Die Zeitarbeit ist in den letzten Jahren rasant gewachsen. Da sie aber durchaus umstritten ist, beleuchtet dieses Buch diese flexible Art des Personaleinsatzes aus unterschiedlichen Perspektiven. Es kommen Vertreter unterschiedlicher Interessengruppen zu Wort: Personalleiter, Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, Betriebsräte. Die Beiträge von Experten aus der Wissenschaft untersuchen psychologische, rechtliche, volkswirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte genauer.
Im ersten Teil beschreibt Holger Schäfer die Entwicklung der Zeitarbeit. Die Zahl der Beschäftigten Zeitarbeitnehmer ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Aufgrund der wirtschaftlich schlechten Lage in 2008 und 2009 muss aber damit gerechnet werden, dass die Dynamik der Zeitarbeit nachlässt und die Zahl der überlassenen Arbeitnehmer durch Zeitarbeitsfirmen zurückgehen wird. Langfristig gesehen wird die Zeitarbeit jedoch wieder wachsen und dies mehr als die Gesamtwirtschaft. Die Dauer der Arbeitsverhältnisse zwischen Zeitarbeitsfirma und Arbeitnehmer ist durchschnittlich gestiegen, der Fluktuationsgrad hat sich somit in den letzten Jahren vermindert. Den meisten Anstieg verzeichnet die Zeitarbeit in den Dienstleistungsberufen. Ursache für die gute Entwicklung der Zeitarbeit liegt an dem Flexibilisierungsbedürfnis der Unternehmen sowie an den vermehrt adäquaten Angeboten der Zeitarbeitsunternehmen.
Das Buch beschreibt im ersten Teil außerdem die rechtlichen Rahmenbedingungen der Zeitarbeit. Es findet immer eine Dreiecksbeziehung statt mit folgenden Rechtsverhältnissen:
- Zwischen Zeitarbeitsunternehmen und Zeitarbeitnehmer;
- Zwischen Zeitarbeitsunternehmen und Kundenunternehmen;
- Zwischen Zeitarbeitsunternehmen und Kundenunternehmen.
Martin Dreyer, der Autor dieses Teils, gibt einen Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen der oben genannten Verhältnisse. Zum Beispiel über die Vergütung, die Arbeitszeit, Streik, Kündigung, Haftung sowie Rechte und Pflichten.
Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich mit den Chancen und Risiken der Zeitarbeit aus unterschiedlichen Perspektiven:
- Unternehmersicht: Zeitarbeit ist nur eine Möglichkeit unter vielen, temporär das Personal aufzustocken. Um Zeitarbeit richtig beurteilen zu können, vergleicht der Herausgeber Markus-Oliver Schwaab sie mit anderen flexiblen Beschäftigungsmöglichkeiten, zum Beispiel die Mehrarbeit, und zeigt die Vorteile sowie die Risiken der Zeitarbeit.
- Mitarbeitersicht: Klaus Moser und Nathalie Galais nennen die Gründe, warum sich Menschen für Zeitarbeit entscheiden und welche Rolle sie in den Kundenunternehmen einnehmen. Auf die Weiterbildung gehen sie auch ein und stellen fest, dass die Weiterbildungsmöglichkeiten in der Zeitarbeit nicht so gut sind, wie bei festen Beschäftigungsverhältnissen. Profitieren können die Zeitarbeitnehmer allerdings vom Erwerb der Meta-Kompetenzen, beispielsweise schnelle Anpassungsfähigkeit.
- Gesamtwirtschaftliche Sicht: Harald Strotmann zeigt die positiven und negativen Wirkungen auf die Gesamtwirtschaft. Er geht dabei auf die Bedeutung der erhöhten Anpassungsflexibilität der Leiharbeit auf dem Arbeitsmarkt ein.
- Sicht eines Betriebsratsvorsitzenden: Aus Sicht des Betriebsrates ist es wichtig, dass die Zeitarbeitnehmer mit der Stammbelegschaft eine Einheit bilden. Die Integration von Leiharbeitern ist dem Betriebsratsvorsitzenden Wilfried Schulz deshalb so wichtig, damit die festangestellten Mitarbeiter nicht darunter leiden. Aber auch für die Zeitarbeitnehmer will der Betriebsrat da sein. Die Interessen der Stammmitarbeiter zu vertreten und auf der anderen Seite Verständnis für die Zeitarbeitnehmer zu zeigen ist nicht immer einfach. Es wird erläutert, wie dieser Spagat gelingen kann und was der Betriebsrat dafür tun kann.
- Gewerkschaftssicht: Armin Schild und Ingo Petzold schildern die Zeitarbeit aus Sicht der Gewerkschaften. Leiharbeit ist für die Gewerkschaft nur dann akzeptabel, wenn sie vermittlungsorientiert stattfindet. Das heißt, mit dem Ziel den Leiharbeitnehmer in eine feste Anstellung zu vermitteln. Die anderen Formen wie lohnorientierte und flexibilitätsorientierte Leiharbeit sehen sie als bedenklich an, da sie Risiken für die Stammbelegschaft bedeuten. Sie stellen einige Forderungen, wie Leiharbeit trotzdem positiv gestaltet werden kann.
Welche Erfahrungen die Betriebe mit Zeitarbeit gemacht haben, erfährt der Leser im dritten Teil. Mehrere Unternehmen berichten, wie die Zeitarbeit ihr betriebswirtschaftliches Handeln beeinflusst – sowohl positiv als auch negativ. Die Beweggründe, einen Zeitarbeitnehmer aufzunehmen und welche Anforderungen an ihn gestellt werden, werden aufgezeigt. Auch die Integration und Einarbeitung werden aus betrieblicher Sicht geschildert.
Im vierten Teil und gleichzeitig umfangreichsten Teil geht es um die Herausforderungen der Zeitarbeit. Der Herausgeber Markus-Oliver Schwaab meldet sich gleich zu Beginn noch einmal zu Wort. Er beschreibt die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Zeitarbeit. Dieses brisante Thema ist auch in der Zeitarbeitsbranche von großer Bedeutung. Zwei negative Folgen hat die alternde Gesellschaft auf die Zeitarbeitsunternehmen:
- Auf der einen Seite wird es für die Zeitarbeitsunternehmen dadurch schwieriger, geeignetes Personal zu finden.
- Auf der anderen Seite werden die Unternehmen vermehrt selbst auf Personalsuche gehen, um sich die begehrten Talente zu sichern.
Deshalb muss sich die Zeitarbeit den neuen Herausforderungen stellen und versuchen kreative Lösungsansätze zu entwickeln.
Einen interessanten Beitrag mit kritischen Ansätzen liefert der Redakteur Thomas J. Dauser. Er geht auf den Arbeitsschutz sowie den missbräuchlichen Einsatz von Leiharbeit ein. Wie überall gibt es auch in der Zeitarbeit schwarze Schafe, die entlarvt werden müssen. Die Politik scheint aber nicht ausreichend etwas gegen die Missstände in der Leiharbeit zu tun, so Thomas J. Dauser.
Am Beispiel von Randstad Akademie vermittelt Alexander Spermann, wie Weiterbildung von Zeitarbeitnehmern erfolgreich funktionieren kann und wozu es notwendig und sinnvoll ist. Dabei nennt er auch die Probleme in der Praxis. So ist beispielsweise die kurze Betriebszugehörigkeit ein zentrales Problem, weshalb sich meistens nur kurze Qualifizierungsmaßnahmen rentieren.
Im vierten Teil werden darüber hinaus folgende Themen behandelt:
- Unternehmenszusammenschlüsse in der Zeitarbeit,
- Branchenlösungen in der Zeitarbeit,
- ein erfolgreiches Beispiel einer gemeinnützigen Arbeitnehmerüberlassung,
- Internationale Zeitarbeit,
- Interimsmanagement,
- neue Anforderungen für Personaldienstleister und
- rechtliche Entwicklungstendenzen und branchenpolitische Herausforderungen.
Im fünften und letzten Teil des Buches geht es schließlich um die Zukunft der Zeitarbeit. In einem englischen Beitrag beschreibt Denis Pennel, welchen Wandel die Zeitarbeit durchlebt hat und wie sie sich in Zukunft entwickeln könnte.
Die Herausgeber Ariane Durian und Markus-Oliver Schwaab geben im letzten Kapitel auch ihre Zukunftsprognosen über Personaldienstleister ab. Sie sehen die Zeitarbeit weiterhin auf steigendem Kurs und in den verschiedensten Branchen und Varianten. Sogar bei der Zuwanderungsproblematik sehen sie die Zeitarbeit als mögliche Lösung an.
Das Buch richtet sich an Fach- und Führungskräfte in Zeitarbeitsunternehmen und Gewerkschaften, Studenten und Dozenten der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Personalmanagement sowie an Politiker. Insgesamt ist das Sammelwerk eine durchaus lesenswerte Lektüre, aufgrund mehrerer Pluspunkte:
- Die unterschiedlichen Perspektiven ermöglichen einen Rundumblick auf die Zeitarbeit.
- Die Chancen und Risiken sind ausführlich beschrieben und helfen bei vielen Entscheidungsfragen.
- Die Vielfalt bei den Autoren macht das Buch spannend und weckt Interesse.
- Die grafischen Elemente sind an den richtigen Stellen platziert, wo sie dem Leser bildhaft die Inhalte vermitteln.
- Die praxisnahen Beispiele vermitteln mehr als nur Theorie und zeigen, wie die Zeitarbeit in der Praxis funktioniert.
