Romberg, AndreasSchlank entwickeln, schnell am Markt Wettbewerbsvorteile durch Lean Development

In der Produktentwicklung wird in vielen Unternehmen noch gearbeitet wie anno dazumal. Dabei lassen sich viele Prinzipien des Lean Managements auf diesen Bereich übertragen. Störungen vermeiden, schneller Fluss, rhythmisch und bedarfsorientiert arbeiten – das sollten die Ziele sein. Der Autor zeigt den Verantwortlichen in den Unternehmen die zentralen Stellhebel auf.

Stuttgart: Log_X Verlag, 2010, 167 Seiten
ISBN-10: 393229842X
ISBN-13: 9783932298424
Rezensiert von: Redaktion business-wissen.de

 mit 5 von 5 Punkten bewertet

In Unternehmen muss es schnell gehen. Wer im Wettbewerb erfolgreich sein will, muss beweisen, dass er schneller ist als seine Konkurrenz. Das erwarten die Kunden. Besondere Herausforderungen stellt das an die Forschung und die Entwicklung neuer Produkte. In vielen Branchen gilt: Wer mit einem neuen Produkt oder einer echten Innovation als erster am Markt ist, schöpft besondere Gewinne ab. Auch wenn nicht immer ausgemacht ist, dass der „First Mover“ und nicht der „Follower“ das erfolgreiche Unternehmen ist, so kann sich doch keines mehr erlauben, in der Produktentwicklung zu viel Zeit zu verschwenden.

Darauf weist der Unternehmensberater Andreas Romberg in seinem neuen Buch noch einmal eindringlich hin. Er sieht vor allem die Gefahr, dass deutsche Unternehmen ins Hintertreffen gegenüber ihren asiatischen Konkurrenten geraten, wenn sie nicht ständig zeigen, dass sie ihre neuen Produkte schneller an den Markt bringen.

Der aus seiner Sicht richtige und wichtige Vorgehensweise dazu ist das sogenannte Lean Development, die schlanke Entwicklung. Schon vor über 20 Jahren kam es zu einer Lean-Euphorie, als herausgearbeitet wurde, was die japanischen Autobauer so viel besser machten, als ihre internationalen Konkurrenten. Dazu gehörte auch die Produktentwicklung. Auch wenn die Unterschiede heute andere sind, die Prinzipien der schlanken Entwicklung sind für alle immer noch maßgeblich.

Welche das aus Sicht Rombergs sind, stellt er in diesem Buch vor. Dabei spricht er nur die wichtigen Prinzipien an, nicht die Details und keine Werkzeuge. Für sein Konzept des Lean Developments bedient er sich unterschiedlicher „Best Practices“ – insbesondere aus der Automobilindustrie. Ihm geht es dabei vor allem darum, darauf hinzuweisen, wie viel Zeitverschwendung im Produktentwicklungsprozess häufig steckt. Beispiele, die er nennt, sind:

  • viele Schnittstellen
  • redundante Aufgaben
  • Überlast der Ressourcen
  • mangelnde Zuverlässigkeit
  • wechselnde Prioritäten
  • viele Änderungen
  • fehlende Standards
  • hohe Variantenvielfalt
  • zu hohe Genauigkeiten

Um diese Problemfelder zu beseitigen, nennt Romberg vier Ziele der schlanken Entwicklung, die Unternehmen verfolgen müssten:

  1. Störungsfreiheit durch robuste Prozesse, Ordnung, Vorausdenken und sofortige Fehlerbeseitigung
  2. Fluss, indem ausreichend Ressourcen zur Verfügung stehen und nicht zu viele Aufgaben durch den Entwicklungsprozess geschickt werden (One-Piece-Flow)
  3. Rhythmus, der sich finden lässt, wenn die konzeptionelle Arbeit im Vorfeld sorgfältiger ist, Standards eingehalten werden und die Kommunikation perfekt funktioniert
  4. Sog, indem nur das entwickelt wird, wofür es auch einen tatsächlichen Bedarf gibt (wobei Romberg hier Einschränkungen zugunsten des Ausprobierens macht)

Auch wenn der Autor die Situation in den Unternehmen gerne dramatisiert, so lenkt er damit auch den Blick auf die kritischen Bereiche im Prozess der Produktentwicklung. Es gelingt ihm in diesem schmalen Buch, genau die kritischen Handlungsfelder aufzuzeigen und dem Leser damit viele interessante Einsichten zu geben, wo er Verbesserungen initiieren kann. Im letzten Teil des Buches wird es an einigen Stellen sogar recht konkret. Doch schon die Fokussierung auf die zentralen Erfolgsfaktoren und deren prägnante Darstellung machen das Buch lesenswert.


Das könnte Sie auch interessieren

Lennertz, DieterProduktmanagement Planung, Entwicklung und Vermarktung

Die Aufgaben des Produktmanagements sind vielfältig und weitreichend. Denn der Produktmanager soll dafür Sorge tragen, dass das Unternehmen immer die richtigen, innovativen und zu den Kundenanforderungen passenden Produkte anbietet. Dafür muss sein Verantwortungsbereich mit dem anderer Funktionsbereiche genau abgestimmt sein. Der Autor erläutert, wie das gelingt und stellt viele Werkzeuge für das Produktmanagement vor. weiterlesen »

Wördenweber, Burkard; Eggert, Marco; Schmitt, MarkusVerhaltensorientiertes Innovationsmanagement Unternehmerisches Potenzial aktivieren

Erfolgreiches Innovationsmanagement berücksichtigt das Verhalten der involvierten Personen. Daraus ergeben sich Gestaltungsansätze, die Manager für den Innovationserfolg nutzen können. Dieser Ratgeber beschreibt sie anhand von fünf Prinzipien. weiterlesen »

Schilperoord, PaulDie wahre Geschichte des VW-Käfers Wie die Nazis Josef Ganz die VW-Patente stahlen

Josef Ganz setzte die Idee vom Auto für alle um und stellte den ersten seriengefertigten "Volkswagen" vor. Trotzdem erscheint sein Name nicht in der Automobilgeschichte. In seinem Buch zeigt Paul Schilperoord nun die wahre Geschichte des VW-Käfers. weiterlesen »