stellen sieben Unternehmen vor, wie sie bei der Mitarbeiterbefragung vorgegangen sind. Es sind die großen der Branche: Bertelsmann, Siemens, BASF, Vorwerk, 3M und Henkel. In einem weiteren Beitrag wird auch beschrieben, was einzelne Kommunen auf diesem Feld bereits getan haben. Hilfreich sind dabei die Erfahrungen der Unternehmen und die Fragebögen, die sehr ausführlich dargestellt sind und von denen man sich sicherlich die eine oder andere Anregung mitnehmen kann.
Was immer wieder deutlich wird ist:
- Sie müssen für Mitarbeiterbefragungen um Vertrauen werben: Anonymität und Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat stehen dabei im Vordergrund.
- Sie müssen für die Umfrage werben, damit möglichst viele mitmachen. Dies bedingt eine kluge Vorbereitung und Durchführung der Maßnahme.
Neben dem anonymen Verfahren der schriftlichen Mitarbeiterbefragung wird in einem dritten Teil des Buches auf die Methode des 360-Grad-Feedbacks eingegangen. Nach einem einführenden, akademischen Beitrag kommen wieder die Praktiker zu Wort: IBM, Henkel und Debis stellen ihre Konzepte und Maßnahmen vor. Teilweise kann der Leser auch hier auf die Instrumente der Unternehmen zurückgreifen. Das sind dann beispielsweise Interviewleitfäden, die in diesen Unternehmen eingesetzt werden.
Im vierten Teil des Buches geht es um Mitarbeiterbefragungen zu speziellen Themen wie Teilzeit für Fach- und Führungskräfte, Arbeitszeitflexibilität oder betriebliche Gesundheitsförderung. Hier wird meist ein Methodenmix eingesetzt:
- schriftliche Befragungen mit einem Fragebogen
- persönliche Interviews
- Workshops mit mehreren Teilnehmern und direkt oder indirekt Betroffenen
- Beobachtungen und Analysen direkt am Arbeitsplatz
In zwei weiteren Beiträgen erhält die Mitarbeiterbefragung eine andere Perspektive. Die Autoren gehen in diesem Fall davon aus, dass Mitarbeiter wie interne Kunden zu behandeln sind. Dann wird aus der Mitarbeiterbefragung eine Kundenbefragung. Dies zeigt die schon lange diskutierte Nähe dieser beiden Managementinstrumente. So können Marketingabteilung und Personalentwicklung gemeinsam voneinander lernen. Dies hilft vor allem dann, wenn es um das Verhältnis von unternehmensinternen Serviceabteilungen geht. Oft stehen EDV-Abteilung, Kantine, Kundenservice oder die Personalabteilung selbst in der Kritik. Eine entsprechende Analyse kann mehr Objektivität in die persönlichen Sichtweisen bringen und Mängelursachen aufdecken. Wichtige Aspekte sind dabei:
- Kunden- und serviceorientiertes Denken
- Kooperationsfähigkeit
- Gestaltung von Schnittstellen
Am Ende befassen sich zwei Artikel mit den Möglichkeiten der EDV-technischen Unterstützung von Mitarbeiterbefragungen. Dies wirkt leider wie ein unnötiger Wurmfortsatz. Die Beiträge reißen nur das Thema an, wie Fragebögen zukünftig auch ins Web gebracht werden können. Das greift zu kurz. Aber hätte man das Thema mit allen seinen interessanten Facetten beleuchtet, wäre ein eigenes Buch daraus geworden. Vielleicht kommt dies ja noch.
Dennoch: Für alle, die Mitarbeiterbefragungen planen und durchführen (wollen) ist dieses Buch eine Fundgrube von Anregungen.
