Seifert, Josef W.Moderation und Konfliktklärung Leitfaden zur Konfliktmoderation

Wenn Menschen zusammenarbeiten, kann es immer zu Konflikten kommen. Das Wesen des Konflikts zu erkennen und an seiner Lösung zu arbeiten, ist eine wichtige Aufgabe für Führungskräfte. In diesem Buch lernt der Leser, der sich um die Konfliktbearbeitung kümmern muss und will, wie er den Prozess der Moderationstechnik nutzt, um die Konfliktparteien zu einem möglichen Ziel zu führen.

Offenbach: Gabal Verlag, 2009, 151 Seiten
ISBN-10: 3869360119
ISBN-13: 9783869360119
Rezensiert von: Redaktion business-wissen.de

 mit 5 von 5 Punkten bewertet

Führungskraft haben die Aufgabe, Konflikte in ihrem Team zu lösen, die ansonsten die Leistungsfähigkeit aller hemmen oder sogar zu ernsthaften Krisen führen können. Der erfahrene Moderationsexperte Josef W. Seifert zeigt in diesem Ratgeber, wie Konflikte erkannt und mit Hilfe der bekannten Moderationstechniken bearbeitet und hoffentlich in den meisten Fällen auch gelöst werden können.

Seifert macht dabei auch deutlich, was von einem Konfliktmoderator geleistet werden kann und was nicht. Nicht in jedem Fall wird es ihm gelingen, einen Ausgleich zu finden und die Streithähne miteinander zu versöhnen. Doch mit den angemessenen Techniken und mit der richtigen Herangehensweise steigt die Chance auf eine Lösung, die den Parteien und dem Team hilft.

Auch wenn Seifert ein Mann der Praxis ist und der Klappentext behauptet, dass es in diesem Buch keinen theoretischen Ballast gebe, so kommt das Thema ohne einige Modelle zur Erläuterung der Beziehung zwischen Menschen nicht aus. So beschreibt der Autor, welche Rolle die Sachebene und die persönliche Ebene spielen und wie dort Konflikte entstehen können. Besonders wichtig ist zu erkennen, dass sich Konflikte über drei Stufen entwickeln und verschärfen können:

  1. Irritation und Verärgerung,
  2. Verletzung und
  3. Hass

Wichtig ist, möglichst frühzeitig die Konflikte zu erkennen und mit den Moderationstechniken anzusetzen. Oft kommt es dabei aber zu typischen Denkfehlern. Für Seifert sind das:

  • Konflikte werden als schlecht und schädlich angesehen; aber das muss nicht so sein.
  • Nach dem Konflikt ist alles wie vorher; aber Konflikte hinterlassen Narben.
  • Konfliktbearbeitung ist Konfliktlösung; aber Konflikte werden nicht immer gelöst.
  • Eine Lösung ist immer zufriedenstellend; aber es kann am Ende eine Lösung geben, die für beide oder für eine Konfliktpartei sehr schmerzhaft ist.
  • Ein Konflikt muss genau analysiert werden; aber das kann vorgaukeln, dass in jedem Fall eine Lösung gefunden wird; statt dessen kann es durch die Analyse zu Parteilichkeit kommen.

Wichtig ist statt dessen ein Situationsscreening: Was ist los? Was ist in der Vergangenheit passiert? Wie ist es soweit gekommen? Was könnte in Zukunft passieren? Wie ist das Umfeld? Daran schließt sich dann die eigentliche Konfliktmoderation an. Hier setzen sich die Konfliktparteien mit dem Moderator (zum Beispiel ihrem Vorgesetzten zusammen) und arbeiten an der Konfliktlösung. Diesen Prozess erläutert Seifert im Hauptteil seines Buches. Er basiert auf dem Prozess der Moderation. Die Schritte dafür sind:

  1. Einstieg
  2. Sammeln
  3. Auswählen
  4. Bearbeiten
  5. Planen
  6. Abschließen

Seifert erläutert jeden Schritt sehr ausführlich und zeigt mit klaren Beispielen auf, wie der Moderator agieren kann, was er sagen sollte und worauf er achten muss. Er stellt konkrete Techniken vor, die in der jeweiligen Phase geeignet sind, den Prozess voranzubringen. Besonders schwierig ist die Phase der Bearbeitung. Hier gehört schon sehr viel Geschick, Psychologie, Erfahrungen in der Gesprächsführung und in Fragetechniken dazu, um die Lösungsvorschläge des Autors selbst umzusetzen.

Der Leser bekommt so einen sehr hilfreichen Einblick in den Ablauf der Konfliktbearbeitung; er kann lernen, wie er in den einzelnen Phasen der Konfliktmoderation vorgeht. Um diese Vorgehensweise und die Techniken zu beherrschen – dafür braucht es sicherlich eine Menge Übung. Ein intensives Training und die Übung in der Praxis (mit allen Risiken) sind wohl unerlässlich. In jedem Fall ist dieses Buch die richtige Vorbereitung für Führungskräfte, aber nur, wenn sie wirklich eine neutrale Position gegenüber den Konfliktparteien einnehmen können.


Das könnte Sie auch interessieren

Proksch, StephanKonfliktmanagement im Unternehmen Mediation als Instrument für Konflikt- und Kooperationsmanagement am Arbeitsplatz

Konflikte gibt es in allen Teams und in jedem Unternehmen. Sie sind notwendig und produktiv. Vorausgesetzt, die Mitarbeiter und Führungskräfte können damit umgehen und lenken die Konfliktenergie in die richtigen Bahnen. So steigt der Konfliktexperte Stephan Proksch in sein Thema ein. In diesem schmalen, aber sehr gehaltvollen Ratgeber erläutert er, wie man Konflikte erkennt und richtig managt. weiterlesen »

Owen, HarrisonOpen Space Technology Ein Leitfaden für die Praxis

Open Space ist eine revolutionäre Methode, produktive Meetings abzuhalten. Die Methode gibt es schon seit fast zwanzig Jahren – dennoch ist sie immer noch viel zu wenig verbreitet. Das Buch des „Open Space Technology“ Erfinders kann Abhilfe schaffen. weiterlesen »

Nentwich, AndreasRausfliegen mit Erfolg Wie Sie die Bedrohung Jobverlust managen

Eine Kündigung trifft viele wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Der „erfahrene Rausflieger" Andreas Nentwich zeigt, wie man schnell wieder auf die Beine kommt. Damit niemand wie ein geprügelter Hund vom Hof schleicht, sondern erhobenen Hauptes den Platz verlässt – und zwar mit gefüllter Brieftasche. weiterlesen »