Anderson, ChrisThe Long Tail: Der lange Schwanz Nischenprodukte statt Massenmarkt

Der Bestseller aus den USA zeigt auf, welche Geschäftsmodelle im und mit dem Internet erfolgreich sind. Die Nischenmärkte sind die attraktiven.

2007, München: Hanser Verlag, 287 Seiten
ISBN-10: 3446409904
ISBN-13: 9783446409903
Rezensiert von: Redaktion business-wissen.de
Bewertung: 5 von 5 Punkten

„Andersons Einsichten haben einen großen Einfluss auf Googles strategisches Denken,“ schreibt der Eric Schmidt, CEO von Google, auf dem Titelbild dieses Buches. Das sind die hohen Weihen des vielleicht erfolgreichsten Internet-Unternehmens der letzten Jahre.

Chris Anderson ist Chefredakteur der Zeitschrift WIRED. Er erläutert in diesem Buch, worin die besonderen Chancen des Internet nach dem Hype und der Ernüchterung bestehen. Seine These: Die Wirtschaft verändert sich von Grund auf. Denn die Internet-Technologie macht es möglich, dass Millionen Produkte effizient angeboten und vertrieben werden können, ohne dass es darauf ankommt, dass es Bestseller sind. Selbst das, was nur einmal im Jahr verkauft wird, kann im Internet lukrativ angeboten werden. So entstehen unzählige Nischen – die es nur zu besetzen gilt.

Das alles ist nur möglich, weil die Technik in den letzten Jahren (Anderson bezieht sogar Jahrzehnte ein) so große Fortschritte gemacht hat. Nicht nur das Internet trägt dazu bei, auch Lagerhaltung, Logistik und Produktverfolgung spielen eine wichtige Rolle. Die so genannten Economies of Scale verlieren dadurch an Bedeutung. Das sind dafür die Erfolgsfaktoren:

  1. Es gibt in fast allen Märkten mehr Nischenprodukte als Bestseller. Ihre Anzahl steigt umso stärker, je einfacher und günstiger es ist, sie herzustellen.
  2. Gerade im Internet und den Zugangsmöglichkeiten, die potenzielle Käufer haben (Breitband), sinken die Kosten drastisch, um diese Nischen zu erreichen und zu füllen. Komfortable Suchtechnologien fördern das.
  3. Kunden müssen diese Nischen finden und erkennen, dass die dort angebotenen Produkte ihren Interessen, Wünschen oder Bedürfnissen genau entsprechen. Mit Lieblingslisten oder Empfehlungen kann das gefördert werden.
  4. Mit diesen Angeboten und Möglichkeiten verlieren die Produkte, die zuvor massenhaft verkauft wurden (Bestseller) ihre Bedeutung; es wird mehr von den Nischenprodukten verkauft.
  5. Das einzelne Nischenprodukt wird dadurch nicht zum Bestseller; dafür ist das Angebot zu differenziert. Aber in der Summe gewinnen diese Produkte an Bedeutung. Es entsteht ein wichtiger Markt, der den Bestsellern ernsthafte Konkurrenz macht.
  6. Die Nachfragekurven verändern sich. Es lohnt sich für die Anbieter, Nischenprodukte zu entwickeln und anzubieten, weil es keine Engpässe in der Produktion, im Vertrieb oder bei der Logistik mehr gibt.

Für Chris Anderson bedeutet das die Demokratisierung der Produktion und des Vertriebs. Die Millionen Videos auf YouTube sind nur ein Beispiel dafür, wie das „Monopol“ der wenigen Fernsehsender in Zukunft vielleicht gebrochen werden kann. Der Autor beschreibt diese Welt und ihre Funktionsweise. Er erläutert die Erfolgsfaktoren und ihr Zusammenspiel – meistens durch Beispiele, Geschichten, Zahlen und eindrucksvolle Argumente. So entsteht ein spannendes Bild von einer neuen Form der Ökonomie – nicht nur im Internet.


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