Van der Heijden und seinen Kollegen gelingt es in The Sixth Sense erneut, ihre Leser von der Bedeutung des Szenarienansatzes für die Entwicklung von Unternehmens- und Organisationsstrategien zu überzeugen. Mit der Stimulierung kreativer Denk- und Kommunikationsprozesse (Strategic Conversation) in Strategieteams steht ihr auf sechs Schritten basierender Szenarienprozess in der Tradition des Innovationsmanagements in lernenden Organisationen.
Dass dieser Prozess eine Überlebensvoraussetzung für die Organisation darstellen soll, mag vielleicht etwas übertrieben sein, trifft aber die Wahrnehmung der Akteure, welche bei der Strategiebildung Unsicherheiten und Einflussgrößen für Entwicklungstrends zu bestimmen haben. Nachvollziehbar ist das Argument, dass ein strategisches Denken auf der Basis der Szenarienmethode Wettbewerbsvorteile liefern kann. Das Ergebnis, darauf legen die Autoren wert, kann nicht die Zukunft akkurat vorhersagen, sondern befähigt vielmehr die Organisation dazu, bedeutende Aspekte und Faktoren für die zukünftige Entwicklung zu erkennen und entsprechend die Strategiediskussion und Entscheidungsfindung zu unterstützten.
Eine effektive Strategiediskussion ist charakterisiert durch die Visualisierung und das Erkennen vorhandener Vorstellungen in den Köpfen, einem Gleichgewicht von gemeinsamen und unterschiedlichen Vorstellungen innerhalb der Organisation und dem Input eines breiten Spektrums quantitativer und qualitativer Informationen in die Diskussion.
Hilfreich ist das von den Autoren verwendete Analysemodell zur Identifizierung von unsicheren Einflussbereichen für die zukünftigen Entwicklungen STEEP. Es umfasst soziale, technologische, ökonomische, ökologische und politische Faktoren und soll als Metamodell auf alle Organisationsstrukturen und ihre Umwelt(-einflüsse) anwendbar sein. Aufgabe des Strategieteams ist die Identifikation der Wissenslücken hinsichtlich dieser Faktoren mithilfe des Szenarienentwicklungsprozesses.
Dieser Prozess wird Stufe für Stufe vorgestellt und jeweils mit Praxisbeispielen unterlegt. Auch wenn die konkreten Praxisbeispiele häufig vage bleiben, so sind die einzelnen Stufen gut nachvollziehbar erläutert. Der weitgehende Verzicht auf die Empfehlung von IT-Unterstützung bei der Beschreibung der Arbeitsschritte fällt positiv auf. Auf diese Weise wird dem Leser klar, dass kommunikative Elemente und die Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses im Vordergrund stehen. Dass dennoch, zum Beispiel durch den Einsatz von Intranet-Lösungen, technologische Unterstützung möglich ist und die Instrumente hierzu von den Autoren bzw. dem Centre for Scenario Planning and Future Studies angeboten werden, erfährt man natürlich am Ende auch.
Im großen und ganzen ein hilfreiches Buch für den Einsatz der Szenariotechnik in der Strategieplanung, das die einzelnen Schritte der Umsetzung inklusive praktischer Hinweise gut nachvollziehbar vorstellt und dabei von der Erfahrung der Autoren profitiert.
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