Sie haben wahrscheinlich den schwersten Job zu erfüllen und verrichten ihn unscheinbar und oft erfolgreich – die sogenannten mittleren Manager. Sie sitzen zwischen den Stühlen, müssen Anweisungen des Top-Managements ins tägliche Geschäft übersetzen und die Mitarbeiter, die sie führen, für die Umsetzung gewinnen. Dabei werden sie von der Personalentwicklung leider allzu oft vergessen, sind dafür immer wieder Opfer bei Entlassungen. Paul Osterman, Professor für Human Resources an der MIT Sloan School of Management hat sie genauer unter die Lupe genommen. In diesem Buch fast er seine Erfahrungen aus dreißig Jahren Management-Forschung und zahlreichen Interviews mit mittleren Managern zusammen. Er stellt fest: Mitarbeiter in der Position des mittleren Managements
- fühlen sich wohl in der Zusammenarbeit mit Kollegen,
- sind sehr produktiv,
- haben viele Freiheiten und große Autonomie und
- finden in ihren täglichen Aufgaben auch sehr viel Erfüllung.
Aber es gibt auch Schattenseiten: Sie wissen nicht so recht um ihre Rolle und Bedeutung im Unternehmen. Sie empfinden eine Distanz zu Ihrer Organisation und werden sehr oft zynisch. Ihnen fehlen Karriereperspektiven. Sie sehen ihre Stellung sogar bedroht und sorgen sich um ihre Zukunft. Das ist für die Unternehmen ein Risiko. Denn sie sind auf die Leistungsfähigkeit und das Engagement der mittleren Manager mehr denn je angewiesen, meint Osterman. In diesem Buch belegt er dies umfassend und aus unterschiedlichen Perspektiven.
Zunächst beschreibt er, wie sich die Rahmenbedingungen und das Umfeld für das mittlere Management verändert haben, insbesondere durch die vielen Restrukturierungsprogramme, die immer wieder durch die Unternehmen gehen. Dem entsprechend haben sich auch die Rollen, die Bedeutung und die Aufgaben der mittleren Manager verändert. Im Vordergrund stehen heute:
- mehr Verantwortung bei der Leitung von Teams,
- starke Kundenorientierung,
- Absprachen und Ausgleich finden mit anderen Abteilungen innerhalb des Unternehmens,
- mehr Stress durch vielfältige Anforderungen und mehr Verantwortung, die sie zu tragen haben.
Besonderes Augenmerk lenkt Osterman auf die Karrieremöglichkeiten der mittleren Manager. Diese haben sich verändert; lebenslange Anstellungen und verlässliche Karrieren gibt es immer weniger, mit Restrukturierung und Hierarchieabbau ist vielen unklar, wie eine Karriere aussehen kann. So kommt es zu Defiziten in ihrer Loyalität gegenüber ihren Arbeitgebern.
Am Ende gibt Osterman noch einen Ausblick. Er erläutert, wie sich das mittlere Management und ihr Umfeld in den nächsten Jahren verändern werden und wie sich die betroffenen Mitarbeiter und die Unternehmen darauf einstellen können.
Auch wenn Osterman vor allem die mittleren Manager in amerikanischen Unternehmen im Blick hat und seine Erfahrungen dort gesammelt hat, so dürften viele von seinen Einsichten auch auf mittlere Manager in europäischen Unternehmen zutreffen. Kurz und bündig, aber mit einer überzeugenden Argumentation entwirft er ein vielschichtiges Bild. Dabei stützt sich Osterman auf eine Fülle von soziologischen und arbeitspsychologischen Untersuchungen der letzten Jahrzehnt. Um seine Erläuterungen zu fundieren, ergänzt er statistisches Material, zahlreiche persönliche Aussagen von mittleren Managern und einige Fallbeispiele. Das sollte dem Top-Managern, aber vor allem auch der Personalentwicklung Anregungen liefern – sodass sich diese endlich mehr um ihre wahren Leistungsträger kümmern.
