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Enzler Denzler, Ruth

Keine Angst vor Montagmorgen Gelassen in die neue Arbeitswoche

Manche macht die Arbeit krank, weil sie sich von den Aufgaben überfordert oder vom Chef und von Kollegen angefeindet sehen. Die Autorin zeigt auf eindrückliche Weise, was Angst vor dem Job bedeutet, warum sie bei Menschen unterschiedliche Formen annehmen kann und welche Lösungswege es gibt.

Zürich: Orell Füssli, 2011, 188 Seiten
ISBN-10: 328005415X
ISBN-13: 9783280054154
Rezensiert von: Redaktion business-wissen.de

 mit 5 von 5 Punkten bewertet

Es gibt wohl kaum etwas Schlimmeres, als schon am Montagmorgen mit einem Gefühl von Angst, Frust, Langeweile oder Überforderung zur Arbeit zu gehen. Schon auf dem Weg wird einem ganz übel bei den Gedanken an die kommenden Tage. Für viele Berufstätige ist die Arbeit nicht nur mit Ärger und Stress verbunden, sondern mit psychischen und physischen Leiden.

Für diese Menschen hat die Psychologin Ruth Enzler Denzler einige Hilfen parat, die sie in diesem Buch vorstellt. Das können keine fertigen Lösungen sein – dafür eignet sich dieses Medium Buch nicht. Aber die Autorin schafft ein Bewusstsein für die Signale, die kritische Situationen anzeigen. Und sie gibt einige praktische Hinweise, wie eine Lösung aussehen könnte.

Im ersten Teil des Buches schildert Enzler Denzler typische Fälle und konkrete Situationen, die zu einer starken Belastung im Beruf oder sogar zu Ängsten vor Konflikten oder vor Versagen führen können. Beispiele dafür sind:

  • Überforderung mit den gestellten Aufgaben
  • Konkurrenz mit Kollegen
  • Druck, Karriere zu machen
  • Anfeindungen der Kollegen oder Mitarbeiter

Die Autorin beschreibt solche typischen Situationen sehr anschaulich anhand fiktiver Fallbeispiele von einzelnen Personen, ihrem Erleben im Beruf und ihrer Bewertung der eigenen schwierigen Situation. Dann wertet sie diese Geschichten aus, reflektiert über das, was sich beobachten lässt und erklärt dem Leser, der solche Situationen vielleicht aus eigener Erfahrung kennt, was dahinter steckt.

Im zweiten Teil zeigt Enzler Denzler auf, was Angst als eine der wichtigsten Emotionen des Menschen (wie vieler anderer Lebewesen) bedeutet. Warum sie einfach dazu gehört und etwas völlig Natürliches ist. In einem Selbsttest kann der Leser prüfen, welcher Angsttyp er ist. Die Autorin unterscheidet:

  • Erkenntnistyp: Angst vor Stillstand
  • Sozialer Typ: Angst vor Ausschluss
  • Ordnungsstrukturtyp: Angst vor Gewöhnlich-Sein

Daraus ergeben sich unterschiedliche Ängste, die Menschen haben können. Meist neigen die Menschen zu einem oder zwei dieser Typen. Sie haben also spezifische Ängste. die zunächst gar nicht problematisch sind, weil natürlich und überlebenswichtig. Kritisch wird es erst, wenn die jeweilige Angst eine Extremform annimmt.

Wer das erkennt, sieht auch erste Lösungswege. Die müssen zum Typen passen. Einige Lösungswege stellt Enzler Denzler im dritten Teil des Buches vor. Der erste Schritt besteht darin, körperliche Symptome zu erkennen und die Gefühle ernst zu nehmen. Dann muss man rechtzeitig handeln. Oft ist die Hilfe von außen notwendig. Manchmal braucht man eine Auszeit oder man muss den Job wechseln. Schließlich sollte man nachhaltig Ressourcen aufbauen, um mit seinen typischen Ängsten dauerhaft fertig zu werden. Die Autorin empfiehlt: Bewältigungsstrategie für den

  • sozialen Typ: Unterscheide Berufs- und Privatleben und grenze dich ab!
  • Erkenntnistyp: Bewahre deine Autonomie und habe mehrere Standbeine im Leben!
  • Ordnungsstrukturtyp: Erkenne und stabilisiere deinen Selbstwert!

Die Autorin schafft es auf dem knappen Raum dieses Buches ein sehr hilfreiches Bild von den Ängsten zu zeichnen, die uns das Leben im Beruf zur Hölle machen können. Sie erklärt einige wissenschaftliche Hintergründe, gibt viele anschauliche Beispiele und zeigt Lösungswege auf. Wer sich im Beruf stark belastet fühlt und schon am Montagmorgen leidet, muss dieses Buch lesen. Wer den empfohlenen Weg geht kann vielleicht bald sagen: Ich gehe sehr gerne zur Arbeit!