Seit nunmehr 20 Jahren ist „Lean“ das Synonym für die effiziente und perfekt organisierte Fabrik. Die Vorreiter waren die japanischen Automobilunternehmen, insbesondere Toyota, die allen anderen in der Welt vormachten, wie das magische Zieldreieck aufgelöst werden konnte: Perfekte Qualität, schnelle Durchlaufzeiten und dennoch geringste Kosten. Nun schreibt Carsten Schubert, Geschäftsführer der Willy Voit GmbH & Co. KG zu diesem Buch: „Viele der Stärken, die den Japanern zugeschrieben werden, haben im deutschen Mittelstand Tradition. Deshalb muss es darum gehen, auf diese Stärken zu setzen und neue, innovative Konzepte farauf aufzubauen.“
Einen wichtigen Beitrag wollen Harald Balzer und sein Kollege der Unternehmensberatung Concept sowie der Co-Autor Jens-Knut Fabrowsky von Bosch mit diesem Buch leisten. Ihr Ziel: Sie wollen nicht einfach Lean-Konzepte von anderen Unternehmen kopieren, sondern eine übergreifende Methode beschreiben, mit denen Prozesse und Produkte optimal gestaltet werden.
Sie nehmen dabei durchaus auch einen kritischen Standpunkt gegenüber den „Lean-Verfechtern“ und „Lean-Ideologen“ ein. Sie werden ihnen vor, vor lauter Optimierung einzelner Prozesse und Fabriken, den Gesamtzusammenhang eines Unternehmens und seiner Produkte zu verdrängen. Gerade in der Krise habe das fatale Folgen. So erläutern sie im ersten Kapitel, was sie an Lean schätzen, aber auch, wo sie Grenzen und Defizite erkennen. Das Kernproblem sei: Vieles wird missverstanden oder unkritisch kopiert. Wichtig sei, den eignen Weg zu finden. Das beinhaltet vor allem die Prinzipien:
- Verschwendung vermeiden
- Vielfalt akzeptieren
- Varianz beherrschen
- Einzigartigkeit schaffen
- Effektivität und Effizienz richtig miteinander zu kombinieren
In diesem ersten Teil des Buches umreißt Harald Balzer sein Themenfeld. Er grenzt sich ab von vielen anderen, die über Lean reden und schreiben, zeigt auf, was in der Praxis alles schief läuft und wo falsche Signale gegeben werden. Das schreibt er pointiert und durchaus auch einmal etwas polemisch.
Im zweiten Teil geht es dann um seine Lösungsmethode – die Kombination aus Effektivität und Effizienz. Die Stellschrauben (Maßnahmen) dafür sind:
- Kosten transparent machen
- Ergebnis verbessern
- schneller werden
- Produktprogramm optimieren
- Produkte modularisieren
- Logistik integrieren und steuern
- Supply Chain transparent machen
- optimal Rüsten
- Durchsatz steigern
- Ersatzteile richtig managen
Im dritten und im vierten Teil gehen seine Co-Autoren dann auf die spezifischen Bedingungen des deutschen Mittelstands ein und machen diese an vielen einzelnen konkreten Beispielen sichtbar. Wesentliches Merkmal dieser Unternehmen ist, sie haben es mit Auftragsfertigung und Kleinserien zu tun. Ihr Themenspektrum reicht von der Standortverlagerung bis zum Arbeitstakt am Arbeitsplatz.
Im letzten Kapitel schlägt Balzer den Bogen zur aktuellen Situation in vielen Unternehmen: die Krise. Was tun, wenn die Aufträge wegbrechen. Erst hier zeige sich, wie gut Unternehmen und Produktion wirklich sind. Können Sie den Umsatz steigern, die Kosten senken oder den Kapitaleinsatz optimieren. Ein Kernaspekt: Working Capital Management. Schließlich biete die Krise viele Chancen, um zu lernen und um sich zu verbessern. Beides treibt die „schlanke Fabrik“ ständig an.
