„Innovation basiert nicht auf einer Analyse der Welt, wie sie ist, sondern auf einer Vision von der Zukunft, wie sie sein könnte“, sagt der Management-Professor aus Toronto und Autor dieses Buches. Doch die meisten Unternehmen halten lieber an der Vergangenheit fest, fokussieren auf Effizienz und ziehen die Sicherheit vor. Deshalb bringen sie so selten echte Innovationen hervor. Er will in diesem Buch zeigen, wie beide Positionen zusammengeführt werden können. Denn es sollte darum gehen,
- das zukünftige Wissen zu erkunden (Innovation, Exploration) und
- das bestehende Wissen besser zu nutzen (Effizienz, Exploitation).
Mit dem Begriff „Design Thinking“ meint er den Prozess, der dieses Erkunden des Unbekannten, die Ableitung von Mustern und Regeln sowie die Generierung von wiederholbaren Routinen umfasst. Er hat die Form eines Trichters – der Knowledge Funnel. Wichtig ist, diese drei zentralen Elemente und Schritte in diesem Prozess miteinander in Einklang (Balance) zu bringen. Sie müssen in einem ausgewogenen Verhältnis im Unternehmen zur Geltung kommen, unmittelbar aneinander anschließen und sie dürfen nicht unterbrochen werden. Das macht den Erfolg von innovativen Unternehmen aus. Und es lässt sich vergleichen mit der Arbeit von Produkt-Designern.
Das bedeutet, man kann den Erfolg von Ideen, Konzepten oder Projekten nicht im voraus absehen oder gar berechnen. Es bleibt immer eine Entdeckungsreise mit Unwägbarkeiten und Risiken. Erst wenn die neuen Ideen umgesetzt werden, dann kann sich zeigen, ob sie erfolgreich sind. Neue Geschäftsmodelle können nicht so analysiert werden, dass sich berechnen lässt, ob sie erfolgreich sind oder nicht. Es kann allenfalls gute Gründe, Plausibilitäten, unterstützende Signale, starke Hinweise dafür geben, dass ein Geschäftsmodell funktioniert.
Martin macht dies an vielen Beispielen fest und erläutert darauf sein „Modell“ von Innovation und Unternehmensentwicklung. Er führt zahlreiche Überlegungen, Vordenker und Unternehmensbeispiele an, die das beweisen und illustrieren sollen. Seine Überlegungen und Argumentationsketten zeichnen so ein differenziertes Bild davon, wie Innovationsprozesse in Unternehmen ablaufen können. Wichtige Voraussetzungen sind nach Meinung des Autors:
- Unternehmen, die ihre Strukturen, Prozesse und Aufgaben anders organisieren,
- Führungskräfte mit einem anderen Selbstverständnis genauso wie
- Mitarbeiter mit einer neuen Sichtweise auf ihr Unternehmen und ihre Rollen.
Vieles von dem, was Martin anführt, und auch sein Modell im Ganzen sind nicht wesentlich neu. Durch seinen Bezug zum Design schafft er es aber, die einzelnen Bausteine stimmig zusammenzuführen und ein anschauliches Bild von flexiblen, modernen und innovativen Unternehmen zu zeichnen.
